Letzte Talentstufe verlassen

- Der Erfolg, so ist das Leben, hat im schönen Regelfall seinen Preis. Das ist auch bei Thomas Bauer nicht anders. Der Shorttracker in Diensten des Eisschnelllauf-Leistungszentrums SLIC München scheint da immerhin noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. "Naja, ich gehe vielleicht nicht mehr so viel auf Partys wie früher", sagt Bauer. Das klingt erträglich und ist vor allem ein Preis, den zu zahlen sich für ihn ausgezahlt zu haben scheint. Die Saison des Münchners geht langsam, aber sicher in ihre letzte Phase und was sie bislang erbracht hat, das kann sich allemal sehen lassen. Zumal es kein ganz einfaches Jahr ist, das er da zu bestehen hat.

<P>Der 19-Jährige muss erstmals im Erwachsenenbereich aufs Eis, und das ist nun einmal der Moment, in dem aus Talenten echte Klasseläufer werden müssen. Bauer hat diese Nagelprobe bestanden und den direkten Sprung in den Nationalkader gepackt. Und nicht nur das: Wo er bislang auftrat, vom nationalen Event bis zum Weltcup - da war auch der Erfolg meist nicht weit. </P><P>Nach der EM in Zoetermeer/Holland, für die er sich in einem Stechen noch einmal eigens hatte qualifizieren müssen, stand er mit der Finalteilnahme und Platz sieben über die 1500-Meter-Distanz gleich einmal als zweitbester Deutscher da. Und hatte auch noch das erste Edelmetall in der Tasche - mit der deutschen Staffel, zuvor in Calgary noch durch einen reichlich umstrittenen Kampfrichterentscheid an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft gescheitert, lief Bauer auf den insgeheim erhofften Bronzeplatz - Erfolge, hinter denen in Wahrheit natürlich weitaus mehr steckt, als ein wenig Selbstbeschränkung.<BR><BR>Selten zuvor hat Bauer den Sport so in den Vordergrund gerückt wie in dieser Saison. Seit der überstandenen Abiturprüfung im vergangenen Sommer bezeichnet er sich selbst zumindest als "Halbprofi". Weil er ersatzweise für den Zivildienst im eigenen Verein ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren darf, steht er derzeit so oft auf dem Eis wie nie. Neun bis zehn Trainingseinheiten pro Woche sind Normalität. "Da brauche ich mich auch vor der internationalen Konkurrenz nicht zu verstecken", sagt Bauer. Und weil eben auch der Erfolg nicht ausblieb, hat er nach zwischenzeitlicher Motivationskrise im vergangenen Jahr wieder Blut geleckt. Zumindest während der nächsten beiden Jahre soll Shorttrack sein vornehmlicher Lebensinhalt bleiben.<BR><BR>Da müsste selbst ein Studium - Medizin oder Sport stehen ab Herbst auf dem Plan - zeitweise hinten anstehen. Was das heißt, das ist leicht zu erraten. Es sind die olympischen Spiele 2006 in Turin, die sich der eingeschworene Münchner da als vorläufiges, oder vielleicht sogar schon endgültiges Karriere-Highlight auf den Plan gesetzt hat. So gesehen ist es ja gut, dass Thomas Bauer auch seine Qualitäten als starker Staffelläufer aus Juniorentagen in den Erwachsenenbereich gerettet zu haben scheint. Denn bei Olympia sind im Shorttrack nur die besten Acht der Welt pro Strecke startberechtigt. Und diesem Ziel ist Bauer im deutschen Team allemal am nächsten. Auch zum gegenwärtige Preis.</P>

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