Kindlmanns leiser Aufstieg

- Die Geschichte dieses Jahres begann für Dieter Kindlmann wieder einmal mit einem Knall. In einem Moment, der eigentlich so unspektakulär erschien. Es war ein lockeres Trainingsspielchen, ein Volley, der zur täglichen Routine gehört im Tennisleben des Jungprofis aus Oberhaching. Doch dieses eine Mal kam er ins Straucheln. Die linke Hand zuckte in Richtung Boden um den Sturz abzufangen - das folgende Geräusch ließ nichts Gutes ahnen. Eine Sehne im linken Mittelfinger war unter dem ungewohnten Druck gerissen.

<P>Mehr als der Finger war es freilich die Seele, die Kindlmann in diesem Moment schmerzte. Wieder eine Verletzung, wie schon vor Jahresfrist als ein Stich in der Schulter seine Planungen durcheinander gewirbelt hatte. Wieder ein Rückschlag zum Auftakt so wichtiger Monate, die ihm den Vorstoß in neue Karriere-Dimensionen bescheren sollten. Weil er bis zur Jahresmitte nicht viele Punkte zu verlieren, aber dafür umso mehr zu gewinnen hat, winkt in der Weltrangliste der Vorstoß unter die Top-200. Jenen Bereich also, der ihm schon einmal bei den "Challengers", den Turnieren der zweiten Kategorie also, den direkten Vorstoß ins Hauptfeld garantiert. Es ist noch nicht lange her, da hatte sich der gebürtige Allgäuer von Rückschlägen ziemlich nachhaltig aus dem Tritt bringen lassen.</P><P>Doch diese Zeiten sollen nun ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. So präsentiert sich der 21-Jährige in diesen Tagen bewusst trotz frischer Verletzung als Aushängeschild beim Future-Turnier in der heimischen Oberhachinger TennisBase. Zumindest beim 6:3, 6:0 gegen den wahrlich nicht schwachen Schweden Johan Settergren war nicht viel zu merken von den Schmerzen, die seiner beidhändigen Rückhand den gewohnten Druck und die Präzision nahmen. Gegen den Polen Lukasz Kubot zog er dann doch denkbar knapp im Tie-Break des dritten Satzes den Kürzeren. Worüber er sich selbst nicht weiter wundern wollte: "Der Finger soll keine Entschuldigung sein, aber unter normalen Umständen konnte ich hier gar nicht nicht erfolgreich sein."</P><P>Dass er angeschlagen fast ins Viertelfinale vorgestoßen wäre, darf wohl getrost der Entwicklung zugeschrieben werden, die er gerade im letzten Jahr hingelegt hat. Kindlmann ist als Spieler gereift und spielt mittlerweile in einer anderen Liga als die Konkurrenten der Einsteigerserie. Die Erfolgserlebnisse wie der Triumph beim Challenger-Turnier von Aschaffenburg, genauso aber auch die engen Partien mit so manch Top-100-Spieler in Diensten von Bundesliga-Absteiger Großhesselohe haben ihn selbstbewusst gemacht. Und so denkt der Zögling aus dem Förderkader des Bayerischen Tennis Verbandes gar nicht daran, sich auf dem Erreichten auszuruhen. "Ich will bald an die Top-100 heran", sagt Kindlmann.</P><P>In diesem Jahr hat er sich nicht zuletzt deshalb in den French Open und dem Klassiker in Wimbledon erstmals zwei Grand Slams auf den Turnier-Plan gesetzt. Am Ende soll dann, wie schon in den vergangenen drei Jahren eine deutliche Aufwärtsentwicklung stehen. Nur auf den nächsten Knall würde Dieter Kindlmann zur Abwechslung gerne einmal verzichten.</P>

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