+
Andy Schleck versteht die Welt nicht mehr

Doping-Vorwürfe

Schleck: "Schwöre beim Kopf meiner Mutter"

Bagnères-de-Luchon - Die Schlecks verstehen die Welt nicht mehr - beziehungsweise beteuern sie dies nach dem Medikamentenbefund von Fränk bei der Tour de France eindringlich.

„Wir haben nie etwas Unerlaubtes genommen, das schwöre ich beim Kopf meiner Mutter“, flehte Andy Schleck, der jüngere der beiden Radsport-Brüder, in der Luxemburger Zeitung „Le Quotidien“. Dem Familienunternehmen Schleck, das vor einiger Zeit mit dem Ziel angetreten war, zusammen den Tour-Thron zu erobern, droht die große Pleite: Fränk riskiert vielleicht sogar sein Karriereende, Andy - immerhin Tour-Sieger 2010 am Grünen Tisch - ist ohne seinen Bruder nach allem Anschein nur die Hälfte wert.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Als der erste Schock über die positive Dopingprobe auf das Diuretikum Xipamid überwunden war, gingen die beiden Schlecks zum Gegenangriff über - wobei es vor allem der verletzte Andy ist, der mit haarsträubenden Formulierungen um sich wirft. In einem ersten Interview hatte er bereits auf sein Leben und das seiner Familie geschworen, dass der Bruder keine unerlaubten Mittel genommen habe.

Fränk stehe „unter Schock“, erzählte Andy „Le Quotidien“ am Donnerstag. Der Fahrer vom Team RadioShack-Nissan geht von einer „Vergiftung“ aus, sollte auch die B-Probe am Sonntag positiv ausfallen. Eine Klage gegen Unbekannt sei schon vorbereitet. Wen er verdächtige, sagte der Luxemburger nicht - Feinde könnten sich die Brüder zuletzt bei den Zwists mit Teammanager Johan Bruyneel oder Rennstallbesitzer Flavio Becca freilich durchaus gemacht haben.

Eine solche Verschwörungstheorie gehört dabei nicht einmal zu den abenteuerlichsten Erklärungen im Radsport. Alberto Contador etwa gab einem verseuchten Steak die Schuld an seinem Clenbuterol-Befund, der Internationale Sportgerichtshof CAS sperrte ihn trotzdem. Floyd Landis führte einen positiven Testosteron-Test zunächst auf den Genuss von Whisky zurück, ehe er dann doch Doping gestand. Als bei Tyler Hamilton Spuren von fremdem Blut in den Adern entdeckt wurden, wartete der Amerikaner mit der Geschichte seines noch vor der Geburt gestorbenen Zwillings-Geschwisterkindes auf, dessen Blut er dann absorbiert habe. Auch Hamilton gestand später, sich jahrelang gedopt zu haben.

Mit einer negativen B-Probe um ein Verfahren herumzukommen, das hoffen die Schlecks - nicht nur Fränk, sondern auch Andy. Obwohl der derzeit verletzte jüngere Bruder gar nicht bei der Tour am Start war, klingen seine Kommentare so, als sei er selbst in Dopingverdacht geraten. „Wir haben einen großen Schlag auf den Kopf bekommen“, sagte er etwa. „Wir sind entschlossen, uns zu verteidigen“ - oder sogar: „In diesen Tagen sind wir vom Radsport angewidert.“

Egal wie die Doping-Affäre Schleck ausgeht, das Team RadioShack dürften die beiden Profis wohl verlassen, nachdem ausstehende Gehaltszahlungen publik wurden. Offenbar hat das Duo sogar schon einen neuen Rennstall gefunden: Astana. Wie die Luxemburger Gratiszeitung „L'Essentiel“ am Donnerstag berichtete, sollen Fränk und Andy Schleck der kasachischen Equipe bereits die Zusage gegeben haben. In punkto Doping darf der Leumund von Astana nach dem Skandal 1997 um Alexander Winokurow und Alexander Kaschetschkin, die des Fremdblutdopings überführt worden waren, als zweifelhaft gelten.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

San Francisco 49ers gewinnen Spitzenspiel in letzter Minute
New Orleans (dpa) - Die San Francisco 49ers haben im Spitzenspiel des 14. Spieltags in der amerikanischen Football-Liga NFL einen Last-Minute-Erfolg gefeiert.
San Francisco 49ers gewinnen Spitzenspiel in letzter Minute
Wada-Exekutive entscheidet über Bestrafung für Russland
Russlands Sport droht ein bitterer Tag. Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur wird wegen Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Labor am Montag …
Wada-Exekutive entscheidet über Bestrafung für Russland
Köln unter Gisdol ratlos: "Muss sich ändern"
Der 1. FC Union baut seine imposante Heimserie aus und zerstört die nächste Hoffnung beim 1. FC Köln auf die Wende unter Markus Gisdol. Im ungleichen Aufsteigerduell …
Köln unter Gisdol ratlos: "Muss sich ändern"
Geiger stark, Eisenbichler im Tief
Bei der WM in Seefeld feierten sie gemeinsam Medaillen, im Weltcup teilen sie immer das Doppelzimmer: Geiger und Eisenbichler prägten das deutsche Skispringen 2019. Doch …
Geiger stark, Eisenbichler im Tief

Kommentare