Haching in der Schönspieler-Falle

- Unterhaching - Andreas Brehme war gut drauf, deshalb versuchte er sich am Ende auch an einem Witz. Spiele wie das Derby gegen 1860 nehme er "immer wie Uefa-Cup-Spiele", erklärte er dem ob dieser Weltanschauung verdutzten Auditorium: "Auswärts haben wir gegen die 2:2 gespielt, jetzt daheim 1:1 - also sind wir eine Runde weiter." Das war natürlich Quatsch mit Soße, was der Mann da erzählte, das war ihm auch klar, darum schob er schnell hinterher: "Spaß beiseite." Es ist auf der einen Seite immer erfreulich, wenn es um die Laune gut bestellt ist. Doch auf der anderen Seite wären Alarmglocken nicht weniger angebracht: Haching steckt tief und fest mittendrin in der Schönspieler-Falle. Nicht zum ersten Mal.

Die SpVgg hat zum Rückrundenauftakt gegen die Löwen genau in jenem Stil weitergemacht, der sie in der abgelaufenen Halbsaison zwischenzeitlich bis auf den letzten Tabellenplatz der Zweiten Liga befördert hat. So erfreulich der schöne Spielfluss war, mit dem die Hachinger während der zweiten Hälfte sich wieder und wieder dem Kasten der Löwen gefährlich näherten, so ärgerlich ist die Erkenntnis, dass die alten Fehler weiterhin hartnäckiger Begleiter der beachtlichen Kombinationen sind. Schönspieler, die am Ende ohne Lohn dastehen, bekommen in der Regel von allen Seiten ehrlich auf die Schulter geklopft. Und steigen ab.

Man läuft Gefahr, sich selbst zu belügen. "Wenn wir so weiterspielen wie in der zweiten Hälfte", meinte Brehme, "ist mir vor der Zukunft gar nicht angst und bang." Er sei "stolz" auf seine Mannschaft, sagte der Coach, und all die Komplimenten waren gewiss nicht fehl am Platz. Doch angst und bang darf einem trotzdem werden, wenn man nach einem Blick in die jüngste Vergangenheit der SpVgg noch einen in die nähere Zukunft wirft. Ende 2004 wurde eine Niederlagenserie mit fünf Pleiten in letzter Sekunde und mit Mühe gegen den Tabellenletzten gestoppt, auswärts gelang seit Spätsommer gar nichts mehr. Das Auftaktprogramm 2005 führt am Sonntag zum Tabellendritten SpVgg Greuther Fürth, demnächst nach Aachen (Vierter) und ins Erzgebirge zu Aue (Siebter).

Werden die Unzulänglichkeiten nicht abgestellt, droht - ansehnlicher Offensivfußball hin oder her - bald der nächste Abrutsch auf einen Abstiegsplatz. Am Sonntag verschwendete man daran allerdings keinen Gedanken. "Wir haben taktisch und spielerisch stark gespielt", lobte Engelbert Kupka, "Tavcar hat sehr gut gespielt, Omo war wie gewohnt sehr stark, Sträßer hat eine gute Partie abgeliefert" - es fehlte nicht viel, und der Klubchef hätte jeden Hachinger namentlich herausgehoben. Nur am Ende hielt er kurz inne in seiner Lobrede und stellte fest: "Wir haben heute zwei Punkte verloren." Trotz der feinen Leistung der SpVgg Unterhaching war genau das - aus Sicht des Klubs leider - die  Erkenntnis des Tages.

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