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Langlauf: Schaulaufen am Rhein

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- München - Seit ein paar Tagen lässt ein Fachblatt im Internet darüber abstimmen, auf welche Wintersportdisziplin sich der Fan am meisten freut. Nicht ganz überraschend liegen die Biathleten vorne, doch auf den Fersen der Skispringer folgen schon die anderen Gewinner des Olympiawinters - die Curler. Das Steineschieben auf dem Eis von Pinerolo ist beim deutschen Fernsehzuschauer so prima angekommen, dass das Fehlen von Medaillen nicht ins Gewicht fiel. Hauptsache TV-kompatibel.

In diesem Sinne ist auch die gute Platzierung der Springer gar nicht mehr so erstaunlich, und dem Biathlon kommt neben den überwältigenden Erfolgen schon seit Jahren zugute, dass sich die Dramaturgie nirgendwo besser verfolgen lässt als daheim auf dem Sofa. Die Langläufer hingegen haben in der Rangliste als Sechste (mit Platz drei aber in Reichweite) noch Boden gutzumachen. Einerseits muss so eine Statistik der nordischen Sparte im DSV sehr seltsam vorkommen, weil man gerade die erfolgreichste Saison hinter sich gebracht hat mit dem dritten Gesamtweltcup-Erfolg in Serie (Tobias Angerer), vier olympischen Medaillen und Weltcup-Tagessiegen zuhauf. Andererseits ist so ein Zahlenwerk, wenn schon nicht befriedigend, so doch in gewisser Weise eine Bestätigung. Ganz vorne liegen die, deren Wettbewerbe der Masse gut präsentiert werden.

Auf diesem Gebiet hat sich auch die Langlauf-Branche nichts vorzuwerfen. Bestes Beispiel sind die Sprintrennen in Düsseldorf, mit denen an diesem Wochenende (jeweils 14 Uhr/live im WDR) die Weltcupsaison eröffnet wird. 180-Lkw-Ladungen Kunstschnee aus der Neusser Skihalle sind am Rheinufer ausgebreitet worden, damit der westdeutsche Skifreund beim Einkaufsbummel ordentlich was zu sehen bekommt. Die Schätzungen für das Wochenende liegen zwischen 150 000 und 300 000. "Solche Stadtsprints bringen den Zuschauern den Sport näher", weiß Jürg Capol, Langlauf-Renndirektor im Weltverband FIS, weswegen man inzwischen auch die Straßen anderer Metropolen durchläuft. Selbst der angekündigte Regen dürfte den Reiz des Ereignisses nicht trüben. So schlecht wie letztes Jahr kann das Wetter am Rhein gar nicht werden.

Düsseldorf ist ein gutes, aber kein exklusives Beispiel für die Innovationsfreude der Branche. Massenstarts, Sprints und Verfolgungsrennen mit Skiwechsel, man ist sehr kreativ gewesen im Bestreben, die Sportart attraktiver zu präsentieren. Für dieses Wochenende mag noch gelten, dass "mehr Show als Wettkampf" geboten wird, wie Claudia Künzel einräumt. Aber die große Entwicklung ihres Sports sehen alle Athleten positiv, weil offensichtlich ist, dass sich was rührt.

Die wichtigste Neuerung folgt erst noch mit der Tour de Ski, die Ende Dezember ihre Premiere erlebt. Acht Rennen in zehn Tagen an fünf Orten, vom Prolog und dem Verfolgungsrennen in Nove Mesto über den Sprint im Münchner Olympiapark bis zum Massenstartrennen und einer Bergankunft im Val di Fiemme. Die namentliche Nähe zur Tour de France ist gewollt, aber "im Endeffekt", findet Tobias Angerer, ist die Tour de Ski "viel härter. Das ist wie acht Einzelzeitfahren."

Die Ski-Tour ist für den Weltcup-Sieger des letzten Winters neben der WM in Sapporo eines der großen Ziele. Düsseldorf ist im Vergleich dazu ein besseres Schaulaufen, aber Angerer freut sich trotzdem. Die Stimmung ist gut am Rhein, und außerdem profitiert er ein letztes Mal von den Mühen der Vergangenheit: "Ich darf noch mal im Gelben Trikot laufen."

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