Gewinnen wie der FC Bayern

- Bielefeld - Ausgerechnet nach einer der schwächsten Saison-Leistungen bläst Werder Bremen zur Jagd auf den FC Bayern. "Wir haben die Meisterschaft auf keinen Fall abgeschrieben", meinte Sportdirektor Klaus Allofs nach dem überaus glücklichen 1:0 bei Arminia Bielefeld, fügte jedoch vorsichtshalber an: "Aber nur, wenn wir besser Fußball spielen."

Auch Allofs hatte bei seinem Team "nur anderthalb Chancen" und "teilweise haarsträubende Fehler" erkannt. Doch am Ende stand nach dem Tor von Frank Fahrenhorst der erste Sieg bei den Ostwestfalen seit 1984 und der Sprung auf Platz zwei, der Werder zum ersten Verfolger des um acht Punkte enteilten Titelverteidigers macht.

Vergebliches Warten auf den St. Pauli-Effekt

"Dass Bayern Meister wird, ist für alle normal, und viele befürchten sogar einen Alleingang. Aber 2004 hat man gesehen, dass manchmal eben auch Bremen Meister wird", meinte Allofs und ergänzte schmunzelnd: "Die Chance, dass die Bayern Pokalsieger werden, halte ich noch für wesentlich größer als die, dass sie Meister werden."

Im Halbfinale muss der Rekordchampion beim Drittligisten FC St. Pauli antreten, gegen den Werder am Mittwoch durch ein peinliches 1:3 ausschied. Dass die Leistung in Bielefeld kaum besser war - 2:7 Großchancen und der erste Eckball in der 65. Minute sprechen eine deutliche Sprache - ärgerte Jürgen L. Born maßlos. "Ich bin frustriert, weil ich den St.-Pauli-Effekt vermisst habe", gestand der Vorstands-Vorsitzende: "Eigentlich habe ich eine Trotzreaktion erwartet. Aber die ist nicht gekommen." Born ergänzte, dass "es nicht verboten ist, an die Meisterschaft zu denken. Aber nach so einem Spiel muss man in sich gehen."

"Wir haben kein Problem einzugestehen, dass wir Glück hatten", ergänzte Allofs mit einem Seitenhieb gegen die selten selbstkritischen Münchner: "Aber bei den Bayern hat man es häufig genug gesehen, dass sie schlecht spielen und drei Punkte holen. Das haben wir diesmal eben auch gemacht." Beim Tabellenführer sei dies in den letzten Jahren sogar wesentlich öfter der Fall gewesen, versicherte der Sportdirektor: "Aber das ist auch eine Qualität, die uns bisher abgegangen ist."

Dass der Bielefelder David Kobylik einen Elfmeter in der 24. Minute an die Latte setzte und seine Teamkollegen Heiko Westermann und Radomir Dalovic kurz vor Ende kläglich vergaben, war in der Tat nichts anderes als Glück für die Bremer, die vor den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann und seinem Assistenten Joachim Löw bitter enttäuschten. Und während Trainer Thomas Schaaf bilanzierte, "dass wir es wenigstens geschafft haben, im ersten Spiel nach der Winterpause Effektivität rein zu kriegen", stellte Allofs klar: "Wir müssen ein paar Dinge ändern. Die Spieler haben den Anspruch, ganz oben dabei zu sein. Da müssen wir sie auch in die Pflicht nehmen."

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