Kriminelle Kontakte ?

- Frankfurt - Die Schiedsrichter-Betrugsaffäre wird durch neue Anschuldigungen gegen den Unparteiischen Robert Hoyzer immer brisanter. Nach einem Bericht des Magazins "Stern" soll der unter Manipulationsverdacht stehende Hoyzer regelmäßige Verbindungen zur kroatischen Mafia gehabt haben. "Ich habe bestätigt, dass dies der Fall sein soll. Es soll Verbindungen nach Berlin gegeben haben. Diese Hinweise lagen uns vor", erklärte DFB-Pressesprecher Harald Stenger.

Gestern Abend teilte der DFB mit, dass er am Nachmittag bei der Staatsanwaltschaft Berlin im Fall Hoyzer Strafanzeige erstattet habe. Die zuvor angefragte Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte auf die Berliner Zuständigkeit verwiesen. Ziel des DFB ist es, "zusätzlich zu den weiter andauernden Untersuchungen des DFB-Kontrollausschusses staatsanwaltschaftliche Ermittlungsmaßnahmen zu veranlassen, die ausschließlich staatlichen Organen, nicht aber dem DFB erlaubt sind". Man erhofft sich vor allem die Klärung der Frage, welche Personen hohe Wetteinsätze auf von Hoyzer geleitete Spiele gesetzt haben und ob eine Verbindung von ihnen zu Hoyzer besteht.

Unterdessen steht mit dem 29-jährigen Dominik Marks ein weiterer Schiedsrichter unter dem Verdacht der Manipulation. Er fiel beim Regionalligaspiel zwischen den Amateuren von Hertha BSC Berlin und Arminia Bielefeld (2:1) am 11. August 2004 durch sonderbare Entscheidungen auf. Marks soll allerdings der einzige weitere verdächtige Referee sein. Er bestreitet die Vorwürfe vehement: "Es ist unfassbar, dass einfach mein Name in diesem Zusammenhang in der Öffentlichkeit genannt wird. Das ist ein klarer Versuch des Rufmords. Ich schwöre, dass ich absolut nichts mit Wetten zu tun habe. Ich bin seit 15 Jahren leidenschaftlicher Schiedsrichter und würde niemals meine Karriere für ein paar Euro wegschmeißen."

Robert Hoyzer kämpft derweil mit juristischen Mitteln um seinen Ruf. Sein Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner hat die "Rücktrittserklärung" angefochten, die sein Mandant am Freitag bei der Anhörung durch den DFB unterschrieben hat. Hoyzer sei dabei mit den Vorwürfen konfrontiert und "zur Vermeidung weiterer Nachteile für ihn" mit Nachdruck zum Unterschreiben der Erklärung veranlasst worden. Außerdem sei Hoyzer bisher aus dem Verein Hertha BSC "nicht wirksam ausgetreten" und werde "dies auch in Zukunft nicht tun". Damit unterliegt er weiter der Verbandsgerichtsbarkeit.

Schwere Vorwürfe erhebt Holthoff-Pförtner gegen den DFB. "Was er mit meinem Mandanten bei der Vernehmung gemacht hat, war keine Untersuchung, sondern eine Hinrichtung", sagte er der "Neue Ruhr Zeitung". Holthoff-Pförtner hatte sich am Dienstag zu einem Gespräch mit Hoyzer in Berlin getroffen. "Die Geschichte, die ich gehört habe, ist eine völlig andere als jene, die der DFB verbreitet."

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig schließt derzeit nicht aus, dass auch Spieler in die Affäre verwickelt sein könnten. Man müsse in Betracht ziehen, "dass noch andere Personen bis hin zu Spielern an der Sache beteiligt sind", sagte Staatsanwalt Joachim Geyer der FAZ. Alles andere "wäre blauäugig".

 

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