Gegen ihren Willen sollte die belarussische Sportlerin Kristina Timanowskaja von den Olympischen Spielen abreisen.
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Gegen ihren Willen sollte die belarussische Sportlerin Kristina Timanowskaja von den Olympischen Spielen abreisen.

Belarussische Sportlerin hat Angst

Olympia 2021: Athletin zur „gewaltsamen Ausreise“ gezwungen? Schutz von Japans Polizei

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Unter Zwang sollte die belarussische Sportlerin Kristina Timanowskaja nach Hause reisen. Am Flughafen schaffte sie es jedoch, bei der japanischen Polizei Schutz zu suchen.

Tokio - Für die belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja sind die Olympischen Spiele* vorbei. Aber nicht, weil sie ausgeschieden ist, sondern weil sie sich kritisch gegenüber Sportfunktionären geäußert haben soll. Gegen ihren Willen soll die 24-Jährige zum Flughafen nach Tokio gebracht worden. Von einer „gewaltsamen Ausreise“ spricht die oppositionelle, belarussische Athletenvertretung Belarusian Sport Solidarity Foundation (BSSF). Ihre letzte Rettung war die japanische Polizei.

Olympia 2021: Athletin hätte in Belarus das Gefägnis gedroht

„Ich bin jetzt in Sicherheit“, sagte Timanowskaja der BSSF. Sie stehe jetzt unter dem Schutz der japanischen Polizei. Unabhängigen belarussischen Medien zufolge sei sie davor bereits gegen ihren Willen zum Flughafen nach Tokio gebracht worden. Dem Sport-Telegram Tribuna sagte die Athletin: „Ich habe Angst, dass sie mich in Belarus womöglich ins Gefängnis sperren. Ich habe keine Angst, dass sie mich entlassen, oder aus der Nationalmannschaft werfen. Ich habe Angst um meine Sicherheit.“ Und auch am Flughafen soll sie auf die Frage, ob sie Angst habe nach Belarus zu fliegen, mit „ja“ geantwortet haben.

Das Belarussische Olympische Komitee (NOK) sieht die Sache jedoch ganz anders. Die Athletin sei von einem Arzt untersucht worden und werde wegen ihrer „emotional-psychischen Verfassung“ nicht an weiteren Wettkämpfen teilnehmen, gab es auf Telegram bekannt. Timanowskaja bezeichnete das auf Instagram als „Lüge“. Dem Radiosender Euroradio sagte sie in einem Interview: „Sie haben mir einfach gesagt, meine Sachen zu packen und nach Hause zu fliegen.“

Grund für den Disput zwischen Sportlerin und Komitee soll eine Beschwerde der 24-Jährigen gewesen sein. Sie sollte ohne ihr Wissen bei der 4x400-Meter-Staffel* starten. „Einige unserer Mädchen sind nicht hierhergeflogen, um an der 4x400-Meter-Staffel teilzunehmen, weil sie nicht genügend Dopingtests absolviert hatten“, sagte Tsimanouskaya am Flughafen der Nachrichtenagentur Reuters. „Und der Trainer hat mich ohne mein Wissen in die Staffel aufgenommen. Ich habe darüber öffentlich gesprochen. Der Cheftrainer kam zu mir und sagte, es habe einen Befehl von oben gegeben, mich zu entfernen.“

Olympia 2021: Sportlerin will in Europa Asyl beantragen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich am Sonntag auch zu der Angelegenheit geäußert. Es fordert vom NOK den Fall aufzuklären. Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja begrüßte die schnelle IOC-Reaktion. „Es ist wichtig, die Verletzungen von Rechten der Athleten durch das NOK zu untersuchen“, schrieb sie auf Twitter. 

Wie das BSSF angab, will sich die belarussische Athletin jetzt um Asyl in Europa bemühen. Deshalb will sich an die österreichische Botschaft in Tokio wenden. Außerdem hatte das BSSF dem IOC eine Liste übergeben. Darin stehen 65 Fälle und Belege bei der Sportler, Trainer und Funktionäre systematischer Repression ausgesetzt gewesen sein sollen, so der Spiegel. Die Fälle reichten von Inhaftierungen über Gewaltanwendung bis hin zu Jobverlust, Suspendierung vom Sportbetrieb und Nationalmannschaften. (tel/dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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