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Vom Oval der Rennstrecke in die Sackgasse: Das Sechstagerennen in der Münchner  Olympiahalle wird es nicht mehr geben.

Olympiapark und Veranstalter ziehen Konsequenzen aus steigenden Defiziten beim Bahnrad-Spektakel

Aus fürs Münchner Sechstagerennen

München – Manchmal ist der Jahresbeginn der Zeitpunkt, um reinen Tisch zu machen. So gesehen ist das endgültige Aus für das Münchner Sechstagerennen keine große Überraschung mehr. Seit gestern Mittag ist es amtlich: Das Bahnrad-Spektakel wird aufgrund magerer Zuschauerzahlen aus dem Terminkalender des Olympiaparks gestrichen.

„Wir haben keinen Ansatz gefunden, wie wir dieses Ereignis wieder in die Erfolgsspur hätten bringen können“, sagte Olympiaparkchef Ralph Huber, „und wir haben keine andere Agentur gefunden, die das Riskio für 2010 auf sich genommen hätte; deshalb ist endgültig Schluss.“

In den ersten Tagen des neuen Jahres hatte es im internen Kreis noch einmal eine genaue Analyse der Fakten aus dem letzten Jahr gegeben. Die ließen das ganze Desaster erkennen, in dem sich das Radrennen befindet. Allein der drastische Rückgang der Zuschauerzahl (sie ging 2009 um 8500 auf 52 000 zurück) machte deutlich, dass sich die einstige sportliche Kultveranstaltung in eine Sackgasse manövriert hatte. In den Achtziger- und Neunzigerjahren erlebte München seine Hochzeiten, in der Spitze kamen 88 000 Fans in die Halle. Dem Boom folgte der schleichende Abstieg, jetzt läutete vor der 47. Auflage das Totenglöckchen.

Mit dem krassen steten Zuschauerrückgang in den letzten Jahren stieg auch der finanzielle Druck auf alle Beteiligten. „Die Sache hat sich nun einfach nicht mehr für uns gerechnet, da ist es Zeit, die Reißleine zu ziehen“, berichtete Veranstalter Klaus Cyron, der Geschäftsführer der Marketingberatungsgesellschaft S&K, die nach drei Jahren die Sixdays aus ihrem Programm streicht. „Wir haben alles versucht, um eine Wende einzuleiten, aber wir mussten feststellen, dass das Sechstagerennen nicht mehr zeitgemäß ist, die Leute kamen einfach nicht mehr in die Halle, egal, was wir auch unternommen haben“, sagte Cyron.

 Der gelernte Kaufmann, der seine finanziellen Verluste nicht näher 0beziffern wollte, erklärte den Niedergang damit, dass die Münchner Veranstaltung als „Sport und Showspektakel“ das Alleinstellungsmerkmal verloren hat. Heute habe man auf dem Lande eine Disko, gute sportliche Ereignisse, Restaurants vom Franzosen, Italiener und vielleicht eine Sushibar, „da brauchst du nicht in die Olympiahalle zu fahren“. Früher sei dies alles anderes gewesen, da seien die Leute gekommen, weil sie hier alles unter einem Dach hatten. Nun sei aber die Spirale bei den Zuschauerzahlen soweit zurückgegangen, „dass ich mit meiner Agentur keine Perspektive für eine weitere Ausrichtung gesehen habe“.

Der Olympiapark dürfte Cyrons Rückzug nicht ganz unvorbereitet getroffen haben. „Irgendwann soll man ein totes Pferd verlassen“, sagte Ralph Huber, „wir selbst haben uns den Schritt nicht leicht gemacht, aber auch wir haben keine Lösung mehr parat.“

Den frei werdenden Sixdays-Termin kann Huber bereits vergeben. Der Veranstalter der Munich Indoors will zeitlich in den November vorrücken. Die Lücke der Reiter im Dezember sollen Konzerte in der Olympiahalle füllen. Ob es irgendwann wieder ein Münchner Sechstagerennen geben wird, könnte in der Hand von Rennleiter Sigi Renz liegen. Der prüft derzeit einige Optionen, aber nicht für die Olympiahalle.

Wilfried Jendreizik

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