Karateka Jasmin Jüttner
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Wer soll sie stoppen? Jasmin Jüttner.

Qualifikationsturnier in Paris entscheidet über Teilnahme an den Tokio-Spielen

„Absage wäre desaströs“: Jasmin Jüttner will zu den Olympischen Spielen

  • vonNico-Marius Schmitz
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Karate feiert bei den Olympischen Spielen in Tokio Premiere. Die 27-jährige Jasmin Jüttner will dabei sein und hat dafür noch eine Chance. Die Chance ihres Lebens.

München – Fast wäre sie beim Ballett gelandet. Im Alter von sieben Jahren wollte Jasmin Jüttner unbedingt mit einem Sport anfangen und „fand Röcke ziemlich cool.“ Da in der Nähe kein Ballett angeboten wurde, gab es das Kontrastprogramm: Der Vater entdeckte in der lokalen Zeitung eine Anzeige für Karate. Passte ohnehin besser ins Familienbild: Jüttners Eltern, große Fans von Bruce Lee, machten früher beide Taekwondo.

Nun, 20 Jahre später, gehört Jüttner zu den besten ihrer Zunft: Weltmeisterin in der Mannschaft und mehrfache deutsche Meisterin im Einzel. Die gebürtige Aschaffenburgerin tritt in der Disziplin Kata an – eine Wettkampfform, in der vorgegebene Bewegungsmuster gegen imaginäre Gegner vorgeführt werden: „Kata kann man am besten mit einer Kür beim Turnen vergleichen. Es geht um die gesamte Präsentation, den Blick, die Ästhetik, wie man sich verkauft.“

Und Jüttner will mit ihrer Kür auf die größte Bühne des Sports, zu den Olympischen Spielen. Karate wird in Tokio das erste und vorerst einzige Mal olympisch sein. Jüttner hat es in den vergangenen zwei Jahren nicht geschafft, sich über die Punkte für die Spiele zu qualifizieren. Daher bleibt noch genau eine Chance: ein Qualifikationsturnier im Juni in Paris. „Die ersten drei erhalten das Ticket für Tokio, ich möchte oben auf dem Podest stehen. Ich habe es mir verdient“, sagt Jüttner. Die 27-Jährige absolviert in der Woche fünf bis sechs Karateeinheiten und vier Athletikeinheiten. Hinzu kommen individuelle Übungen für Kraft und Schnelligkeit. Die Karateka arbeit mit Mentaltrainer Tarek Amin und dem Sportpsychologen Sebastian Altfeld zusammen, nutzt zudem Visualisierungstechniken für die optimale Wettkampfvorbereitung: „Karate ist koordinativ extrem herausfordernd. Man versucht eine technische Perfektion zu erreichen, die aber unerreichbar ist. Auch wenn du 10 Jahre lang trainierst, kannst du jeden Tag andere Schwerpunkte setzen.“

Die Coronakrise „hätte mich hart getroffen“, durch die Förderung der Bundeswehr kann sich Jüttner aber weiter auf den Sport konzentrieren. Aus Sicht der Athletin fliegt ihre Sportart zu sehr unter dem Radar. Immer, wenn sie Freunden Karate gezeigt habe, waren sie begeister. Und klar, die Olympischen Spiele sind eine riesige Chance. Dafür müsse aber vorher ordentlich die Werbetrommel gerührt werden: „Karate erhält medial bislang nicht die verdiente Aufmerksamkeit.“

Ist es verantwortungsvoll? Ich bin hin und hergerissen.

Jasmin Jüttner über Olympische Spiele während einer Pandemie

Jüttner denkt generell gerne über den Tellerrand ihrer großen Leidenschaft hinaus. Auch über die Sinnhaftigkeit von Olympischen Spielen während einer Pandemie habe sie sich lange Gedanken gemacht: „Ist es verantwortungsvoll? Ich bin hin und hergerissen. Ich hoffe inständig darauf, dass ein sicheres Konzept für die Spiele entwickelt wird.“

In Paris muss Jüttner zunächst die Chance ihres Lebens nutzen, um überhaupt nach Tokio reisen zu dürfen. Und natürlich darauf hoffen, dass die Spiele dieses Jahr im Sommer tatsächlich stattfinden können. „Eine Absage wäre für die meisten Sportler desaströs“, ist sich Jüttner sicher, „Erst recht für eine Sportart wie Karate, die sich nur einmal auf der größten Bühne präsentieren darf und anschließend wieder aus dem Programm genommen wird.“

Text von Nico-Marius Schmitz

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