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Kronprinz Hildebrand in Zugzwang

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- Berlin - Vor der WM tobte in der Fußball-Nationalmannschaft ein irrer Konkurrenzkampf zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn um die Nummer 1. Jetzt hat Bundestrainer Joachim Löw für die EM 2008 einen neuen Torhüter-Wettstreit um die Positionen 2 und 3 eröffnet. Der Stuttgarter Timo Hildebrand muss sich im Wettlauf um die Rolle des ersten Kronprinzen von Stammkeeper Lehmann harter Konkurrenz erweisen, die von dem für das Länderspiel am Samstag in Rostock gegen Georgien nominierten Hannoveraner Robert Enke angeführt wird. "Der Wettbewerb hinter Lehmann ist eröffnet", verkündete Löw.

In der "Pole Position" befindet sich der 27 Jahre alte Hildebrand, der nach Kahns Rücktritt zur Nummer 2 aufgestiegen ist. "Timo hat die Nase vorn", stellte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Donnerstag in Berlin fest und fügte noch hinzu: "Er hat es selbst in der Hand." Nach zwei Jahren als kaum beachteter Schattenmann hinter Lehmann und Kahn darf sich Hildebrand gegen Georgien erstmals seit dem Confed-Cup 2005, als er beim 2:2 gegen Argentinien im Tor stand, wieder in einem Länderspiel empfehlen. "Timo hat am Samstag die Chance, sich zu beweisen", bemerkte Köpke. Enke wird im Ostseestadion an Stelle von Lehmann auf der Bank sitzen - und das wahrscheinlich 90 Minuten.

Hildebrand fiebert seinem erst vierten Länderspiel entgegen. "Ich freue mich, in Rostock spielen zu können." Er weiß, dass er nach zuletzt schwankenden Leistungen in der Bundesliga kritisch beäugt wird. "Damit kann ich leben", sagte er trotzig bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Köpke und Enke. "Das letzte Spiel ist lange her. Im letzten Jahr stand das Duell Lehmann-Kahn im Vordergrund, da musste ich mich hinten anstellen", bemerkte Hildebrand.

Jetzt stehen die Konkurrenten hinter ihm Schlange. Neben Enke zählte Köpke am Donnerstag Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund), Tim Wiese (Werder Bremen) und Raphael Schäfer vom 1. FC Nürnberg namentlich als weitere Kandidaten für die zwei Torhüter-Positionen hinter Lehmann bei der Europameisterschaft 2008 auf. "Der Kreis kann sich noch erweitern - und es können auch welche wieder herausfallen", betonte Köpke: "Wir beobachten alles ganz genau."

Der 29-jährige Enke, der schon als nicht eingesetzter Torhüter 1999 beim Confed-Cup in Mexiko dabei gewesen war, versucht sich bei seinem Nationalelf-Comeback im Training zu empfehlen. "Es ist schön, nach sieben Jahren wieder dabei zu sein", sagte Enke, der seine sportlichen Ziele nicht verhehlt: "Die EM 2008 ist für mich ein realistisches Ziel. Darauf werde ich hinarbeiten." Anders als bei Kahn und Lehmann gehen Hildebrand und Enke entspannt mit ihrem Wettstreit um. Beim Training am Donnerstagmorgen wechselten sie während der 75 Minuten auf dem Platz mehr Worte, als Kahn und Lehmann in vielen Jahren der gemeinsamen Zugehörigkeit zum Nationalteam.

Für Enke stand am Donnerstag ohnehin nicht die Kampfansage an Hildebrand im Vordergrund, sondern eine Dankes-Botschaft an die vielen Fußball-Fans, die mit ihm den Tod seiner Tochter Lara betrauert hatten. Am 17. September war die Zweijährige, die seit der Geburt an Herzproblemen litt, nach einer Operation am Gehör gestorben. "Ich möchte mich, auch im Namen meiner Frau, für die Anteilnahme von unglaublich vielen Leuten bedanken", sagte Enke bewegt bei der live übertragenen DFB-Pressekonferenz. Er habe in den vergangenen zwei Wochen viele E-Mails und Faxe erhalten. "Jede Sache, die wir gelesen haben, hat meiner Frau und mir geholfen."

Eine berufliche Auszeit hatte Enke abgelehnt, auch ein Verzicht auf die Einladung zur Nationalmannschaft war nach einem Gespräch mit seiner Frau kein Thema. "Lara war ein großer Teil in unserem Leben, der Fußball auch. Darum haben wir entschieden, dass ich schnellstmöglich wieder einsteige." Jetzt sitzt Enke mit im Zug zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz.

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