Florian Eckert: Sein Comeback im Weltcup

- Garmisch-Partenkirchen - Im September war Florian Eckert als Ski-Rennläufer zurückgetreten, sein vor vier Jahren schwer verletztes Knie war den Belastungen nicht mehr gewachsen. Inzwischen studiert der 26-jährige Bad Tölzer in München Feinwerktechnik. Aber Eckert hat noch eine spannende Aufgabe gefunden: Bei den Weltcup-Rennen am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen fungiert er als Stellvertreter von Rennleiter Heinz Mohr. Wir sprachen mit Florian Eckert über sein Comeback im Weltcup.

Florian Eckert, Sie kommen gerade von der Kandahar-Strecke - was macht der neue Vize-Rennleiter da?

Eckert: Ich helfe halt ein bisserl bei der Organisation. Der Heinz Mohr und Pistenchef Mike Bräu, dieses Team macht es schon brutal lange, zusammen mit dem Günter Hujara und Helmut Schmalzl von der FIS. Ich mache halt ein bisserl den Adjutanten vom Mohr Heinz. Das bedeutet: Zuschauen und lernen.

Sie kehren in den Weltcup zurück, nur in anderer Funktion. Was ist das für ein Gefühl?

Eckert: Die Arbeit gefällt mir. Das ist sicher nicht so wie Rennen fahren - aber das geht halt leider nicht mehr.

Irgendwann sollen Sie dann Nachfolger von Heinz Mohr werden?

Eckert: Irgendwann einmal, vielleicht, eventuell, unter Umständen. Da hängt schon viel davon ab, ob man der Typ dafür ist, ob man mit dem Druck und der Verantwortung umgehen kann. Das weiß ich ja jetzt noch nicht. Auf Anhieb würde ich mir das nicht zutrauen, aber man kann ja auch in eine Sache reinwachsen. Man ist verantwortlich, dass ein Rennen gefahren werden kann. Gerade in punkto Sicherheit muss man alles machen, was möglich ist. Überall, wo hohe Geschwindigkeit dabei ist, ist es auch gefährlich. Man muss einfach das Restrisiko minimieren.

Sind Sie sehr traurig, nicht mehr fahren zu können?

Eckert: Das kann ich erst am Montag nach den Rennen sagen. Bis jetzt waren die Tage ausgefüllt mit dem Herrichten der Strecke. Und ich muss ganz klar sagen: Wenn ich jetzt so eine Abfahrt sehe, und wie weit die Tore auseinander sind - die Abfahrt hat schon eine ganz eigene Faszination.

Garmisch und Schladming bekämpfen sich wegen der Vergabe der WM 2011. Kämpfen Sie mit?

Eckert: Wegen der WM ist es total wichtig, dass hier gute Rennen stattfinden. Das Wetter scheint zu passen, und wir dürfen uns keine Fehler erlauben. Über eine WM entscheiden nicht nur die Zuschauerzahlen. Wenn das so wäre, könnte man ja nur noch in Kitzbühel und Schladming eine WM machen. Ich möchte mal den Ort sehen, der für eine Weltmeisterschaft so eine gute Anbindung hat wie Garmisch mit dem Münchner Raum und Innsbruck. Dass bei einer WM in Schladming mehr Zuschauer wären als in Garmisch? Ach, ich möchte mich da gar nicht aus dem Fenster lehnen.

Verfolgen Sie eigentlich noch jedes Ski-Rennen im Fernsehen?

Eckert: Das erste Rennen, das ich in diesem Winter wirklich gesehen habe, war am Dienstag der Slalom in Schladming. Ich verfolge es grob in der Zeitung, schaue aber sehr wenig an, muss ich ehrlich sagen. Für mich war das immer so: Ich finde es sehr spannend, wenn man dabei ist, sonst nicht. Früher war es so, dass sich das ganze Leben nach dem Skisport ausgerichtet hat, heute nicht mehr. Es ist nicht so, dass ich sage: Ich bin bockig und schaue nicht mehr zu, sondern das Interesse liegt einfach woanders. Unter der Woche bin ich in München und wenn ich am Wochenende draußen bin, dann ist es oft so, dass ich halt lieber auf den Berg möchte.

Oder ist beim Zuschauen zu viel Wehmut dabei?

Eckert: Überhaupt nicht, da bin ich nicht der Typ. Ich schaue es mir gerne an, und bei so einem Rennen wie dem Slalom fiebere ich auch mit, aber das Interesse ist momentan nicht wirklich da.

Haben Sie noch Kontakt zu früheren Kollegen?

Eckert: Ganz selten. Die sind im Weltcup unterwegs, ich bin mit dem Studium beschäftigt. Außerdem war ich mit keinem so speziell, dass wir jetzt Briefe schreiben würden oder jeden Abend telefonieren.

Auch interessant

Kommentare