Heidfeld setzt sich durch

- Valencia - Oberhalb der Stahltür stand "sala de descanso". Ruheraum. Doch in diesem Kämmerchen in einer Flugzeughalle in Valencia kann es nicht ruhig zugegangen sein. Darin waren ja Nick Heidfeld und Antonio Pizzonia, die immer noch nicht wussten, wer von den beiden in der Formel-1-Saison 2005 den zweiten BWM-Williams neben Mark Webber fahren würde. Es fehlten gerade mal 20 Minuten bis zur Vorstellung der Fahrer und des neuen Autos, draußen wartete die Weltpresse, als Frank Williams endlich Nick Heidfeld sagte, dass er es ist.

<P>Als Heidfeld 20 Minuten später auf dem Podium saß und Williams die Entscheidung auch der Öffentlichkeit mitteilte, herrschte im Saal seltsame Stille. Williams betonte, dass alle wissen sollten, dass auch Pizzonia einen guten Job gemacht hat. Aber keiner schien sich zu freuen. Auch Heidfeld nicht. "Ich kann es immer noch nicht realisieren", sagte er. Erst eine Stunde später verriet ein Lächeln, dass er langsam begriff, was gerade passiert war. "Das war der Schritt in meiner Karriere, auf den ich lange gewartet habe", sagte er. "Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Ich freue mich, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, nicht nur Michael Schumacher, sondern alle anderen zu schlagen."<BR><BR>BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen wusste, wie viel Spannung in der Luft lag. "Für die Fahrer war es wohl der spannendste Moment der ganzen Saison", sagte er. Die Entscheidung zugunsten von Heidfeld sei knapp, aber eindeutig gewesen. Sechs Wochen fuhren die beiden in fünf Tests auf drei Strecken gegeneinander. "Die beiden Fahrer haben auf gleicher Strecke, zur gleichen Zeit, mit gleicher Benzinmenge ihre Runden gedreht. Anhand der Testdaten konnten wir kleinste Unterschiede feststellen", erläuterte Williams die Kriterien.<BR><BR>Fürsprecher in München</P><P>Dass Nick Heidfeld das zweite Cockpit bekam, wurde bei BMW sicher mit großer Genugtuung angenommen. Schließlich wurde das Testduell erst nach gewissem Druck aus München überhaupt möglich. Und seit Heidfeld in dem ersten Test Anfang Dezember im Regen schneller war als Pizzonia, lobte Theissen auffällig offen den 26-jährigen Heidfeld. Und natürlich auch jetzt. "Er kann stolz darauf sein, was er geleistet hat", sagte Theissen. "Er ist auf Anhieb schnell und hat eine sehr professionelle Arbeitseinstellung. Er macht sich sehr viele Gedanken über das Auto. So habe ich das noch bei keinem anderen Fahrer bisher erlebt."<BR><BR>Die lange Testphase mit einer Last-Minute-Entscheidung bezeichnete Theissen als den idealen Weg, neue Fahrer zu suchen, weil sie dann in aller Ruhe die Arbeit im Team lernen könnten. Nur hatte Theissen bisher immer betont, dass es wichtig wäre, die neuen Fahrer bis Anfang November zu kennen, um eine störungsfreie Testphase zu haben. Und Pizzonia, der Unterlegene im Test-Duell, kritisierte das Verfahren schon, als es lief. "Ich denke nicht, dass sowas gut ist für das Team", sagte er. "Statt mich auf die Entwicklung des Autos zu konzentrieren, muss ich mich um die Abstimmung kümmern, da ich ständig Heidfeld schlagen muss."<BR><BR>Selbst beide Fahrer wissen nicht, was letztlich ausschlaggebend für die Wahl war. Das Duell hatte von Anfang an einen politischen Beigeschmack. Man munkelte, dass der brasilianische Ölmulti Petrobras, Sponsor des Teams, Pizzonia wollte, während BMW für Heidfeld plädierte. Jeweils im Notfall mit Kraft einer Geldspritze. Ganz aus der Welt schaffen konnte diese Gerüchte der Tag in Valencia auch nicht. Sowohl Williams als auch Theissen beteuerten zwar, dass die Entscheidung nur anhand der Leistung getroffen wurde. Aber dass sie es von sich aus sagten, lässt ahnen, dass die Politik doch eine stärkere Rolle spielte, als nach außen sichtbar war.<BR><BR>Pizzonia hatte die Rolle des Verlierers zu spielen. Laut Theissen hat er eine Viertelstunde gebraucht, um die Entscheidung zu schlucken. Nachdem er alle Fragen brav beantwortet hatte, gab es eine kurze Umarmung vom Vater, der ebenfalls enttäuscht wirkte. Danach verschwand Pizzonia durch eine Hintertür. "Ich bin einfach sehr enttäuscht", sagte er. "Ich habe letztes Jahr gute Rennen für das Team gefahren, aber das hat die Leute nicht enttäuscht." Offiziell bleibt er erst mal Testfahrer des Teams. Er schloss aber nicht aus, dass er sich um ein anderes Cockpit bemüht.<BR><BR></P>

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