Nach langer Odyssee am richtigen Fleck

- Unterhaching - Nein, man kann nicht sagen, die Karriere von Darlington Omodiagbe sei geradlinig verlaufen. Das wäre nicht mal geflunkert, sondern schlicht und einfach gelogen. Der Mann kam als Teenager aus seiner nigerianischen Heimat nach Europa, soweit kann man noch vom typischen Verlauf eines talentierten afrikanischen Offensivspielers sprechen. Doch dann folgte eine jahrelange Odyssee mit teilweise exotischen Stationen wie Gütersloh und Lodz/Polen.

Omodiagbe kickte in jungen Jahren zwar schon in der Champions League, wurde aber jährlich weiterverschachert (unter anderem noch zu Hannover und Duisburg) - und schließlich war er arbeitslos. Ganze 18 Monate lang. Bis ihn Wolfgang Frank zur SpVgg Unterhaching holte. Hier scheint er nun endlich endgültig am richtigen Fleck gelandet zu sein.
Wobei es selbst bei dem Zweitligisten noch eine ganze Weile gedauert hat, ehe sein Platz feststand.

Darlington Omodiagbe hat in der Vorrunde als einziger Feldspieler keine Minute verpasst, Manager Norbert Hartmann bescheinigt ihm bisher "eine sensationelle Saison". Und das, obwohl der ehemalige Stürmer mittlerweile den Abwehrchef gibt.

Wenige Tage vor dem Saisonstart, Mario Stieglmair hatte sich gerade das Kreuzband gerissen, schnappte sich Andreas Brehme Omodiagbe, um ihm zu sagen, dass er fortan die Hachinger Defensive befehligen soll. Ursprünglich sollte das Projekt zeitlich kurz befristet werden, doch der 26-Jährige verrichtete seinen Dienst von Beginn an überraschend so souverän, dass der Klub die Suche nach einem weiteren Innenverteidiger bald einstellte. "Meine Stärke ist der Zweikampf", sagt Omodiagbe, der neben dem Platz eher einer der schüchternen Sorte Balltreter ist. Die restlichen Details der Arbeit in der Viererkette trichterte ihm Coach Brehme ein. Man habe viel gesprochen, sagt Omodiagbe. Mit dem Resultat ist man schwer zufrieden, sagt Brehme: "Besser als Omo kann man das nicht spielen."

Darlington Omodiagbe ist mit seinem unerwarteten Aufstieg vom Notnagel zur Entdeckung der Vorrunde auch zum Vorzeige-Profi der aktuellen Hachinger Elf geworden. Sieht man von der Achse Heerwagen-Sukalo-Copado ab, schickt Brehme Woche für Woche eine Ansammlung von Notlösungen aufs Feld, Omodiagbe bewältigt alles souverän, den Kollegen gelingt das teilweise. Neben ihm sorgte Barbaros Barut als Spielmacher einige Male für Aufsehen, dabei war der Mann im Sommer schon so gut wie aussortiert. Auf der linken Verteidigerseite hat sich nun Rajko Tavcar durchgesetzt, er stieß als Notkauf im Spätherbst zum Klub. Akonnor scheiterte in Wolfsburg als Spielmacher, hat sich hier im linken Mittelfeld etabliert.

Der Trend bei Haching: Man braucht noch mehr Omos - gegen 1860 muss Brehme erneut improvisieren. Sukalo wurde am Freitag am Meniskus operiert, fällt drei Wochen aus. Omodiagbe könnte die vakante Stelle einnehmen, doch Brehme blockt ab: "Ich bin froh, dass ich Omo da hinten habe. So schnell kommt er nicht mehr ins Mittelfeld zurück." Omos Platz bei der SpVgg ist gefestigt. Im Winter verlängerte man seinen Vertrag vorzeitig bis 2006. Ende der Odyssee.

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