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Maradonas Name und Zicos DNA

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- München - Der SV Werder Bremen hat ein Näschen, was die Verpflichtung von exzellenten Fußballern angeht. In der Regel wird dafür, und das mit Recht, Klaus Allofs verantwortlich gemacht. Im Falle von Diego Ribas da Cunha gebührt die Ehre allerdings dem Sohn von Klubchef Jürgen L. Born. "Er studiert seit Jahren in Buenos Aires", erzählt der Vater.

Glühender Boca-Juniors-Fan ist er dort geworden, "ich kann ihm unendlich viele Werder-Trikots schicken, das ändert gar nichts", doch so ärgerlich die Vereins-Fahnenflucht ist, ein Gutes hat sie doch: Der Junge kommt rum im südamerikanischen Fußball. Diego sah er schon als 17-Jährigen beim FC Santos zaubern, auf seinen Tipp hin flogen die Werder-Bosse damals um die halbe Welt - um knapp zu spät zu kommen. Der FC Porto war schneller. "Aber wir haben Diego nicht mehr aus den Augen gelassen", so Born. Seit Sommer verzückt er Bremen.

Es war ein überraschender Transfer-Coup, den die Hanseaten da im Sommer gelandet hatten - keiner wusste schließlich um die alte Bekanntschaft. Die Bremer ließen sich dabei nicht vom Karriereknick des 21-Jährigen in Portugal irritieren, sie statteten ihn mit einem Vertrag bis 2010 aus, und bisher ist ihnen deswegen kein Vorwurf zu machen - im Gegenteil. Es mag zuweilen noch etwas haken bei der Umstellung vom ehemaligen Spielmacher Johan Micoud, der eher das direkte Passspiel bevorzugte, doch das Unternehmen lässt sich dennoch gut an. Morgen gegen den FC Bayern wird es in der Liga erstmals ernsthaft auf die Probe gestellt werden.

Denn ob Diego wirklich einmal zu den ganz Großen seiner Zunft aufsteigen wird, muss sich erst noch zeigen. Und nur Spiele gegen die stärksten Gegner schmieden wirklich Stars von Format. Franz Beckenbauer traut ihm da allerdings viel zu: "Er ist ein perfekter Fußballer - ich meine sogar, der Unterschied zwischen dem FC Bayern und Bremen ist derzeit Diego."

Bis auf den Knick bei Porto liest sich Diegos Vita beeindruckend. Und sie wimmelt von den Namen der Größten: Geboren wurde er in Riberaio Preto - dem Heimatort von Socrates. Getauft wurde er auf den Namen Maradonas. Mit elf trat er dem FC Santos bei - und dirigierte Peles Klub an der Seite des heutigen Real-Profis Robinho zur ersten Landesmeisterschaft der Vereinsgeschichte (zu Zeiten des Idols gab es nur regionale Wettbewerbe). Als er die U 17 zu einem 6:0 über Italien führte, schrieb eine brasilianische Zeitung, man solle eine DNA-Probe von ihm nehmen, denn: "Nur ein Sohn von Zico wäre in der Lage, so zu spielen."

Natürlich gibt es für einen, der nicht nur Maradonas Namen und Zicos DNA trägt, sondern auch noch so spielt, auch Probleme. In Bremen, wo die Zeitungen nach den ersten Gala-Auftritten schon "Werderona" feierten, kritisierte Torsten Frings, er arbeite zu wenig nach hinten. Miroslaw Klose merkte an, man würde mehr von ihm profitieren, wenn er mehr abspiele. Und Ivan Klasnic, der wie kein Zweiter von Micouds Pässen profitiert hat, hat Diegos Spielweise aus der Startelf befördert. Der 21-Jährige bringt nicht nur die Gegner, sondern auch seinen neuen Klub durcheinander. Beim Training regeln neuerdings Securities die Abläufe, so etwas gab es früher nicht. Doch all das sind auch Zeichen dafür, wie sehr sich die Bremer Bayern angenähert haben.

Wer derzeit ein Werder-Dress von Diego will, bekommt eine Abfuhr: ausverkauft bis November. Aber das ist kein Einzelfall - sämtliche Trikots sind vergriffen. Auch das ist ein Indiz, dass Diego dem gesamten Verein gut tut. Im Fanshop hängen derzeit nur noch ein paar von Tim Wieses rosa Torwart-Trikots. Wenn Jürgen L. Born eines davon seinem Sohn schickt, wird die Wiederbelebung von dessen Leidenschaft für Werder weiterhin ein schwieriges Unterfangen bleiben.

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