Lara Lessmann
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Nicht zu stoppen: Lara Lessmann.

21-jährige Ausnahmeathletin tritt in der BMX-Disziplin Freestyle an

Lara Lessmann ist auf dem Sprung zu den Olympischen Spielen in Tokio

  • vonNico-Marius Schmitz
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Die 21-jährige Lara Lessmann hat sich in die Weltspitze des BMX hochgekämpft. Das nächste Ziel der Überfliegerin: die Olympischen Spiele in Tokio. Doch für Lessmann ist BMX mehr nur ein Sport, eher ein Lebensgefühl.

  • Mit neun Jahren drängte Lara Lessmann auf ein eigenes BMX-Bike
  • Die Sportlerin feierte schnell Erfolge: Gold bei den Sommer-Jugendspielen in Argentinien
  • Bei den Olympischen Spielen in Tokio feiert BMX Freestyle Premiere

München – Die Erfolgsgeschichte beginnt im Schlachthof. Der Name eines Skateparks in Flensburg. Rund einen Kilometer entfernt wächst Lara Lessmann auf. Im Alter von neun Jahren entdeckt sie ihre Begeisterung für den Skatepark, sieht ihre Brüder dort jeden Tag fahren. Schnell steht fest: ein eigenes Bike muss her. Die Eltern kaufen Lessmann zunächst Inliner, „aber irgendwann war mein Verlangen einfach zu stark“: „Als ich mein eigenes Bike hatte, gab es kein Halten mehr. Ich habe Tag und Nacht im Skatepark verbracht.“

Für Lessmann ist BMX ein Sport, den man gemeinsam erleben muss. Aus einer Sportart wird so eine Einstellung, ein Lebensgefühl. In Flensburg engagiert sich die Athletin bei den „Sportpiraten“ in der Jugendarbeit, gibt BMX-Workshops. Für einen entscheidenden Schritt in ihrer Karriere muss Lessmann Flensburg dann aber verlassen. 2017 wechselt sie auf die Eliteschule des Sports in Berlin. „An meinem ersten Tag habe ich mich gefragt: Wo bin ich hier eigentlich gelandet? Ich habe all die Sportler um mich herum gesehen, die zielstrebig ihrem Karriereplan nachgegangen sind. Da kann einem schon mal schwindelig werden. Dort habe ich gelernt mich durchzubeißen. Die Phase war brutal wichtig für mich.“

Statt im Schlachthof verbringt Lessmann ihre Tage nun im Mellowpark. Und feiert schnell Erfolge: mit 17 Freestyle-Silber bei der WM in China, 2018 bei den Jugend-Sommerspielen in Buenos Aires Gold: „Die Jugendspiele waren eine Generalprobe für unseren Sport. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Tausende von Athletinnen und Athleten, die ihren Sport lieben, verbringen drei Wochen gemeinsam. Das Gefühl werde ich nie vergessen.“

Ein Gefühl, das Lessmann noch mal erleben möchte. Bei den Olympischen Spielen in Tokio feiert die BMX-Disziplin Freestyle Premiere. Und Lessmann gibt alles dafür, um in Tokio in Bestform zu sein: Jeden Tag verbringt sie vier Stunden auf dem Bike, hinzu kommt Krafttraining am Olympiastützpunkt Berlin und zwei Ausdauertage auf dem Ergometer. Die 21-Jährige setzt auf die Zusammenarbeit mit Mentaltrainern: „Beim BMX musst du auf den Punkt mental fit sein. Also klar, ein Rückwärtssalto mit dem Fahrrad macht Spaß, ist aber schon auch gruselig.“ Beim Freestyle haben die Sportler eine Minute Zeit, um der Jury Tricks und Sprünge zu präsentieren. Den „run“ kann man mit einer Kür beim Eiskunstlauf vergleichen. „Ich lebe für solche Momente, in den Wettbewerben kann ich jedem zeigen, was ich drauf habe“, sagt Lessmann.

Ich möchte Frauen motivieren, dass sie sich durchsetzen und sich in einer männerdominierten Sportart wie dem BMX nichts sagen lassen.

Lara Lessmann

Das Ausnahmetalent setzt sich gegen jegliche Widerstände durch. In Deutschland gibt es keine Indoor-Trainingsmöglichkeiten für BMX Freestyle, zudem sind die Rampen oft deutlich kleiner als bei den Weltcups: „Willkommen in Deutschland. Hier muss deutlich nachgebessert werden.“ Aus einem kleinen Skatepark in Flensburg hat sich Lessmann bis in die Weltspitze hochgekämpft. Regelmäßig bekommt die Sportlerin Nachrichten von Frauen, die Lessmann als Vorbild sehen: „Ich möchte Frauen motivieren, dass sie sich durchsetzen und sich in einer männerdominierten Sportart wie dem BMX nichts sagen lassen.“

Die Nachrichten werden sich häufen, wenn Lessmann im Sommer auf der größten Bühne des Sports, den Olympischen Spielen, antritt. Über zwei Jahre hatten die BMX-Fahrerinnen Zeit, Weltcup-Punkte zu sammeln. Für April (Japan) und Mai (Frankreich) sind noch zwei Wettbewerbe angesetzt, die nach aktuellem Stand jedoch nicht stattfinden werden: „Da ich auf Platz zwei des Olympiarankings liege, plane ich fest mit Tokio.“

Die Entscheidung, dass BMX olympisch wird, wurde „von der alten Generation sehr kritisch gesehen“: „Sie haben vermutlich Angst, dass unser Sport zu sehr mainstream wird.“ Beim BMX gibt es viele Wettbewerbe, die Athleten sind nicht auf Welt-oder Europameisterschaften angewiesen. Die X-Games haben in der Szene beispielsweise den Stellenwert von Olympia: „Aber kennt meine Oma die X-Games? Natürlich nicht. Daher sind die Spiele für BMX Freestyle eine großartige Bühne und ein enormer Fortschritt.“

Schlachthof. Mellowpark. Sommer-Spiele in Argentinien. Und dann zur Krönung der noch jungen Karriere eine Medaille in Tokio? „Natürlich fährt man zu den Olympischen Spielen mit dem Ziel zu gewinnen. Ich denke schon, dass ich all-in gehen werde. Das heißt nicht, dass ich leichtsinnig agiere oder irgendwas überstürze. Aber das wird einer der größten Momente in meinem Leben werden. Da lege ich alles rein.“

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