Mit der Nase im Dreck

- Stuttgart - Es brodelte in Matthias Sammer, doch nach außen mimte der Heißsporn den Ruhigen und Verständnisvollen. "Charakterlich gibt es nichts vorzuwerfen. Wir haben geackert und gefightet", sagte der Trainer des VfB Stuttgart nach der 2:4 (0:2)-Heimpleite gegen Aufsteiger Nürnberg. Seinen Frust über die leichtfertig vergebene Chance, an den ebenfalls patzenden Schalkern vorbeizuziehen und zumindest für eine Nacht auf Platz 1 der Tabelle zu stehen, konnte er trotz aller Beherrschung nicht verbergen: "Die Niederlage ist unheimlich ärgerlich, auch mit Blick auf die Tabelle." Ersatzkapitän Silvio Meißner mahnte: "Wir dürfen nicht nur nach oben schauen. Die von hinten kommen mächtig ran."

Im Wesentlichen waren vier Gründe für die dritte Heimpleite gegen Nürnberg in Serie ausschlaggebend: Die Schwaben nahmen die angeschlagenen Franken trotz aller Warnungen Sammers offensichtlich auf die leichte Schulter. Der gelb-gesperrte Kapitän Zvonimir Soldo fehlte als Lenker und
Club gewinnt zum vierten Denker an allen Ecken und Enden. Vor allem die linke Abwehrseite mit Markus Babbel und Heiko Gerber war äußerst anfällig. Und schließlich legten die Gäste schnell jeglichen Respekt vor dem vermeintlich übermächtigen Kontrahenten ab.

Mal in Folge beim VfB

Allen Nürnberger Treffern durch Sven Müller (6.), Markus Schroth (11., 85.) sowie Torjäger Marek Mintal (83.) ging stümperhaftes Abwehrverhalten der im Vorjahr noch so sattelfesten VfB-Defensive voraus. Selbst zwei Tore nach erfolgreicher Aufholjagd durch Fernando Meira (52.) und Imre Szabics (71.) reichten nicht für wenigstens einen Punkt. "Wir haben uns elementare Fehler geleistet", kritisierte Sammer das "Chaos in der Innenverteidigung", jetzt liege man "kurzfristig mit der Nase im Dreck". Meißner gestand geknickt: "Soldo fehlte. Es herrschte keine Ordnung, und hinten hat nichts gestimmt."

Bis zum Heimspiel gegen die glänzend in die Rückrunde gestarteten Lauterer am kommenden Samstag will Sammer diese Schwächen abstellen. "Wir werden wieder aufstehen. Wenn wir da gewinnen, war das 2:4 kein Rückschlag", hofft er auf Wiedergutmachung. Kevin Kuranyi kündigte an, dass der VfB seine Lehren aus diesem Tiefschlag ziehen werde. "Nach dem Ausgleich wollten wir zu schnell das dritte Tor", sagte der Nationalstürmer. "Es war heute komisch, aber nach der Pause haben wir Charakter gezeigt."

Bei den frisch und frech agierenden Franken stimmten Einstellung und Leistung ohne Abstriche. "Die Mannschaft hat Charakter und Moral", lobte Wolfgang Wolf stolz seine Akteure. "Normalerweise verlierst du so ein Spiel nach dem 2:2." Aber mit ihrem unbändigen Willen und Einsatz überstanden die zum vierten Mal auswärts siegreichen Nürnberger auch die kritischste Phase. "In der zweiten Halbzeit sind wir ins Schwimmen geraten, aber dann haben wir Moral bewiesen", sagte der zweimal erfolgreiche Ex-Löwe Schroth.

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