Magic Diamonds im Steigflug

- Synchron-Eislaufen hat hierzulande bislang, von einigen Ausnahmen abgesehen, ein Mauerblümchendasein geführt. Dabei ist diese Sportart in anderen Ländern, wie in Skandinavien und in den USA, hoch angesehen und wird dort teilweise auf einem hohen technischen und künstlerischen Niveau ausgeübt. In Deutschland dagegen wurde bislang nur in Berlin diese Variante des Eiskunstlaufens wirklich intensiv betrieben und gefördert.

Jetzt will München nachziehen und sich ebenfalls mit einem Team von internationalem Format präsentieren. Ausgerechnet in Berlin wurden die Weichen in die entscheidende Richtung gestellt, als sich die Mädchen aus Bayern Ende Dezember bei den deutschen Meisterschaften mit ihren neuen Programmen vorstellten. Mit Erfolg! Das Münchner Team gewann souverän beide Programme vor den hoch favorisierten und sieggewohnten Berliner Junioren, die ihren Augen und Ohren nicht trauen wollten, als sie die Wertungen sahen. Doch es war nicht bloß ein glücklicher Zufall, sondern, wie kompetente Fachleute urteilten, der verdiente Lohn für eine vor allem in technischer Hinsicht überlegene Leistung.

Was war passiert? Was hatte diese vorher kaum erwartete Leistungssteigerung ermöglicht? Viele Faktoren spielten eine Rolle. Es hatte eine Teilerneuerung des Teams gegeben, die begleitet wurde von einer Intensivierung des Trainings mit mehreren Trainingslagern in Oberstdorf. Doch nicht nur an der Technik wurde gefeilt - hinsichtlich der Präsentation wurde hart am künstlerischen Ausdruck gearbeitet, wobei ungewöhnliche und innovative Ideen aufs Eis umgesetzt wurden. Dies vor allem ist der Verdienst der renommierten jungen Choreographin Andrea Sommerfeldt, die seit letztem Jahr neben der erfahrenen Oberstdorfer Trainerin Marie-Therese Kreiselmeyer die "Magic Diamonds" trainiert. Ergänzt wird dieses Team, das für Erfolg steht, von der unermüdlichen Managerin Carmela Flögel.

Das Training einer Formation zu organisieren, stellt alle Beteiligten vor manchmal schier unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten. Nicht alle Mädchen kommen aus dem Großraum München. Manche wohnen in Augsburg, Ingolstadt oder in Wörrishofen und Umgebung. Die meisten gehen zwar noch zur Schule, doch manche befinden sich in einer Berufsausbildung und sind aufs Wohlwollen ihrer Arbeitgeber angewiesen. Viel guter Wille und viel Engagement gehört dazu - und viel Verzicht auf Freizeit, denn der Hauptteil des Trainings findet am Wochenende statt oder bei oft spontan anberaumten Kurztrainingslagern in Oberstdorf. Doch der harte Einsatz hat die zwanzig Mädchen zusammengeschweißt und ihre Motivation wie ihren Erfolgswillen gesteigert. Mehr und mehr wuchs die Überzeugung: "Wir schaffen es!"

Ein wichtiger Schritt wurde in Berlin getan. Ein erster Traum war für die Formation des ERC München wahr geworden. Doch was kommt jetzt? Was sind die Ziele? Anfang Februar steht ein wichtiger Wettbewerb im französischen Rouen an, bei dem man sich auch international profilieren möchte, um bei der Junioren-WM Anfang März in Helsinki bereits mit Resultaten aufwarten zu können. Ein Wettbewerb in Zagreb wird dann den Abschluss dieser Saison bilden.

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