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Nach Schumacher und Todt verlässt auch Brawn Ferraris Formel-1-Team

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- München - Die Nachricht war erwartet worden, doch sie wirkt in Italien dennoch wie ein Schock: Nicht nur Michael Schumacher sondern auch der Technische Direktor Ross Brawn verlässt Ferrari. Dazu gibt Jean Todt seinen jetzigen Posten als Teamchef ab und wird Geschäftsführer der gesamten Aktivitäten von Ferrari. Damit wagt Ferrari einen kompletten Neuanfang. Denn der Franzose Todt, der Engländer Brawn und der Deutsche Schumacher galten als Supertroika, als Garant für den Erfolg.

Sie haben aus dem liebenswerten Chaosteam der Formel 1 in den vergangenen zwölf Jahren ein Musterbild an Präzision geschaffen, eine fehlerlose Erfolgsfabrik, die in den Jahren 1999 bis 2004 elf WM-Titel einfuhr. Das hatte vorher keiner in der Geschichte des Sports geschafft.

Ab 2007 kommen alle Schlüsselposten bei dem Rennstall wieder in italienische Hand. Teamchef wird Stefano Domenicali, der bisher als Sportdirektor agierte. Der 41-jährige hat in dieser Position Erfahrung als Bindeglied zwischen dem Team und der Sportbehörde FIA. Domenicali galt schon lange als möglicher Nachfolger.

Überraschender ist die Ernennung von Mario Almondo zum Technischen Direktor und Nachfolger von Brawn. Er war bisher Personalleiter bei Ferrari und wurde bekannt, als er das Programm Formula Uomo in der Firma etablierte, das Sprach-Veranstaltungen beinhaltete. Oder Creativity Club, in dem die Mitarbeiter Künstler treffen konnten.

Dass dieser Querdenker das Superhirn Ross Brawn ersetzt, zeigt, dass Ferrari auch hier einen Schnitt will. Brawn war durch und durch ein Ingenieur. Und eine Autorität im Team. "Wenn er beim Test dabei ist, wird im Meeting 15 Minuten geredet, und dann sagt er, wo es lang geht. Ohne ihn dauert das Meeting zwei Stunden, und wir wissen immer noch nicht, in welche Richtung es gehen soll", verriet ein Ferrari-Mann neulich dem Fachmagazin auto, motor und sport.

Lange Zeit hieß es, der Taktiker Brawn würde 2007 nur eine Auszeit nehmen. Die Pressemitteilung von Ferrari lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass der 51-Jährige endgültig geht. "Ferrari möchte sich bei Ross Brawn für seinen ungeheuren Beitrag bedanken, ein außerordentliches Kapitel bei Scuderia Ferrari geschrieben zu haben", hieß es da. Brawn wird sich laut Ferrari nun "ins Privatleben zurückziehen".

Das heißt: sich seiner zweiten großen Leidenschaft widmen, der Rosenzucht. "Ich habe in England einen wunderschönen Rosengerten, aber leider keine Zeit, um ihn zu kümmern. Eine nette ältere Dame tut das für mich", sagte Brawn. Dass der gelernte Atomwissenschaftler nun zu seinen Rosen nach Manchester zurückkehrt, wird auch seine Frau sehr begrüßen. Sie weilte bisher mit ihrem Mann im "Exil" in Italien.

Und wenn bei Ferrari doch wieder das italienische Chaos ausbricht? Da wird Brawn ans Telefon gehen, wenn es brennt. Schließlich heißt es, Brawn würde, ebenso wie Michael Schumacher, als Berater dem Team weiter zur Verfügung stehen.

Im Moment des Abschied gab sich Brawn bescheiden. "Wir haben diese Übergabe gut geplant. Ich bin glücklich, diese Verantwortung an neue Leute weiter zu geben, von denen ich überzeugt bin, dass sie einen noch besseren Job tun können als ich", sagte er.

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