Hannawald legt schöpferische Pause ein

- München - Wolfgang Steiert beschrieb die Eigenheiten seines kriselnden Musterschülers so: "Wenn Hannawald einen Lauf bekommt, dann ist das ein positiver - oder ein negativer." Derzeit geht es bekanntlich ganz rasant bergab. Sven Hannawald erlebte bei der 52. Vierschanzen-Tournee seinen bislang wohl heftigsten Karriereknick.

<P>Die Hoffnung auf eine rasche Trendwende will der Skisprung-Bundestrainer aber nicht aufgegeben. Als erste Maßnahme zur Restaurierung der schwer angeschlagenen Leistungskraft hat er dem 29-Jährigen eine fünftägige Trainings- plus darauffolgende Weltcuppause verordnet: "Es war eine Entscheidung der Vernunft. Sven war selbst erleichtert", berichtete Steiert.</P><P>Hannawald wird nun zusammen mit Martin Schmitt, dem erschöpften Tournee-Sechsten Georg Späth ("Ich bin K.o."), Maximilian Mechler und Stephan Hocke auf einen Start an den Weltcupspringen in Liberec (10./11. Januar) verzichten und stattdessen mit Co-Trainer Peter Rohwein ein Sondertraining absolvieren. Beginn soll am Wochenende in Hinterzarten sein. "Es wäre in dieser schwierigen Lage nicht gut gewesen, Sven gleich wieder in den nächsten Wettkampf zu schicken", sagte Steiert.</P><P>Hannawald, der nach seinem Absturz von Bischofshofen (22. Platz) nicht zum TV-Interview erschienen war, machte aus seiner derzeit schonungsbedürftigen Psyche keinen Hehl: "In meinem Kopf schwirren nur noch Fragezeichen herum." Zugleich befand er sich zuletzt offenbar auf dem Rückzug in die Innerlichkeit: "Wenn es bei mir nicht so läuft, ist das Tunnelgefühl noch extremer. Ich bin dann so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich rundherum kaum etwas wahrnehme." Auch Steiert machte während der Tournee entsprechende Erfahrungen: "Teilweise ist es sehr schwierig, Sven mit Worten zu erreichen." Die Zusammenarbeit mit einem Psychologen lehnt der Cheftrainer jedoch ab. "Ich bin selbst Hobbypsychologe", sagte er.</P><P>Bei Martin Schmitt machte Steiert dessen Übereifer für das anhaltende Tief verantwortlich: "Er hat im Sommer zuviel trainiert." Zwar seien Pausen fest eingeplant gewesen, "aber wie soll man einen einen Athleten bremsen, der so motiviert ist?" Schmitt (25), der während der Tournee leichten Aufwärtstrend offenbarte, gab sich unverdrossen: "Ich habe ja noch einige Jahre vor mir. Da habe ich sicher noch meine Chancen, auch bei der Tournee." Zu seiner Weltcuppause sagte er: "Körperlich bin ich okay, aber ich merke, dass ich Trainingssprünge brauche. Die kann ich im Weltcup nicht ausreichend bekommen."</P><P>Sven Hannawald übermittelte unterdessen auf seiner Internetseite (www.sven-hannawald.de) schon wieder erste Anzeichen von Optimismus: "Ich weiß, dass ich das Springen nicht verlernt habe. Ich bin körperlich so gut drauf wie nie. Jetzt muss ich nur noch meinen Kopf hinbekommen." Sowas, das zeigt die jüngere Vergangenheit, kann allerdings dauern.<BR></P>

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