Fußball als Videospiel

Kicken an der Konsole

Fußball ohne Rasen? Das gab es schon früher. Da hießen die Tischfußballspiele Kicker, Tipp-Kick oder Subbuteo. Doch die Zeiten haben sich verändert, seitdem es Videospiele gibt, die auf Konsolen oder Smartphones gespielt werden können. Das neue Zauberwort heißt jetzt eSport.

Erding Vor gar nicht allzu langer Zeit standen in Gaststätten Kicker-Kästen. Nicht selten wurden die Tische in den Vereisheimen geräumt, Tischfußballspiele aufgebaut und Turniere ausgetragen. Mittlerweile fahren jedoch die Zocker im Landkreis auf eSport ab. Vergangenes Jahr fand in Inning der „MA Gold Cup“ statt, bei dem sich 64 FIFA-Spieler trafen und an ihren Controllern um den ersten Platz kämpften. Sieger wurde Hannes Empl, der auch schon im Jahr davor den Cup gewinnen konnte. eSport entfacht immer mehr Begeisterung und zieht immer mehr Zocker in seinen Bann. „Echte“ Fußballvereine im Profibereich arbeiten bereits mit freiberuflichen Spielern zusammen und haben eSport-Teams gegründet.

Auch Fußballverband engagiert sich

Doch was ist eSport überhaupt? Es handelt sich um eine elektronische Art des sportlichen Wettkampfs, bei dem die Leute über Computerspiele, wie etwa FIFA, gegeneinander antreten. Die Spieler können an Turnieren teilnehmen, Preisgelder gewinnen und zu Stars ihrer Szene werden.

Auch der Bayerische Fußballverband (BFV) hat erkannt, dass eSport eine glorreiche Zukunft bevorsteht, und im April 2018 ein erstes Turnier organisiert, bei dem 400 Teilnehmer dabei waren. Der BFV will seinen Vereinen dieses neue Feld des Fußballs näher bringen und eine Verbindung schaffen zwischen dem Spiel auf dem Feld und der Konsole. Die Vorteile, die das Engagement des BFV bieten könnte, wären, dass er dazu in der Lage, ist ein organisiertes Netzwerk aufzubauen.

„Es hat eigentlich nur Vorteile für alle, die FIFA spielen, wenn sich der BFV mehr in der eSport-Szene engagieren würde“, erklärt Nico Emmes. Der 16-Jährige ist Fußballer bei der JFG Sempt Erding und leidenschaftlicher FIFA-Spieler. „Wie viele andere Spiele, die auf dem Markt sind, basiert auch FIFA auf dem pay-to-win-Prinzip. Man muss also Geld investieren, um sich beispielsweise Spieler kaufen zu können“, weiß der junge Zocker. „Für den Einzelnen sind das hohe Kosten, würden sich aber Vereine oder der BFV mehr engagieren, dann könnten diese durch den Verein oder Sponsoren gedeckt werden.“

Maxi Maier (23) vom FC Langengeisling organisiert selbst FIFA-Turniere, ist aber trotzdem der Meinung, dass der echte Fußball immer vorgehen und eSport nur eine Ergänzung sein sollte. Seiner Meinung nach sollte der BFV mit zusätzlichen Geldern eher die Jugendarbeit und ehrenamtliche Trainer unterstützen und die Jugendlichen für den tatsächlichen Fußball begeistern. „Echter Fußball vermittelt soziale Werte wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit“, erklärt Maier. „Fußball auf dem Platz fördert die Gesundheit von jungen Menschen natürlich auch viel mehr, als wenn man nur vor der Konsole zockt.“

Heimische Vereine warten noch ab

Gespräche über die Einführung einer eSport-Abteilung gibt es auch schon beim FC Bayern. Präsident Uli Hoeneß ist aber im Moment noch strikt dagegen. Seiner Meinung nach passe dieser neue Trend nicht zur Tradition des Vereins. Auch lokale Vereine überlegen, ob sie sich in diesem Feld engagieren sollen. Markus Listl, Sportlicher Leiter des TSV Dorfen, erzählt, dass sich sein Klub noch nicht richtig damit beschäftigt habe. „Das Thema wird natürlich irgendwann einmal aufkommen, und wir würden uns auch nicht verschließen. Man muss die nächsten Entwicklungen abwarten, aber wir könnten uns gut vorstellen, in der eSport-Szene aktiv zu werden“, sagt Listl.

Ähnlich verhält es sich bei der SpVgg Altenerding. „Aktuell denken wir noch nicht darüber nach, eine eigene eSport-Abteilung zu gründen, aber wenn das Interesse daran weiter steigt, werden wir uns dem nicht verschließen“, erzählt Fußball-Abteilungsleiter Andreas Heilmaier.

Das Interesse am eSport nimmt zu. Das sieht man auch an den verstärkt stattfindenden Turnieren. Auch bei der SpVgg wird demnächst intern ein FIFA 18-Turnier von den Fußball-Herren organisiert. Die Zeiten des Tischfußballs sind wohl endgültig vorbei.

 Kati Emmes

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