In Oberhaching Kraft für die Top 100 sammeln

- Tennis ist, soweit man es hauptberuflich betreibt, ein Sport bei dem man viel unterwegs ist. Weniger auf dem Platz, als vielmehr zur An- und Abreise zu Turnieren, die mittlerweile auch an sehr entlegenen Orten eingerichtet wurden. Profis sind deshalb ständig unterwegs, von einem Ende der Welt zum anderen.

Tobias Summerer ist Tennis-Profi und er ist gerne zuhause. Der Freisinger spielte lange beim MTTC Iphitos und lässt sich derzeit auf der Oberhachinger TennisBase des Bayerischen Tennis-Verbandes ausbilden. Auch um Preisgeld und Punkte zu sammeln bleibt er lieber in der Nähe: "Ich spiele sehr gerne in Deutschland, denn es gibt definitiv auch im Tennis einen Heimvorteil. Weniger durch die Zuschauer, aber man fühlt sich einfach wohler." Und während sich die Oberhachinger Kollegen wie Florian Mayer, Philipp Kohlschreiber und Dieter Kindlmann in Melbourne plagen, spielt Summerer sein erstes Turnier im Jahr 2005 in Oberhaching, das TennisBase Open.

Lob für Arbeit an der TennisBase

Das allerdings hat ganz andere Gründe als übertriebene Heimatverbundenheit. In Melbourne wäre auch Summerer, der sich gemäß Weltrangliste etwa auf dem Niveau von Kindlmann bewegt, sehr gerne angetreten. "Ich hatte auch schon die Flüge gebucht", erzählt er, eine Rückenverletzung zwang ihn seit Anfang Dezember zur Ruhe. Nach sechs Wochen spielt er nun wieder, "und da", findet er, "ist es ein kleines Turnier besser, als gleich gegen einen Topmann".

Eigentlich machte Summerer letztes Jahr jenen Sprung, der ihn für ein Turnier wie das beschauliche in Oberhaching (Preisgeld 10 000 Dollar) zu groß erscheinen lässt. Ein tolles Jahr sei das gewesen, sagt Summerer, Anfang 2004 war er noch auf Rang 577 der Weltrangliste. Aktuell findet man ihn auf Position 186. Grund dafür war der gute Start mit zwei Siegen und einer Finalteilnahme. "So habe ich Selbstvertrauen gewonnen, und dadurch macht man die entscheidenden Punkte und gewinnt enge Matches." Dabei bleibt er aber vernünftig und bescheiden. Sein Abitur machte er bis vor zwei Jahren und begann erst danach die Tenniskarriere zu forcieren. Und er sagt brav, wie viel er von Großen noch lernen könne, etwa von Roger Federer, der "Tennis vom anderen Stern" spiele. Gegen ihn zu spielen wäre ein Traum für die nähere Zukunft.

Mitverantwortlich für seine Erfolge ist neben seiner "Vorhand und dem Return", die er als größte Stärken betrachtet, auch die TennisBase. Nicht zufällig trainiert mittlerweile ein großer Teil der deutschen Talente dort. "Es ist das perfekte Umfeld. Etwas besseres gibt es in Deutschland nicht", sagt Summerer. Die Trainingsbedingungen seien optimal, man habe alle Beläge und sehr gute Trainer. Außerdem kümmert sich man um die Vermarktung der Spieler, etwa wenn es darum geht, ihnen Verträge für die Bundesliga zu vermitteln. So spielen die TennisBase-Mitglieder Kohlschreiber, Kindlmann und Summerer heuer geschlossen für Neuss die Bundesliga.

Das gewonnene Selbstbewusstsein lässt Summerer, der im Zuge des durch Boris Becker ausgelösten allgemeinen Tennisbooms der späten achtziger Jahre zu diesem Sport kam, auch sehr optimistisch auf das laufende Jahr blicken. "Ich denke, dass ich das Potenzial habe, ganz nach vorne zu kommen", sagt er. Das ist zwar eher eine Langzeitprognose, aber der nächste Schritt dorthin soll in den kommenden Monaten folgen: "Mein Ziel sind die Top 100." Besonders freut er sich "auf das besondere Flair der Grand-Slam-Turniere", bei denen er jeweils die Qualifikation bestreiten möchte. Dazu muss er dann allerdings weit reisen: Nach Paris, London und New York.

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