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Langlaufen unterm Damoklesschwert

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- München - Die Hiobsbotschaft, weiter von Dopingverdächtigungen verfolgt zu werden, hat Evi Sachenbacher-Stehle mit voller Wucht getroffen. "Sie ist am Boden zerstört, nur noch ein Häuflein Elend. Sie hat nicht nur eine Träne geweint", beschrieb Stefan Schwarzbach, Pressesprecher des Deutschen Skiverbands (DSV), die seelische Verfassung der Langläuferin aus Reit im Winkl. Nicht gerade die besten Voraussetzungen also für einen Saisonstart.

Dennoch wird die schwer geknickte Oberbayerin nach Düsseldorf fahren, um an diesem Wochenende dort den Weltcup-Auftakt zu bestreiten.

"Die Hölle ist nix dagegen - aber ein Champion hält das aus."

Trainer Wolfgang Pichler

Ihr Ruhpoldinger Trainer Wolfgang Pichler setzt dabei auf eine Trotzreaktion: "Die Hölle ist zwar nix dagegen. Aber sie wird da gestärkt rauskommen. Ein Champion hält das aus."

Allerdings hatte auch Pichler damit gezögert, seine Paradeläuferin ins Rheinland zu schicken. Zunächst habe er ihr gesagt: "Ich schmeiß dich in Düsseldorf doch nicht zum Fraß vor." Schließlich steht zu erwarten, dass heikle Fragen zum Thema Doping auf die sensible Sportlerin einprasseln werden. Doch nach guten Trainingsleistungen in Ruhpolding entschied sich die Staffel-Olympiasiegerin von 2002 zur Teilnahme.

Bundestrainer Jochen Behle machte unterdessen aus seiner gedämpften Vorfreude keinen Hehl: "Für die Mannschaft ist die Situation eindeutig eine Belastung. Es ist nervig, dass der Sport uninteressant wird und es nur noch um Blutwerte geht. Für Evi ist das speziell schlimm." Denn die 25-Jährige dürfte sich derzeit arg an ihren olympischen Alptraum von Turin erinnert fühlen. Damals zog ein unzulässiger Hämoglobin-Wert eine fünftägige Schutzsperre nach sich. Die geschockte Evi Sachenbacher-Stehle verpasste durch die Zwangspause eine mögliche Einzel-Medaille.

Die Sportsoldatin hat stets alle Dopingverdächtigungen von sich gewiesen und die hohen Werte damit begründet, dass ihr Körper aufgrund genetischer Veranlagung in Höhenlagen entsprechend reagiere. Im Sommer meldete sie sich deswegen freiwillig für einschlägige Belastungstests an. Im Gegensatz zu ihren Teamkollegen Franz Göhring und Jens Filbrich (für Rennen über 1000 Höhenmeter) erhielt Evi Sachenbacher aber keine Ausnahmegenehmigung. Ihre Befürchtung lautet nun: "Jetzt geht alles von vorne los." Denn die Langläuferin ist zwar nicht positiv getestet worden, für die Turiner Befunde gibt es nunmehr auch keine medizinische Erklärung. "Da schwebt ein Damokles-Schwert über ihr", räumte DSV-Sprecher Schwarzbach ein.

Immerhin kann Evi Sachenbacher-Stehle auf die volle Rückendeckung des Verbandes setzen. "Ich bin davon überzeugt, dass Evi alle ihre Erfolge ausschließlich auf legalem Weg errungen hat und sie sich nichts hat zuschulden kommen lassen", sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann: "Wir werden die Evi weiter unterstützen." So wird sich nun ein Expertengremium mit den FIS-Testergebnissen auseinander setzen. Der DSV-Rechtsbeistand Werner Scheuer deutete bereits mögliche Schritte an: "Theoretisch könnte man vor ein normales Gericht gehen oder natürlich vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen."

Auf alle Fälle wird Evi Sachenbacher-Stehle künftig vorsichtshalber Höhenlagen meiden. Zumindest insofern kommt die Saisoneröffnung durchaus gelegen. Düsseldorf liegt nur 39 Meter über dem Meeresspiegel.

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