Ist Hoyzer kein Einzelfall ?

- Frankfurt - Es ist nicht so, dass der Deutsche Fußball-Bund gerade wieder auf der Suche nach einem Bundestrainer wäre - dennoch hat er gestern in seiner Frankfurter Zentrale eine bedeutungsschwere Kommission gebildet. Der DFB-Mann Rolf Hocke wird sie leiten, vertreten sein wird in ihr das Präsidium des 6,3 Millionen Mitglieder starken Verbandes, der Schiedsrichter-Ausschuss sowie fünf (inter-)nationale Anbieter von Sportwetten, darunter das staatliche oddset und der Branchenriese betandwin. Die Kommission soll eine Art Vertrauensrückgewinnkommission sein, denn der deutsche Fußball sieht sich heftig beschädigt durch den Fall des 25-jährigen Berliner Schiedsrichters Robert Hoyzer.

"Für mich ist es Betrug und ein kriminelles Vergehen, wenn sich alles bestätigt", sagt Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des DFB. Die Wenn-Einschränkung müssen sie noch vornehmen in Frankfurt; es liegen Zeugenaussagen vor, aber kein Geständnis. Von "dringendem Tatverdacht" spricht der zweite DFB-Boss, Gerhard Mayer-Vorfelder. Und vor allem von der Gefahr, "dass jetzt jede Fehlentscheidung eines Schiedsrichters mit dem Odium einer Manipulation behaftet sein wird". Man glaube aber weiter an die Reinheit der Unparteiischen-Zunft.

Es wird durch den Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert diese Woche intensiv weiter ermittelt werden. Man wird mit den Wettbüros sprechen, mit den beteiligten Linienrichtern, mit Spielern und Funktionären der betroffenen Klubs. Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Ermittlungen aufgenommen. Gut so, findet Theo Zwanziger, "denn staatliche Organe haben andere Möglichkeiten als wir".

Der DFB hat gestern die Spiele benannt, bei denen Verdachtsmomente bestehen. Neben dem Pokalspiel Paderborn - HSV sind es in der 2. Liga Essen - 1. FC Köln und Ahlen - Burghausen, außerdem aus der Regionalliga Nord Paderborn - Chemnitz, Braunschweig - St. Pauli und Wuppertal - Werder Bremen Amateure. Es fällt auf: Eines dieser Spiele war kein Hoyzer-Spiel. Essen - Köln wurde von Manuel Gräfe geleitet - Berliner wie Hoyzer. Es gebe Hinweise, so Zwanziger, dass Hoyzer "das Spiel beeinflusst hat, ohne dabei gewesen zu sein". Die vom DFB aufgestellte Einzelfall-These wäre nicht mehr zu halten.

Das Pokalspiel Paderborn - HSV, ein Erstrundenmatch, bei dem die Schiedsrichter nicht beobachtet werden, kann laut DFB-Reglement nicht wiederholt werden, anders sieht es bei den Punktpartien der 2. und der Regionalliga aus. Geprüft wird auch: Ist Hoyzers Ruckzuck-Austritt aus seinem Klub Hertha BSC schon wirksam? Horst Hilpert: "Da gibt es Fristen." Bei Hertha sind es sechs Wochen. Mayer-Vorfelder: "Der Austritt muss administrativ nachgewiesen werden."

Fest steht: Beim DFB ist einiges schief gelaufen. Obwohl zwei Tage nach dem Pokalspiel (4:2 für Paderborn) ein Brief von oddset einging, in dem auf hohe Sieg-Einsätze auf den Amateurklub im Raum Berlin hingewiesen wurde, passierte bis zur letzten Woche nichts. Und Hoyzers mutmaßliche Eingriffe fanden in den Bewertungsbögen keinen Niederschlag, "obwohl wir einige ehemalige Schiedsrichter als Beobachter haben, die da recht streng sind", sagte Mayer-Vorfelder.

Nun tagt die Hocke-Kommission. Ziel, so Zwanziger: "Mit den Wettanbietern ein Frühwarnsystem zu finden gegen Manipulationen durch am Spiel Beteiligte."

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