Noch ein Bubenstück von Jäkel

- München - Stefan Ustorf, Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, ist jetzt 30 - und seine Karriere in großen Zügen gelaufen. Eine anständige Karriere ist es geworden, aber nicht die ganz große, nach der es ausgesehen hatte, als er mit 17 in Kaufbeuren in die Bundesliga gekommen war, 1992 mit 18 seine erste Weltmeisterschaft gespielt hatte. Zwei Jahre später, 1994, hat Ustorf seinen Heimatklub ESV Kaufbeuren verlassen - unbemerkt von der Öffentlichkeit haben die Begleitumstände seines Wechsels nach Amerika bis vor wenigen Wochen die Gerichte beschäftigt.

<P>Die Geschichte zeigt, wie das einstige Supertalent Stefan Ustorf zum Spekulationsobjekt wurde - und wie dabei ein Mann eine unrühmliche Rolle spielte: Ulf Jäkel, Kaufbeurer Steuerberater, einstmaliger Präsident des ESV Kaufbeuren und von 1992 bis 95 auch oberster Mann im Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Jäkel leistete sich im Fall Ustorf ein Bubenstück: Er verkaufte den Stürmer gleich zweimal - an die Washington Capitals und an die Münchner Firma EKB Wohnbau. Deren Geschäftsführer war Adam Jakob, der jahrelang hinter dem EC Hedos München stand.<BR><BR>In den letzten Tagen des Jahres 1992 hatten Jäkels ESV Kaufbeuren und Jakobs EKB Wohnbau einen Deal geschlossen: Für eine Ablösesumme von 300 000 D-Mark zuzüglich Mehrwertsteuer sollte Ustorf zum EC Hedos München wechseln. Zwar lief Ustorfs Vertrag mit dem ESV Kaufbeuren noch bis 30. Juni 1994, doch der ESVK verpflichtete sich, den Vertrag mit Ustorf ein Jahr früher aufzuheben. Im Januar 1993 zahlte die EKB Wohnbau bei den Kaufbeurern 172 500 D-Mark an - doch zu einem Wechsel Ustorfs nach München kam es nie. Der Spieler hegte andere Pläne; schließlich war er im Sommer 1992 von den Washington Capitals aus der NHL aussichtsreich in der dritten Runde gedraftet worden. ESV Kaufbeuren und EKB Wohnbau sahen sich vor Gericht wieder. Jäkel wollte die noch ausstehende zweite Rate einklagen - und scheiterte. Jakob schließlich holte sich 1995, als es schon keinen EC Hedos mehr gab und Ustorf in den USA spielte, die bereits gezahlten 172 500 Mark nebst sattem Zins zurück.<BR><BR>Beendet ist die Transfergeschichte an diesem Punkt aber nicht, es entwickelt sich eine Nebenlinie. Denn Ulf Jäkel kassiert, derweil er mit den Münchnern prozessiert, für Ustorf von den Washington Capitals: Am 25. Januar 1995 wird durch den NHL-Klub über die Schweizerische Bankgesellschaft der Scheck mit der Nummer 5483397 ausgestellt - über 125 000 US-Dollar. Der Adressat der Zuwendung ist eindeutig: der "ESV Kaufbeuren e.V.". Von diesem Scheck erfahren erst Jäkels Nachfolger beim ESVK - denn auf das Vereinskonto werden die 125 000 Dollar (96 000 Euro) nicht gut geschrieben. Jäkel lässt ihn bei der Kaufbeurer Adler GmbH einreichen.<BR><BR>ESV Kaufbeuren bekommt noch 38 000 Euro</P><P>Mit der Saison 1994/95 hatte es in der nationalen Sportlandschaft Veränderungen gegeben: An Stelle der Bundesliga trat die Deutsche Eishockey-Liga (DEL), und in dieser sollte der Spielbetrieb nicht mehr über die Vereine, sondern über Kapitalgesellschaften laufen. Jäkel berief sich vor dem Landgericht Kempten auf den Kooperationsvertrag zwischen Verein und GmbH, doch kam damit nicht durch. Klare Sache: Ustorf hatte immer nur für den ESVK und nie für die Adler gespielt, und es war der Verein, der den Spieler ausgebildet hatte. Die 125 000 US-Dollar standen also dem ESVK zu und nicht der Adler-GmbH.<BR><BR>Die Adler schieden im Herbst 1997 völlig überschuldet aus der DEL aus, die GmbH befindet sich in Liquidation. Der ESV Kaufbeuren überlebte, startete den Neuanfang in der vierten Liga und ist inzwischen schon wieder in der zweithöchsten Klasse angekommen. Nun bekommt er noch Geld für den vor zehn Jahren verkauften Stefan Ustorf: 38 000 Euro muss Ulf Jäkel an den ESV Kaufbeuren bezahlen - Ergebnis eines Vergleiches vor dem Oberlandesgericht München. Ein Spiel mit Klage und Widerklage: Auch Jäkel hatte an seinen ehemaligen Verein noch Forderungen aus früheren Darlehen (46 000 Euro). Die 38 000 Euro sind die Differenz aus dem, was die eine Seite von der anderen bekommt. Beim Vergleich beschied sich der ESVK mit niedrigem Zinssatz. Präsident Bernhard Pohl: "Wir wollten das Geld zeitnah."<BR><BR>Für den ehemaligen Funktionär Jäkel hat sich die Episode Eishockey noch einmal verteuert. Er wurde im Sommer 2002 bereits verurteilt, 400 000 D-Mark aus einer selbstschuldnerischen Bürgschaft an die Adler GmbH zu bezahlen (wir berichteten). Mit einer Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof versucht er, dem zu entgehen. Diese Sache kann sich noch über Jahre hinziehen, die Akte Ustorf hingegen ist nun geschlossen. Das Talent, das 2001 endgültig aus Amerika zurückkehrte und zuletzt für Krefeld spielte, ist darüber zum Routinier geworden.<BR><BR><BR></P>

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