Keiner für die Weltspitze

- Oberhausen - Statt auf dem WM-Thron landete er im Krankenhaus: Boxprofi Thomas Ulrich hat auch seinen zweiten WM-Kampf verloren und damit seine letzte Titelchance verspielt. Der Berliner Herausforderer im Halbschwergewicht musste sich am Samstag in Oberhausen seinem Universum-Stallgefährten Zsolt Erdei geschlagen geben. Der 32-jährige Ungar verteidigte seinen WBO-Gürtel vor 5000 Zuschauern mit einem einstimmigen Punktsieg (120:108, 118:110, 116:112).

"Unser Ziel ist ein WM-Vereinigungskampf, daran werden wir jetzt arbeiten. Zsolt hat mit dem Sieg einen großen Sprung nach vorne gemacht", sagte Promoter Klaus-Peter Kohl. Auch der unterlegene Ulrich soll noch eine Zukunft haben. "Thomas ist nicht aus dem Rennen, seine Position hat sich nicht verschlechtert", meinte der Universum-Chef.

Das Duell mit dem ungaruischen Volkshelden Erdei machte allerdings deutlich, dass Ulrich (31) in der Weltspitze nichts zu suchen hat. Von Beginn an hatte Erdei den Kampf dank seiner schnell geschlagenen linken Führungshand dominiert. Ulrich dagegen fand kein Mittel gegen die kompakte Doppeldeckung seines Gegners. Zwar marschierte er zwölf Runden lang nach vorne, hielt das Tempo hoch, traf aber nur vereinzelt. Folgerichtig verlor der am Ende schwer gezeichnete Berliner, der aus drei Cuts im Gesicht blutete, auch seinen zweiten WM-Kampf - es war seine dritte Niederlage im 32. Profifight. Im Oktober 2005 war er bereits vorzeitig am polnischen WBC-Weltmeister Tomasz Adamek gescheitert.

"Thomas hat einen tollen Kampf gemacht", befand Kohl - und musste seinen Boxer entschuldigen. Denn Ulrich war kurz nach dem Kampf bereits auf dem Weg ins Krankenhaus, die große Wunde unter dem linken Auge musste genäht werden.

Kohl hatte das Stallduell angesetzt, um einen seiner Boxer weiter nach oben zu bringen. "Die Frage war, wer ist unser bester Halbschwergewichtler. Jetzt kennen wir die Antwort", sagte Kohl.

Erdei, der seinen Titel zum sechsten Mal verteidigte, ist nun in 25 Kämpfen ungeschlagen. Jetzt strebt er einen Vereinigungskampf gegen Fabrice Tiozzo an. Der französische WBA-Weltmeister hatte im Februar 2005 Dariusz Michalczewski ausgeknockt - es war der letzte Kampf des "Tigers".

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