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Max Verstappen und Sebastian Vettel (v. l.) sind beide durch die Schule von Red Bull gegangen.

Helmut Marko im Interview

Red-Bull-Berater exklusiv: „Wenn er seine Ziele erreichen will, muss Vettel ...“

Im tz-Interview spricht Red-Bull-Berater Helmut Marko über seinen ehemaligen Schützling Sebastian Vettel. Außerdem geht es um Max Verstappen und eine Erinnerung an Ayrton Senna.

Spa-Francorchamps - Zurück aus der Sommerpause! Ab Sonntag in Spa (Belgien) ist der 34-jährige Spitzenreiter Lewis Hamilton (250 Punkte) der Gejagte. Oder ist der Titel bereits entschieden? Die tz sprach mit Red-Bull-Berater Helmut Marko (76) über seinen Schützling Max Verstappen (21), seinen Freund Sebastian Vettel (32) und den F1-Nachwuchs.

Dr. Marko, Sie haben vor wenigen Wochen Pierre Gasly bei Red Bull durch Ihren Toro-Rosso Junior Alexander Albon ersetzt: eine schwere Entscheidung?

Marko: Solche Entscheidungen sind nie einfach. Aber wir mussten reagieren. Es geht auch darum, wer nächstes Jahr neben Verstappen bei Red Bull fährt. Albon fühlt sich bereit dazu. Gasly soll bei Toro Rosso wieder sein Selbstbewusstsein finden.

Warum Albon und nicht Dani Kvyat?

Marko: Albon braucht die Chance, um sich auf nächsthöherer Stufe zu beweisen. Kvyat kennen wir. Wir wissen, was er kann.

Zum Beispiel hat er das durch seinen dritten Platz in Hockenheim bewiesen. Für Sie war das ein besonderes Podium: Verstappen vor Vettel und Kvyat. Alle drei sind Ihrer Nachwuchsschule entsprungen...

Marko: Das war mir im ersten Moment nicht bewusst. Albon war auch noch unter den ersten Sechs. Aber ich war unter dem Podium immer noch von diesem einzigartigen Rennen fasziniert. Das letzte Mal, dass ich ein solch dramatisches Rennen mit einer solch überragenden Fahrerleistung gesehen habe, war in Donington 1993. Als Ayrton Senna im Regen so überragend gewann.

Drei ehemalige Red-Bull-Junioren auf dem Podium: Max Verstappen, Daniil Kvyat und Sebastian Vettel (v. l.) begießen das besondere Rennen auf dem Hockenheimring.

Wonach schauen Sie bei jungen Talenten? Worauf kommt es an?

Marko: Auf Speed. Das ist das Wichtigste.

Aber Jos Verstappen hat erzählt, dass Sie bei Ihrem ersten Treffen eineinhalb Stunden mit Max gesprochen haben.

Marko: Normalerweise rede ich maximal 20 Minuten. Aber bei Max war das ganz anders. Das hat sich so ergeben.

Provozieren Sie junge Piloten bewusst bei diesen „Vorstellungsgesprächen“?

Marko: Das gehört auch dazu. Das ist eine Form der Gesprächsbegleitung. So eine Art Stresstest.

Max Verstappen ist erst 21. Was macht ihn jetzt schon so überragend gut?

Marko: Er ist in der Relation zu seinem Alter der schnellste Fahrer, den wir je hatten. Dazu kommt jetzt seine Erfahrung. Er hat seit dem Rennen in Frankreich 2018 keinen Fehler mehr gemacht. Er kann immer am Limit fahren, irrsinnig schnell, ohne je die Übersicht zu verlieren. Ein Beispiel: Wenn ihm sein Ingenieur sagt, dein rechter Hinterreifen ist zehn Grad zu heiß, reagiert er sofort. Dann hat er innerhalb von zwei Runden die Temperatur wieder gesenkt, ohne aber an Rundenzeit verloren zu haben. Das ist phänomenal.

Im letzten ersten Saisondrittel hat er noch einige Fehler gemacht: Gehören die zum Reifeprozess dazu?

Marko: Auf jeden Fall. Im letzten Jahr stand ihm am Anfang sein immenser Ehrgeiz im Weg. Er wollte immer der Schnellste sein, sogar in jedem freien Training, das eigentlich dafür da ist, das Auto vernünftig abzustimmen. In Monaco hatte er im P3 ein Siegauto. Trotzdem schmiss er es in die Leitschienen, nur weil Sainz gerade vor ihm war. Das ist in dieser Saison völlig anders. Auch die Gespräche mit seinem Renningenieur sind viel, viel besser geworden. Die haben jetzt richtige Qualität.

Helmut Marko ist seit 2005 für Red Bull im Motorsport tätig.

Sehen Sie Parallelen zwischen Max und Sebastian Vettel, der mit Ihnen vier WM-Titel gewann?

Marko: Beide sind absolute Alphatiere, die ihren Zielen und ihrem Sport alles unterordnen.

Wie wichtig ist ein gutes Umfeld für einen Fahrer?

Marko: Wenn du so sehr unter Druck stehst, brauchst du ein Team, das dir zeigt: Wir stehen hinter dir! Max hatte eine etwas schwierige Phase bei der Abkoppelung von seinem Vater. Das war aber verständlich. Er hat mit ihm jahrelang praktisch Tag und Nacht verbracht. In unserem System war das aber für Jos so nicht mehr möglich.

Wie optimistisch sind Sie, dass Red Bull sein Ziel erreicht, Max zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten zu machen?

Marko: Dieses Jahr sind die Chancen eher gering. Aber solange es rechnerisch möglich ist, geben wir nicht auf. Realistischer ist es nächstes Jahr. Das Reglement der Autos bleibt gleich und Honda hat uns Zukunftspläne präsentiert, die uns sehr zuversichtlich stimmen.

Max ist mit 21 Jahren noch sehr jung. Wo ist sein Limit?

Marko: Das Limit haben wir noch nicht gesehen. Es wird immer eine Steigerung geben. In Hockenheim ist er im Regen extrem weggezogen, war zeitweise fünf Sekunden schneller. Wie er die Restarts organisiert hat, war auch schon extrem gut. Aber, wie gesagt: Er ist noch längst nicht an seinem Limit.

Kann Vettel noch mitmischen?

Marko: Sebastian muss sich einmischen, wenn er sein Ziel erreichen will, mit Ferrari Weltmeister zu werden. Ich bin überzeugt davon, dass er es könnte. Aber die Frage ist: Will er es noch?

Wie meinen Sie das?

Marko: Politik machen gehört dazu. Er ist nicht der Typ dafür, aber meiner Einschätzung nach muss er bei Ferrari politisch sein, sonst wird er seine Ziele nicht erreichen. Er muss sich einfach überwinden.

So sieht der aktuelle WM-Stand der Formel 1 aus. Mick Schumacher berührt die Fans mit einem emotionalen Post an seinen Vater.

In diesem Artikel auf tz.de* erklären wir Ihnen, wie Sie den Großen Preis von Belgien live im TV und im Live-Stream sehen können.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Interview: Ralf Bach

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