Olympia-Turner Rhys McClenaghan auf dem Pauschenpferd.
+
Olympia-Turner Rhys McClenaghan auf dem Pauschenpferd.

Poppen auf Pappe

Olympia 2021: Papp-Betten „stabil“ genug für „Matratzen-Sport“? Turner macht den Praxistest

  • Christoph Klaucke
    VonChristoph Klaucke
    schließen

Bei Olympia sorgen die Papp-Betten für Aufregung - sind die Schlafplätze „stabil“ genug für den „Matratzen-Sport“? Ein Pauschenpferd-Turner macht den Praxistest.

Tokio - In dieser Woche ist es soweit. Am Freitag beginnen die Olympischen Sommerspiele in Tokio*. Viele Sportler befinden sich bereits einige Tagen vor dem Start von Olympia* in Japan. Die Athleten setzen ihre Vorbereitung fort und akklimatisieren sich in der Unterkunft im Olympischen Dorf. Aus Umweltgründen bestehen die Betten aus recyclebarer Pappe.

Mehrere Medien vermuteten, dass durch angeblich instabile Betten die Lust auf die schönste Nebensache der Welt unter den Athleten gehemmt werden sollte. Der Turner* Rhys McClenaghan wollte dem nicht so recht Glauben schenken und den Gegenbeweis antreten. Die Papp-Betten hielten einer ersten Belastungsprobe tatsächlich stand.

Olympia 2021: Turner Rhys McClenaghan testet Papp-Betten - und zieht knallhartes Fazit

Rhys McClenaghan springt auf seinem Olympia-Bett herum, als wäre es ein Turngerät. Gleich sechs Mal hüpft der Ire bei seinem Praxistest in die Luft, nach sechs harten Landungen steht für den WM-Dritten am Pauschenpferd fest: Die Pappe hält! Mit seiner kleinen Turneinlage landete McClenaghan mit freiem Oberkörper, in blauen Shorts und weißen Socken einen Internet-Hit - und entlarvte laut offiziellem Twitterkanal der Tokio-Spiele einen „Mythos“.

Die Betten, sagte McClenaghan in einem Video, sollten angeblich als „Anti-Sex-Maßnahme“ instabil gebaut worden sein und „bei plötzlichen Bewegungen zerbrechen“. Sein Fazit? „Das ist Fake News!“ Zuvor hatte die New York Post berichtet, die Papp-Betten sollten das Einhalten der Corona-Maßnahmen wie Abstandhalten unterstützen. Doch nach dem Test des Europameisters von 2018 jubilierten die Veranstalter: Die nachhaltigen Schlafplätze seien „stabil“ genug - auch für die potenzielle Fortpflanzung.

„Die sind richtig solide“, bestätigte Segel-Weltmeister Philipp Buhl, „sie sollten bloß nicht nass werden. Aber ich schlafe da richtig gut drin.“ Das ist auch notwendig - guter Schlaf gilt schließlich als eine der wichtigsten Voraussetzungen für Top-Leistungen.

Olympia 2021: Papp-Betten und Matratzen sind wiederverwertbar - 160.000 Kondome im Umlauf

Aber Geschlechtsverkehr? Die über 11.000 Athleten werden wegen der Pandemie ermahnt, „unnötige Formen von Körperkontakt zu vermeiden“. Die von den Organisatoren verteilten 160.000 Kondome seien „nicht dazu gedacht, im Olympischen Dorf benutzt zu werden“, teilte das OK mit. Stattdessen sollen sie „mitgenommen werden und helfen, die Kampagne zur Bewusstseinsbildung über AIDS zu unterstützen“. Dennoch: Olympia und Beischlaf - das war und ist ein großes Thema. 2016 in Rio verzeichnete die Dating-App Tinder Rekordzugriffe, manche Liebelei fand im Sportler-Dorf ihren Anfang.

Laut dem japanischen Hersteller Airweave halten die Betten einem Gewicht von 200 Kilogramm oder zwei Personen stand. Beim Bau stand aber weniger der Gedanke an nächtliche Aktivitäten als die Umwelt im Vordergrund. Auch die Matratzen mit vier Härtegraden aus Polyethylen sollen fast „unendlich oft“ wiederverwertbar sein. Für die 3600 Appartements im Dorf wurden 18.000 Betten hergestellt, 8000 sollen für die Paralympics bleiben. Was nach den Spielen übrig ist, wird gespendet. Auch die „Turnmatte“ von McClenaghan. (ck/sid) *Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare