Der lässige Eisenmann

- Bischofshofen - Als Sigurd Pettersen sein erstes Weltcupspringen gewann, hatte er keine Zeit zum Feiern. Der Sportstudent setzte sich noch abends in den Zug, fuhr von Trondheim nach Oslo, wo er im Fach Physiologie tags darauf eine Prüfung schreiben musste. Erst ein gutes Jahr ist das her, und der stark an akademischen Pflichten orientierte Norweger schien nicht recht in die vorderste Reihe der modernen Skisprungstars zu passen. Man kennt sie als Popstars wie Hannawald und Schmitt, als Nationalhelden wie Malysz, innig verehrte Gaudiburschen wie Goldberger oder Parade-Profis wie der wortkarge Finne Ahonen. Ein fliegender und siegender Student war indes neu im Luftraum über den Schanzen.

<P>Sigurd Pettersen, dessen offizieller Hauptwohnsitz immer noch ein Osloer Studentenheim ist und der dort eine bescheidene Bleibe mit mehreren Kommilitonen teilt, ist mittlerweile sogar zur aktuellen Hauptattraktion der Branche aufgestiegen. In die Tournee startete er mit einem Doppelerfolg, in Bischofshofen machte der 23-Jährige den Gesamtsieg perfekt. Als erster Norweger seit zehn Jahren (damals Espen Bredesen). Zudem führt Pettersen den Gesamtweltcup an, insgesamt sechsmal Erster wurde er seit Dezember 2002. Schon während der Tournee beschrieb er sein Befinden mit der für ihn knappen Nüchternheit: "Ich bin ein glücklicher Mann."</P><P>Rund 64 000 Euro und ein<BR>Auto für den Tournee-Sieg</P><P>Pettersen stammt aus dem 3000-Seelen-Ort Veggli, das auf dem Hochplateau Hardangarridda liegt. Die Gegend ist bekannt für ihre schneesicheren und eiskalten Winter, der legendäre Abenteurer und Forscher Roald Amundsen trainierte dort für seine Südpolexpedition. Zähe Naturen sind da gefragt, und Pettersen, Sohn des Bürgermeisters von Veggli, hat auch schon einen entsprechenden Eindruck hinterlassen. Der Österreicher Walter Hofer, Skisprung-Leiter der Fis, sagt über den Norweger: "Das ist ein Mann aus Eisen." Bei der nordischen WM 2003 in Predazzo war Pettersen schwer gestürzt, der gelernte Physiotherapeut Hofer renkte ihm noch im Stadion den Oberarm wieder ein, drei Tage später gewann Pettersen mit schmerzender Schulter Team-Bronze.</P><P>Pettersens Talent wurde von Norwegens finnischem Teamchef Mika Kojonkoski entdeckt. Schon bald nach dessen Amtsantritt im Sommer 2002 fiel ihm in einem Trainingscamp der junge dunkelhaarige Mann auf, der die Saison zwar nur als 74. der Weltrangliste abgeschlossen hatte, aber über einen enorm energischen Absprung verfügte. Und neben seinen athletischen Fähigkeiten erkannte Kojonkoski auch seine Entschlossenheit: "Sigurd war bereit, ein Siegspringer zu werden - mit allen Konsequenzen."</P><P>Ein anfängliches Hemmnis sei nur Pettersens Hang zu Grübeleien gewesen. Der Student habe fortwährend versucht, "alles zu analysieren, durchzudenken, zu kontrollieren, er dachte fortwährend an Skisprung". Gedankenschwere ist oft hinderlicher Ballast bei der Weitenjagd. Mittlerweile aber hat sich Pettersen davon freigemacht. Auf Kojonkoskis Rat hin widmet er sich allabendlich gehaltvoller Lektüre, vorzugsweise den nordischen Klassikern Hamsun und Ibsen. Sein Cheftrainer meint: "Sigurd hat jetzt den Schuss Lässigkeit, den man braucht, um nicht zu verkrampfen."</P><P>Das demonstrierte Pettersen schon beim Auftaktspringen in Oberstdorf, wo er mit dem Schanzenrekord von 143 m eine stabile Grundlage für seinen Gesamtsieg gelegt hatte. Auf die Frage, wie er als Favorit nun den Rest der Tournee angehen wolle, entgegnete er: "Keep smiling", immer Lächeln. Dazu hatte Pettersen auch guten Grund, als er die Prämienschecks erhielt: rund 64 000 Euro brachte ihm die Tournee ein, dazu noch einen 33 000 Euro teuren Nissan - nicht schlecht für einen Studenten.<BR></P>

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