Haftbefehle und neue Verdächtige

- Berlin - Der Manipulations-Skandal hält den deutschen Fußball sowie Justiz und Politik nach Haftbefehlen gegen Mitglieder einer Wett-Mafia sowie durch neue Verdächtigungen gegen Spieler und weitere Schiedsrichter in Atem. Nach der gerichtlich angordneten Inhaftierung von drei kroatischen Brüdern aus dem Berliner Cafe King, wo der geständige Schiedsrichter Robert Hoyzer in den Wettbetrug eingestiegen war, sorgte auch die Absetzung von Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) für das Bundesliga-Sonntagspiel Bremen - Rostock (siehe unten) für Aufsehen.

Der SC Paderborn gab gestern bekannt, dass ein Spieler des Regionalligisten vor dem Pokalspiel gegen den Hamburger SV Geld von der Wett-Mafia erhalten habe. Klubchef Wilfried Finke zeigte den nicht genannten Spieler beim DFB an. Zudem sind laut "SZ" möglicherweise weitere drei Schiedsrichter sowie acht Spieler aus drei Vereinen, auch aus der Zweiten Liga, in den Wettskandal verwickelt. U.a. sollen Spieler der Klubs Dynamo Dresden und Chemnitzer FC betroffen sein. Die Profis Josip Simunic, Alexander Madlung und Nando Rafael von Erstlligist Hertha BSC traten derweil mit Eidesstattlichen Erklärungen Berichten über ihre angebliche Verwicklung in Manipulationen entgegen.

In Berlin könnten die Behörden bei ihren Razzien (mit 130 Beamten) in ein Wespennest gestochen haben. Bei der Verhaftung der drei Kroaten, denen die Staatsanwaltschaft gewerbs- und bandenmäßig begangenen Betrug in einem besonders schweren Fall vorwirft, wurden Wettscheine sowie Auszahlungsbelege in Höhe von zusammen 2,7 Millionen Euro sichergestellt und zudem Luxus-Karossen beschlagnahmt. Den Kroaten drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Hoyzer soll inzwischen die Manipulation von vier Spielen gegen eine Zahlung von 70 000 Euro gestanden haben. Die von ihm manipulierten Partien sind offenbar: Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli (5. Juni 2004/3:2), FC St. Pauli - VfL Osnabrück (14. August 2004/2:3 - beide Spiele Regionalliga Nord), SC Paderborn - Hamburger SV (4:2/21. August 2004/DFB-Pokal) und LR Ahlen - Wacker Burghausen (1:0/22. Oktober 2004/2. Liga).

Bei seinem Geständnis soll Hoyzer entgegen früherer Andeutungen keine Spieler belastet haben. Doch längst haben sich die Verdächtigungen auf Profis ausgeweitet. Fragen gibt es auch zu Simunic, Madlung und Nando Rafael, die offenbar in der Vergangenheit Gäste des Cafe King waren. Die Drei wirkten auch am 22. September 2004 bei Herthas Pokal-Pleite beim Drittligisten Braunschweig mit (2:3), bei der das Siegtor für die Gastgeber nach 80 Minuten durch ein Eigentor von Madlung fiel. Der mutmaßliche Chef der Wett-Mafia, Ante S. (28), soll durch Herthas K.o. bei einem Buchmacher 90 000 Euro gewonnen haben. Hertha-Manager Dieter Hoeneß zeigte sich jedoch "felsenfest davon überzeugt, dass die Spieler unschuldig sind".

Unterdessen hat Paderborns Präsident Wilfried Finke einen nicht genannten Spieler seines Klubs beim DFB angezeigt. Vor dem Pokalspiel des Regionalligisten gegen den HSV habe der SC-Spieler Kontakt zur Wett-Mafia gehabt und soll eine nicht genannte Geldsumme erhalten haben, die im Falle einer Niederlage zurückzuzahlen gewesen wäre. Anteile der Summe habe der Spieler nach dem SC-Sieg innerhalb des Teams verteilt. Beweise habe er bislang aber nicht, sagte Finke.

Mittlerweile hat sich in den Fußball-Skandal auch die Politik eingeschaltet. Innenminister Otto Schily forderte "härteste Sanktionen" für alle Beteiligten und regte die Einführung eines Oberschiedsrichters an. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach sich für ein generelles Wettverbot für alle Protagonisten der Bundesliga aus und forderte lebenslange Sperren für überführte Betrüger.

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