+
2016 in Rio gewann Michael Teuber zum vierten Mal Gold im Einzelzeitfahren. 

Paracycler Teuber: Als das Olympia-Jahr zum Trainings-Jahr wurde

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
    schließen

Endlich wieder Wettkämpfe: Nun nimmt Michael Teuber die Spiele in Tokio ins Visier. 2020 riss er im Sattel 20.000 Kilometer ab

München– Mallorca oder kurz „Malle“, Sehnsuchtsort der Deutschen, ihnen während der Corona-Pandemie lange verschlossen – ja, Michael Teuber war öfter dort. Im Dezember 2020, zuletzt im April 2021. Auch Gran Canaria und Lanzarote hat er besucht. Warum? Weil es gute Rad-Trainingsreviere sind und er Rad-Profi ist. Nur gab es in seinem Bereich, dem Paracycling, bis auf eine Bayerische Meisterschaft keine Wettbewerbe, und auch die vielen Amateurrennen fanden nicht statt – also hat Michael Teuber ein Trainingsjahr eingelegt: 20 000 Kilometer, viel auch für ihn, den Fleißigen.

Doch er ist es gewohnt, gegen das Alter anzustrampeln – der Oberbayer Michael Teuber ist mittlerweile 53. Und gegen das Bewegungs-Handicap: Seit einem Autounfall 1987 ist er querschnittsgelähmt. Inkomplett querschnittsgelähmt: Über eine Restfunktion, die er in den Oberschenkeln wahrnahm, hat er sich die Radkarriere erarbeitet. Und er kann mit Hilfe einer Schiene gehen, bestieg den Kilimandscharo und den über 6000 Meter hohen Chimborazo. Bergtouren hat er in letzter Zeit keine gemacht. „Verschleiß im Hüftgelenk“, sagt er. Folge eines Radsturzes mit Oberschenkelfraktur vor einigen Jahren und der Tatsache, „dass ich übers Fußgelenk nicht so sauber abrolle wie ein Fußgänger. Aber zum Radeln tut’s es.“

Michael Teuber ist einer der bekanntesten Behindertensportler. Von allen Paralympischen Spielen seit Athen 2004 ist er mit Goldmedaillen heimgekommen, seine Spezialität ist das Zeitfahren. Er hatte auch Tokio 2020 ins Auge gefasst und sich 2019 bei den Weltmeisterschaften qualifiziert. „Mental war ich da schon auf Goldkurs.“ Lange ist er dann auf der Seite von IOC-Präsident Thomas Bach gestanden, der mit der Absage der Spiele 2020 (die Paralympics sind zwei Wochen nach Olympia) zögerte. Und rückblickend findet er, „dass sie im Sommer 2020 wohl auch möglich gewesen wären“.

Doch nun stellt er sich auf 2021 ein. Was war Teuber froh, dass kürzlich ein Weltcup im belgischen Ostende stattfand. Diese Woche tritt er bei den Europameisterschaften in Oberösterreich in die Pedale, und danach stehen die Weltmeisterschaften in Portugal auf dem Programm. Obwohl er die Kriterien für die Qualifikation für Tokio erfüllt hat – er muss sie noch bestätigen. Denn die deutschen Radfahrer haben in Japan nicht so viele Startplätze, wie sie bei der letzten WM Medaillen (das Qualifikationskriterium) gewonnen haben.

Für Michael Teuber hat sich der Wettbewerb verschärft, weil er einen neuen Konkurrenten bekommen hat, einen US-Amerikaner, der zuvor in einer anderen Klasse startete und in die von Teuber umgestuft wurde. „Bei der WM 2019 hat er mich geschlagen, unter normalen Umständen ist er stärker als ich.“

Asket Teuber haut sich trotzdem rein. Er frisst die Kilometer weg. Auch auf Mallorca. Wie war’s? Dank des Status als Bundeskaderathlet blieben ihm Quarantänen bei der Rückkehr erspart, er konnte mit negativem Test sofort weitertrainieren. Und auf der Insel – alles okay, fand er. „Die 40 000 Deutschen, die im April auf Malle waren, hat man nicht wahrgenommen, nach normalen Maßstäben war es leer, die Restaurants ab 17 Uhr geschlossen, nirgendwo Party-Wildwuchs. Mallorca ist sicher kein Schmelztiegel der Virus-Varianten.“

Auch interessant

Kommentare