1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Die Kaffeestunde des Dr. Epo

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Caen - Hans-Michael Holczer, Chef des Team Gerolsteiner, hat auf der 93. Tour durch Frankreich bislang reichlich positive Eindrücke gesammelt: "Die Begeisterung in Frankreich ist ungebrochen", sagt er. Die bunten Stimmungsbilder von der Strecke passen allerdings nicht so recht zu den Diskussionen, denen sich Holczer seit einigen Tagen nach dem Rennen stellen muss. Die deutschen Medien, so stellte er fest, "hören das Gras wachsen".

Mittlerweile sei sogar "die reine Hysterie" ausgebrochen. Seit der Suspendierung des unter schweren Verdachts geratenen Jan Ullrich scheinen nicht einmal mehr Gerolsteiners so stabil gebauten Mauern der Seriosität dem Thema Doping standzuhalten.

Gestern kam sogar der Kapitän ins Gerede, Gerolsteiners Tour-Hoffnung Levy Leipheimer. Holczer: "Wir sind an einem Punkt, wo jeder mit allem verdächtigt wird."

Für Aufregung gesorgt hatte die Meldung, dass der Amerikaner vergangenen Herbst auf Teneriffa angeblich mit dem berüchtigten Arzt und Trainingsmethodiker, Michele Ferrari ("Dr. Epo") zusammentraf. Eine nicht unverdächtige Begegnung. Der Italiener war 2004 als Dopingarzt zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung und elf Monaten Berufsverbot verurteilt worden. In der Revision erzielte er jedoch einen Freispruch. Von Ferrari stammt der Satz: Bei richtiger Dosierung sei Epo-Doping so gefährlich wie Orangensaft.

Holczer hält die aktuellen Vorwürfe dennoch für haltlos. Ferrari, der öfters in Teneriffa ist, habe nur einmal auf der Terrasse von Leipheimers Hotel gesessen und Kaffee getrunken. Ein Zufall also? Dass derzeit niemand an Zufälle im Radsport glauben mag, weiß auch Holczer. Weswegen er sich von Leipheimer zweimal habe versichern lassen, dass er nicht mit Ferrari zusammenarbeite. Zudem habe er, Holczer, am Montag als Erster die heikle Angelegenheit im Fernsehen erwähnt. Ein weiterer Beleg dafür, dass Gerolsteiner nichts zu verbergen habe.

Der Name Ferrari hatte zuletzt ja auch beim Rennstall T-Mobile für Nervosität gesorgt. Während der Tour wurde bekannt, dass er Patrick Sinkewitz und Eddy Mazzoleni betreut. Bis vor zwei Monaten gehörte auch Michael Rogers zu seiner Kundschaft. Die T-Mobile-Profis müssen künftig auf die Tipps des zwielichtigen Mediziners verzichten. Auf der schwarzen Liste steht bei T-Mobile mit Luigi Cecchini ein weiterer italienischer Arzt, dem fragwürdige Praktiken nachgesagt werden.

Bei Gerolsteiner liegen die Dinge anders. Hier gibt es keine Kooperationen mit den merkwürdigen Dottores. Dennoch will Holczer nun in Zukunft als Passus in die Gerolsteiner-Verträge aufnehmen, dass eine Zusammenarbeit mit Ferrari und Cecchini nicht gestattet ist.

Leipheimer ist übrigens schon die zweite delikate Personalie, der sich Gerolsteiner bei dieser Tour stellen muss. Die erste war Jörg Ludewig. Der steht zwar in Diensten von T-Mobile, diese Woche aber waren Dokumente aufgetaucht, wonach er sich 1998 nach Dopingmitteln erkundigte. 1999 fuhr er ein Jahr lang für Gerolsteiner. Sieben Jahre später sah sich der Rennstall nun mit Ludewigs angeblichem Dopingkonsum konfrontiert. Zu beneiden ist Holczer derzeit sicher nicht.

Auch interessant

Kommentare