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Jungspund als Führungskraft

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- Rostock - Joachim Löw weiß, was Medien wünschen, und wenn er mal nicht mehr Fußball-Bundestrainer sein sollte, könnte er die Seiten wechseln. Er kann griffige Slogans finden - und das ist gefragt. Für das Freundschaftsspiel gegen Georgien, das für den Verlauf der Weltgeschichte doch eher belanglos war und das seine Elf standesgemäß 2:0 gewann, hatte Löw ein Motto ausgegeben, wie es (Privat-)Fernsehsender gerne tun, wenn sie absehbar verlaufende Boxkämpfe zu Events aufblasen: "Chance und Verantwortung", sagte Fußballtrainer Löw, "das war diesmal der Aspekt."

Er hat das schön erklärt: Chance für die vier Leute, die völlig neu waren (Trochowski, Fritz, Schlaudraff, Madlung) und von denen ihm Fritz gut gefallen hat sowie Trochowski, so dass er ihn am Mittwoch nicht der U 21 für deren wichtiges Spiel gegen England zurückgibt, sondern ihn selbst mit nach Bratislava zur EM-Qualifikation in der Slowakei mitnimmt. Chance auch für "Leute wie Hitzlsperger, Hildebrand, Odonkor, die schon bei der WM dabei waren, aber nicht immer gespielt haben" - aus dieser Kategorie hat sich Odonkor empfohlen für weitere Einsätze. Schließlich: Verantwortung. Es ging "um unsere etablierten Spieler" - und da nannte Löw neben Ballack diesen Namen: Bastian Schweinsteiger.

Der Münchner ist ein Sonderfall: Jung an Jahren, mit 22 noch immer deutlich unter dem diesmal besonders niedrigen Durchschnittsalter der Elf (24,4 Jahre) - aber mit 39 Länderspielen eben auch schon routiniert. In den Nachwuchsmannschaften des DFB und des FC Bayern war Schweinsteiger stets auf etwa einer Stufe mit Piotr Trochowski, der gegen Georgien debütierte.

An 8 von 19 Toren nach der WM beteiligt

Trochowski, jetzt beim Hamburger SV, ist keineswegs im Verzug mit seiner Karriere, 22 ist immer noch jung genug für den Einstand - doch über die Rasanz in Schweinsteigers Werdegang kann auch er, der gut vier Monate älter ist, nur staunen: "Ich habe das am Fernsehen verfolgt - Bastian ist ein Vorbild."

Schweinsteiger schoss gegen Georgien das 1:0 - ein Hammer aus der Ferne ("Schön aufgelegt von Michael Ballack"). Und er bereitete das 2:0 vor. An acht der 19 DFB-Tore nach der WM war der Bayern-Spieler beteiligt - er ist nicht mehr länger einer, der geführt werden muss, sondern einer, der den anderen anzeigt, wo es lang geht. Ein Führungsspieler. "Ich wehre mich nicht dagegen, ich will dem Spiel meinen Stempel aufdrücken, Verantwortung gehört zum Job dazu, ich sage nicht nein." Schweinsteiger ist weiter einer der Jüngsten im Team, darf aber bereits wie ein Alteingesessener davon reden, "dass es Spaß macht, mit guten jungen Spielern zu spielen".

Der nächste Schritt wird sein, dass er seine prägende Rolle beibehält, wenn die Mannschaft am Mittwoch wieder namhafter besetzt sein wird. Mit Lehmann, Lahm, Klose, Frings, Schneider, die "regenerativ gearbeitet" und nun "frische Energie" (Löw) haben. Was auch nötig sein wird, denn die Slowaken haben mit dem 5:1-Erfolg in Wales ein "beeindruckendes Ergebnis" abgeliefert. Joachim Löw hat ebenso gestaunt über ein weiteres Resultat aus der deutschen Qualifikationsgruppe, das 5:2 von Zypern über Irland. "Es fallen überhaupt viele Tore", merkte der DFB-Coach an.

Aber das kann ihm recht sein. 19:0 Tore aus vier Spielen sind seine Chef-Bilanz, und die Deutschen boten gegen Georgien sogar in den 14 Minuten, in denen sie einer weniger waren, Spaßfußball. Obwohl, was heißt Spaßfußball? "Fußball an sich", sagt Bastian Schweinsteiger, "ist immer Spaß". Ein großes Motto.

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