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"An Geld darf man nicht denken"

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- Wenn Michael Koppold von Ehrlichkeit und Menschlichkeit spricht, klingt das fast ein bisschen paradox in einer Branche, der ein recht zweifelhafter Ruf vorauseilt. Sind sie nicht alle Menschenhändler, Abzocker, Parasiten, die möglichst viel für sich abzweigen wollen vom großen Geld, das im Fußball fließt?

So jedenfalls ist die gängige Meinung über Spielerberater, Michael Koppold weiß das, gibt auch zu, dass sich "bestimmt einige schwarze Schafe tummeln" in diesem Bereich. Und wenn man nun hört, dass sich der Koppold schon 14-jährige Talente angelt, erweitert er da die Palette der Vorurteile nicht um den Begriff Kinderhandel?

Michael Koppold, 55, arbeitet seit den siebziger Jahren im Fußball-Business. Erst bei verschiedenen Vereinen, ab 1992 mit Spielerberatern. "Als ich merkte, dass es bei den meisten mit Ehrlichkeit und Fairness nicht weit her ist, habe ich 2004 selbst die Lizenz erworben." Seitdem ist er selbständig, betreut Profis wie Thomas Broich und Stefan Reisinger, aber auch jugendliche Talente. Wie viele er denn unter Vertrag habe, fragen wir ihn. Koppold zögert, von Vertrag, meint er, könne man bei den jungen Klienten nicht sprechen, "eher von einer Vereinbarung mit den Eltern. Ich versuche, zu helfen, zu begleiten. An Geld darf man da nicht denken."

Es ist eine Investition in eine Zukunft, die noch recht unklar vor den jungen Leuten liegt. Wer kann schon bei einem 14-Jährigen sagen, ob ihm später der große Durchbruch gelingt, wer kann dem Berater garantieren, dass sein Einsatz später belohnt wird? "Niemand", weiß Koppold. Der Junge könnte in der Entwicklung stehen bleiben, oder, was für den Berater viel bitterer wäre, zu einem Konkurrenten wechseln, dann, wenn das erste große Geld kommt. Koppold zuckt mit den Schultern, sagt: "Dann hast du Pech gehabt." Setzt aber darauf, dass der Spieler schon bleibt, "wenn man wirklich gut arbeitet."

Aber brauchen denn Jugendliche Berater, in einer Phase der Karriere, in der es um Ausbildung geht, in der es normalerweise nichts zu verdienen gibt, nicht für den Spieler, nicht für den Berater? "Ein klares Nein", sagt Koppold. "Wenn der Spieler bei den Eltern lebt, bei einem Verein in der Umgebung gut aufgehoben ist, braucht er kaum Hilfe." Aber es gibt eben Ausnahmen. Talente sind rar geworden und wenn eines auftaucht, von dem man Großes erwartet, dann bricht einiges herein auf den Buben und auf seine Familie. "Wenn dann nur noch das Telefon läutet, ein Bundesligaverein den nächsten übertrumpft mit großen Versprechungen, dann wird es schwer für Eltern, die sich in der Szene nicht so gut auskennen", weiß Koppold.

Da versucht er einzugreifen. Michael Koppold fährt rund 70 000 Kilometer im Jahr für den Fußball, taucht mal da, mal dort auf, sieht Bundesligaspiele genauso wie Bezirksliga-Partien der C-Junioren. "Ich habe ein gutes Auge für Talente", sagt er über sich. "Bei 14-Jährigen weiß man zwar nicht so genau, wo der Weg hingeht, aber wenn ich einen mit 16, 17 habe, der bereit ist zu lernen, zuzuhören, kann ich zu 95 Prozent sagen, ob das einer wird."

Hannes hat ihn überzeugt. Der Junge ist groß, für einen 14-Jährigen schon sehr weit. Körperlich wie fußballerisch. Ihn hat Koppold bei der Bayernauswahl in Oberhaching entdeckt, dreimal angeschaut: "Eigentlich reichte da schon ein Spiel." Er hat die Eltern angesprochen, ihnen angeboten, zu helfen, sportlich wie schulisch den Buben zu unterstützen. "Man überlegt gemeinsam, wie der Weg aussehen könnte, macht einen Karriereplan. Die Schule hat dabei absolute Priorität", sagt Koppold. Er spricht viel mit dem Buben, nimmt ihn auch mal mit in den Ehrengastbereich der Allianz-Arena, lässt sich erzählen von Problemen, diskutiert über das letzte Spiel, versucht einzuwirken, den richtigen Weg zu finden.

Nein, schwört er, "ich denke da nicht ans Geld. Mir geht es nicht darum, den Buben von A nach B oder C nach D zu transferieren." Und wenn Helmut Hack, Präsident der SpVgg Greuther Fürth, über Koppold sagt: "Ihm geht es in erster Linie um das Interesse des Spielers", dann ist das wie ein Ritterschlag in der Branche. Sportlich und persönlich will Koppold den Hannes weiterbringen, versuchen, "das Optimale für den Spieler zu erreichen." Koppold hält Kontakt zu Lehrern und Trainern, begleitet den Buben zu Auswahlmaßnahmen, stellt bei Verletzungen Kontakt zu den besten Ärzten und Physiotherapeuten her, macht deutlich, wie wichtig richtige Ernährung ist. Und sollte es doch nicht ganz reichen für die große Fußballerkarriere, Koppold verspricht, auch beruflich zu helfen: "Man hat es schließlich mit Menschen zu tun."

Rundumbetreuung. Ein riesiger Aufwand. Vor allem, wenn man nichts bekommt dafür. Zumindest jetzt nicht. Mit einem Thomas Broich, mit Stefan Reisinger lässt sich schon gutes Geld verdienen, fünf Prozent des Jahresgehalts kann der Berater kassieren. Aber mit Hannes, mit Den, mit Marco? Später vielleicht. Wenn sie ihm treu bleiben. Doch davon ist Koppold überzeugt: "Mein Motto ist: Ehrlich währt am längsten. Und damit bin ich noch immer gut gefahren."

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