Auf die harte Tour ins Halbfinale

- Melbourne - Das traditionelle Feuerwerk zum Australia Day hatten sie Stunden vorher abgebrannt, aber der richtige Heuler explodierte erst fünf Minuten vor Mitternacht. Lleyton Hewitt elektrisierte die Seinen mit einem Sieg gegen David Nalbandian (6:3, 6:2, 1:6, 3:6, 10:8), gab ihren Träumen vom Titel neue Nahrung und machte die Enttäuschung des Nachmittags über die äußerst unglückliche Niederlage von Alicia Molik gegen Lindsay Davenport (4:6, 6:4, 7:9) vergessen.

Vor genau einem Jahr, ebenfalls am nationalen Feiertag, hatten Hewitt und Landsmann Mark Philippoussis innerhalb weniger Stunden verloren, und bis weit in den Abend hinein sah es so aus, als sollte auch dies ein Feiertag zum Vergessen werden. Sicher, in der Rod Laver Arena wurde allerlei geboten - eine Parade der australischen Grand-Slam-Sieger zum 100. Jubiläum des Turniers, ein Streichorchester an der T-Linie und der Auftritt eines Tenors -, aber das war nicht unbedingt, wonach die 16 000 verlangten.

Alicia Molik tat, was sie konnte, und hatte am Ende mächtig Pech bei einer Fehlentscheidung, die zum entscheidenden Break für Davenport zum 7:8 führte. Mit kollektiven Seufzer, aber auch sichtlich stolz über die sehenswerte Leistung ihrer Nummer eins nahmen die Fans Moliks Niederlage hin, denn noch hofften sie ja auf Lleyton Hewitt.Doch der geriet nach einer klaren Führung nach zwei Sätzen in ein unerklärliches Tief. Nalbandian war endlich wach geworden und hatte wenig Mühe, zum 2:2 nach Sätzen auszugleichen. Die Zuversicht der Australier schwand, aber als Geschenk für das bis dahin konturenlose Spiel erlebten sie Satz Nummer fünf. Der dauerte eine Stunde und 41 Minuten, war gefüllt mit Ballwechseln der eisenharten Art, denn endlich spielten beide auf einem Niveau. Mit der Wucht von Schwergewichtsboxern droschen sie die Bälle übers Netz - immer dahin, wo es am meisten weh tut.

Der Australier vergab Möglichkeiten zum Break, Nalbandian wirkte insgesamt stabiler, aber Hewitt wehrte sich wie immer mit aller Macht. Als ihm das entscheidende Break zum 9:8 gelang, feuerte ihn das Publikum in fiebriger Erwartung an, und er erlöste sie und sich mit dem entscheidenden Schlag um fünf Minuten vor Mitternacht.

Aber es war nicht nur ein Ende nach dem Geschmack des Publikums, sondern auch nach dem Geschmack von Andy Roddick. Nicht so sehr wegen des Siegers, seines Gegners für das zweite Halbfinale am Freitag, sondern vor allem wegen der Dauer des Spiels. Roddick selbst hatte sich am Nachmittag nicht überanstrengt, denn Gegner Nikolai Dawidenko hatte wegen Atembeschwerden in der Hitze beim Stand von 3:6, 5:7, 1:4 aufgegeben.

Als sich Hewitt und Nalbandian mit jeden Schlag die Luft aus den Lungen pumpten, hatte Roddick die Beine längst gelockert. Und saß vielleicht tatsächlich wie an diversen Tagen zuvor im Casino beim Black Jack. "Da ist ein TV-Gerät gleich neben dem Spieltisch", hatte er am Nachmittag verkündet, "da kann ich dann zwischen den Runden sehen, wie sie spielen." Egal, ob das wieder nur einer seiner beliebten Scherze war oder nicht: Es gibt keinen Zweifel, dass er den Abend im Gegensatz zu Lleyton Hewitt ohne Anstrengung verbrachte.

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