Nach zwei Sätzen trennen sich die Wege

- Melbourne - Am Ende bestand die gute Nachricht aus einer Zahl. Wenn am Montag die neue Weltrangliste erscheint, wird Nicolas Kiefer auf Position 12 stehen. Das ist seine beste Platzierung seit Oktober 2000. Damit ist er zufrieden und meint, das sei seit Jahren mal wieder ein erfolgreicher Start in eine Saison. Das klingt ein wenig nüchtern, aber er war ja in Gedanken auch noch mehr bei seinem Abschied von den Australian Open, bei der Niederlage im Halbfinale gegen Roger Federer (3:6, 7:5, 0:6, 2:6).

Wie zuletzt jedesmal gegen die Nummer eins reichte es auch diesmal zum Gewinn eines Satzes, aber nicht zu mehr. "Ich habe mich zusammengerissen, ich habe versucht zu kämpfen, aber es hat nicht gereicht", sagte er. "Am Ende war er einfach zu gut."

Es war die gleiche Erkenntnis wie nach seinen Niederlagen im vergangenen Jahr in Wimbledon und bei den US Open, doch im Vergleich zu diesen beiden Begegnungen entfernte er sich wieder ein Stück vom Besten der Welt. Zwei Sätze lang war es eine recht ausgeglichene Partie, auch deshalb, weil Federer ein wenig Zeit brauchte, um sich an die Bedingungen unter dem geschlossenen Dach zu gewöhnen.

Kiefer meinte hinterher, da habe er unglaublich gespielt - wahrscheinlich hat er das wirklich so empfunden; von außen betrachtet sah es so aus, als halte er mit. Federer war so freundlich, ihm mit einem Fehler beim traditionellen Gewinn des zweiten Satzes behilflich zu sein, doch den Ärger darüber setzte der Schweizer sofort in positive Energie um. Er forcierte das Tempo, erhöhte den Druck, nahm Kiefer sofort das erste Aufschlagspiel im dritten Satz ab - von diesem Moment an trennten sich die Wege der beiden. Hinterher meinte Kiefer, er habe dann vielleicht zu viel riskiert - auch das sah von außen anders aus; er kam gar nicht mehr dazu. Wenn Federer sagt, er habe in den Sätzen drei und vier exzellent gespielt, genügt das als Erklärung.

Kiefer war - im Gegensatz zu Tommy Haas und Nikolai Dawidenko in den Runden zuvor - nicht in der Lage, sich dem Favoriten noch einmal zu nähern, und der bewegte sich mit großen Schritten auf das Finale zu. Das Ende kam nach zwei Stunden und 40 Minuten, man reichte sich am Netz die Hände und packte die Taschen. Freundlicher Beifall begleitete Kiefer in die Katakomben - die Australier hatten ihm den Auftritt gegen Sé´bastien Grosjean nicht nachgetragen -, und da war er dann mit seiner Enttäuschung eine Weile allein.

Zuhause im kalten Deutschland, wohin ihn jetzt der Weg führt, wird er sich ein wenig ausruhen, den lädierten Fuß weiter behandeln lassen und sich dann Anfang übernächster Woche auf den Weg nach Halle machen. Vom 8. bis 10. Februar wird die deutsche Mannschaft in Westfalen in der ersten Runde des Davis Cups gegen die Franzosen spielen, und Kiefer sagt, darauf freue er sich. "Wir sind ein gutes Team, und in Halle spiele ich sowieso am liebsten." Er glaubt, mit den positiven Erkenntnissen aus Melbourne gut ausgerüstet zu sein. Er habe sich durchgekämpft, habe nie aufgegeben, das nehme er mit.

Federer bleibt noch ein paar Tage. Er hat morgen (9.30 Uhr MEZ/Eurosport) einen Termin, das Finale gegen Marcos Baghdatis. Anfang Januar haben die beiden in Doha zuletzt gegeneinander gespielt, Federer gewann in zwei Sätzen. Hätte man ihn damals gefragt, ob er sich vorstellen könne, im Finale der Australian Open gegen den jungen Mann aus Zypern zu spielen, dann hätte er aus Überzeugung Nein gesagt. "Aber wenn man sieht, welche guten Spieler er hier geschlagen hat, dann hat er dieses Finale wirklich verdient."

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