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Leise Hoffnung nach einem harten Winter

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- Herzogenaurach - Michael Uhrmann beschrieb den Abstand zwischen Wohl und Wehe im Handumdrehen. Eine kleine Lücke ließ er zwischen Daumen und Zeigefinger, um dann mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns zu sagen: "So viel hat gefehlt und es hätte alles ganz anders ausgeschaut."

Bei der angedeuteten Winzigkeit handelte es sich um 25 Zentimeter, die Uhrmann bei den Winterspielen in Turin im Wettbewerb von der kleinen Schanze von Bronze trennten. "Ich hätte genauso gut Olympiasieger werden können", sagt er. Stattdessen aber musste sich der Skispringer - wie im Teamwettbewerb - mit Platz vier zufrieden geben. "Daran werde ich mein Leben lang denken", sagte Uhrmann.

Doch es war nicht nur das knappe Scheitern, das die deutschen Flieger im Februar betrübte. Die deutsche Boulevardpresse verübelte es besonders dem Bundestrainer Peter Rohwein, dass erstmals seit 14 Jahren kein olympisches Edelmetall errungen wurde. "Das tut natürlich schon weh. Da möchtest du dich am liebsten vergraben", erinnert er sich an die seiner Meinung nach stark überzogenen Reaktionen. Aber so ist das nun einmal, seitdem einst Martin Schmitt und Sven Hannawald das Anspruchsdenken auf höchstes Niveau schraubten: Nur Spitzenplätze zählen. "Bei der Kritik stellt sich immer die Frage, ob sie auch berechtigt ist", wendet der diesbezüglich leidgeprüfte Rohwein. Sein persönliches Fazit jedenfalls widersetzt sich dem Meinungstrend der Medien: "Wenn es um Medaillen ging, waren wir immer irgendwo dabei."

Fest stehen dürfte jedenfalls, dass der Blick zurück eher wenig Grund gibt, besonders hoffnungsfroh nach vorn zu schauen. Auch wenn die Zielvorgabe für den kommenden Winter, mit der Vierschanzen-Tournee und der nordischen WM in Sapporo als Saisonhöhepunkte, unverändert ist: Mit vorne dabei sei, möglichst auf dem Siegerpodest. "Wir wollen wieder Anschluss finden an die führenden Nationen Österreich, Norwegen und Finnland", sagte Rohwein.

Die leisen Hoffnungen auf die angestrebte WM-Medaille nährt am ehesten Michael Uhrmann, der konstanteste deutsche Springer der letzten drei Jahre. Für ihn setzten sich nach Turin zwar die gemischten Gefühl fort. Dem Turiner Frust folgten Motivationsprobleme, dann erlitt der 28-Jährige beim Krafttraining einen Bänderriss im Sprunggelenk. Dafür aber erlebte er im Frühling erstmals Vaterfreuden, und auch die folgenden Monate mit der kleinen Leni, sagt Papa Uhrmann, seien "toll" gewesen. Gegen Ende des Sommer-Grandprix flog er mit neuem Ski (Fischer) auch schon wieder in der Weltspitze mit.

"Das ist wie bei einem Rohbau, da kann's noch reinregnen."

Martin Schmitt über seine Form

Positiv in Erscheinung getreten ist zuletzt auch der jahrelang von Leistungstiefs gebeutelte Martin Schmitt. Im Sommer gewann er den ersten Wettkampf gegen internationale Konkurrenz seit vier Jahren. Das Training unter seinem neuen Trainer, dem Österreicher Stefan Horngacher, zeitigt erste Fortschritte. Auch wenn Rohwein einwendet: "Martin ist noch ein bisschen arg unkonstant." Das räumt auch der frühere Weltklassespringer ein. Die Tendenz aber und vor allem sein verbesserter Absprung stimmen ihn optimistisch: "Ich bin auf einem Weg, der sicher der richtige ist."

Nur sei die Entwicklung zum Besseren noch nicht abgeschlossen: "Ich fühle mich, wie ein junger Sportler, der versucht, sich an die Weltspitze heranzukämpfen." Noch feile er an technischen Feinheiten, an der Konstanz: "Das ist wie bei einem Rohbau, da kann's noch reinregnen", veranschaulicht er seinen aktuellen Leistungsstand. Aber, so sagt der 28-jährige Schmitt lachend, "ich habe die besten Jahre ja noch vor mir." Nicht zuletzt Rohwein würde das freuen.

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