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Ein Flitzer gegen mehr Geld

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- Wimbledon - Was ein gut gebauter, 29 Jahre alter Discjockey aus den Niederlanden mit der Diskussion um die Forderung der Spielerinnen nach mehr Geld zu tun hat? Direkt natürlich nichts, aber indirekt hat der Gute bei seinem Auftritt auf dem Centre Court den Frauen keinen Gefallen getan; zumindest denen nicht, die auf dem Rasen standen. Wenn es möglich ist, dass ein turnender Flitzer die Attraktivität von vier Spielen im Viertelfinale übertrifft, dann kann in der Diskussion um gleiches Preisgeld irgendwas nicht stimmen.

Mit Ausnahme der Belgierin Justine Henin-Hardenne haben in den Tagen des Wimbledonturniers 2006 alle Spitzenspielerinnen erklärt, ihrer Meinung nach stünde ihnen das gleiche Preisgeld wie den Männern zu. Sogar Englands Regierungschef Tony Blair meinte daraufhin, er unterstütze die Forderung, desgleichen der amerikanische Altmeister John McEnroe - und Johnny Mac war bisher nicht gerade als Frauenrechtler aufgefallen.

Nachdem die Franzosen in Paris heuer zum ersten Mal Preisgeld in gleicher Höhe für Männer und Frauen im Angebot hatten, ist Wimbledon das letzte der vier Grand-Slam-Turniere, bei dem Männer mehr verdienen. Der Sieg im Männerturniers wird mit 655 000 Pfund honoriert - umgerechnet rund 946 000 Euro, der bei den Frauen ist 625 000 Pfund (903 000 Euro) wert. Beim Gewinn, den der Club mit dem Turnier macht (2005 rund 27 Millionen Pfund), kann es nicht daran liegen, dass das Geld fehlt, um das Preisgeld der Frauen aufzustocken. Es handelt sich um eine prinzipielle Entscheidung vor dem Hintergrund, bis auf weiteres der Tradition zu folgen.

Ums Prinzip geht es den Frauen auch; die fordern gleiches Geld für gleiche Arbeit. Fragt sich nur, ob es gleiche Arbeit ist. Die Männer brauchen drei Gewinnsätze zum Sieg, die Frauen nur zwei, und Spiele, die weniger als seine Stunde dauern, sind bei ihnen keine Seltenheit. Was sie davon halten würden, auch fünf Sätzen spielen zu müssen? Maria Scharapowa: "Ich würde es schon versuchen, aber dann bräuchte ich einen Rettungswagen am Platz."

Natürlich steigt die Attraktivität eines Spiels nicht automatisch mit dessen Dauer; manchmal ist es sogar umgekehrt. Aber alle vier Viertelfinalspiele der Frauen waren derart einseitig und von solch durchschnittlichem Niveau, dass man sie kaum als Argument für bessere Bezahlung verstehen konnte.

Ein paar Frauen, allerdings eher die aus der ersten Liga, haben, wie Kim Clijsters, sogar schon darüber geredet, Wimbledon im nächsten Jahr womöglich zu boykottieren, um die Forderung nach gleicher Bezahlung durchzusetzen. Na, jetzt spielen sie jedenfalls noch. Heute im belgischen Halbfinale mit Clijsters und Henin-Hardenne und mit dem anderen von Mauresmo und Scharapowa, einer Versammlung der vier Besten des Frauentennis in diesem Jahr.

Aber um in diesem Zusammenhang noch mal auf die Taten des nackten Disc-Jockeys zurückzukommen, der die ganze Nacht auf der Straße in der Schlange campiert hatte, um eine Karte für den Centre Court zu erstehen. Der hat es geschafft, Maria Scharapowa für ein paar wunderbare Sekunden zum Schweigen zu bringen. Ansonsten erreichte das Geschrei der Russin während des Spiels die neue Höchstmarke von 102,7 Dezibel - das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers. Aber ob das als Argument für Attraktivität und damit für gleiche Bezahlung durchgeht?

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