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Handball: Noch lange nicht gefestigt

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- Wer den Sport so gut kennt wie Robert Hofmann, der entwickelt irgendwann ein Gefühl für diese Momente, in denen die Dinge eine ungünstige Wendung nehmen. Am Samstag ging dem Trainer der Truderinger Handballer nach rund vierzig Minuten auf, dass auch das Duell mit dem ASV Cham kein gutes Ende nehmen würde. Und dieses Gefühl sollte ihn nicht trügen mit 23:28 (12:12) kassierten Hofmanns Truderinger in diesem vierten Einsatz der neuen Bayernliga-Saison trotz aller guten Ansätze Niederlage Nummer drei.

Was half es da, dass man einmal mehr bestens mitgehalten hatte? Was nutzte es, dass man den Gegner spielerisch lange dominiert hatte? Nichts nutzte es, weil sich in der zweiten Halbzeit halt doch wieder diese Probleme einschlichen, mit denen sich der TSV zuletzt schon mehrfach selbst das Leben schwergemacht hatte. Da ließ man plötzlich im Angriff beste Tormöglichkeiten aus, einzig der starke Kreisläufer Sebastian Wolf blieb über die gesamte Spielzeit eine verlässliche Größe. Da ließ die Abwehr durch kleine taktische Schnitzer manch einen vermeidbaren Gegentreffer zu.

Weg war die Sicherheit, mit der sich die Truderinger bis dato konsequent Führungen erspielt hatten, und in nur zwanzig Minuten war dahin, was zuvor vierzig Minuten so greifbar nahe schien. Routiniert wandelten die in dieser Saison bis dato sieglosen Gäste ein 17:19 noch in einen klaren 28:23-Erfolg um. Und Robert Hofmann bemerkte schon: "Wir haben sicher die Fähigkeiten für diese Liga, aber wir sind noch nicht stabil genug für sechzig Minuten."

Das mag ungewöhnlich klingen aus dem Mund eines Mannes, der in den letzten Jahren stets leise mit Meisterehren geliebäugelt hatte. Doch das derzeitige Truderinger Team hat halt auch nicht mehr viel gemein mit jenem Ensemble, das in den letzten Spielzeiten um den Bayernliga-Thron kämpfte. In Martin Arntzen und Norbert Gutsche streiften zwei langjährige Leistungsträger schon zum Ende der vergangenen Saison das Truderinger Trikot ab. Einigermaßen überraschend kehrte im Sommer auch noch Linkshänder Tom Budig berufsbedingt dem Verein den Rücken. Und zu allem Überfluss verabschiedete sich dieser Tage mit Abwehr-Ass Andi Schilcher noch ein weiterer Routinier mit einer Armverletzung für einige Wochen aufs Krankenlager.

Mächtige Lücken, die man, so sind die Realitäten in Trudering, vornehmlich mit jungen, unerfahrenen Spielern aus dem eigenen Verein und der Region zu stopfen vermochte. So dass es nun zwar eine Mannschaft mit Zukunft ist, die sich da gegen die etablierte Konkurrenz stemmt. Mit Talent, das haben die guten Phasen wie gegen Cham und zuletzt bei Spitzenreiter Friedberg gezeigt. Aber eben auch ein Team, dem noch die Führungsfigur fehlt, die gerade in kritischen Phasen den jungen Spielern Verantwortung abnehmen kann.

"Wir müssen wohl Geduld haben", sagte Hofmann, der schon ahnt, dass er in den kommenden Wochen verstärkt abseits der Spielfläche gefragt sein dürfte. Man müsse den mehr und mehr verunsicherten Spielern konsequent den Rücken stärken. Weil zu viele Misserfolge eben früher oder später das Selbstbewusstsein angreifen. Auch dafür hat der frühere Bundesligaspieler an der Truderinger Seitenlinie schon lange ein gutes Gefühl entwickelt.

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