Pettersen feiert, Hannawald lamentiert

- Bischofshofen - Manchmal bedarf es keiner großen Worte. Als ein norwegischer Rundfunkreporter sein Mikro hochhielt, hat Sigurd Pettersen zunächst nur urschreiartig hineingebrüllt. Hallo Norwegen, sollte das wohl bedeuten, hier ist euer großer Sieger! Was hätte Pettersen auch schon groß sagen sollen, nachdem die Fakten auf beeindruckende Weise für sich sprachen: Zum Abschluss der Vierschanzen-Tournee in Bischofshofen hatte er mit seinem dritten Tagessieg den Triumph im Gesamtklassement perfekt gemacht und dabei eiserne Nervenstärke bewiesen.

<P>Ein Sicherheitssprung hätte ihm schon gereicht, um den österreichischen Gesamtzweiten Martin Höllwarth (am Ende 35,1 Punkte zurück) auf Distanz zu halten. Stattdessen flog der Norweger noch unerschrocken auf 133,5 m und damit von Rang 4 auf 1.</P><P>Damit überflügelte Pettersen auf der Paul-Außerleitner-Schanze auch den Slowenen Peter Zonta (2,4 Punkte zurück), Sieger von Innsbruck und überraschend Gesamtdritter, den finnischen Titelverteidiger Janne Ahonen (4,5) und den 17-jährigen Österreicher Thomas Morgenstern, der nach dem ersten Durchgang noch mit der Tagesbestweite von 138 m geführt hatte.</P><P>Die deutschen Springer präsentierten sich in nun schon gewohnter Form. Georg Späth (Tages- und Gesamtsechster) und Michael Uhrmann (9. und Gesamt-7.) etablierten sich in der erweiterten Weltklasse. Der 20-jährige Maximilian Mechler bestätigte als 14. von Bischofshofen und Gesamtelfter sein Talent. Martin Schmitt flog auf sein relativ bestes Tournee-Resultat (15.), Sven Hannawald (22.) verabschiedete sich mit verstärktem Sinkflug. "Wenn ich einem Zuschauer meine Startnummer geben würde, würde er weiter fliegen", sagte der frustrierte Zwölfte des Gesamtklassements.</P><P>Bundestrainer Wolfgang Steiert fühlt sich durch das Mannschaftsergebnis bestätigt: "Wir sind jetzt eine schlagkräftige Truppe." Einzige Ausnahme: "Uns fehlt ein Führungspferd, wie es Hannawald einmal gewesen ist." Der hatte sich auf den 22. Platz vergaloppiert, sein schwächstes Ergebnis in einer für ihn schwer enttäuschenden Tournee.</P><P>"Was ich hier auf die Mütze bekommen habe, ist nicht normal", lamentierte der 29-Jährige: "Ich bin absolut deprimiert und völlig ratlos. Ich weiß nicht, woran es klemmt." Auch die Fluganalyse offenbarte Hannawalds derzeitige Konfusionen: "Es ist mir unerklärlich, warum ich im Mittelteil nur drüberrutsche. Ich muss Gewalt pur anwenden." Nach dem ersten Durchgang befand er zudem: "Ich bin froh, dass ich ins Finale gekommen bin - so weit ist es schon."</P><P>WM und Olympia - aber erst mal nach Hause</P><P>Steiert kam schließlich nicht umhin, Selbstkritik zu üben: "Ich muss mir an die eigene Nase binden, dass es<BR>nicht gelungen ist, Hannawald und Schmitt in Hochform zur Tournee zu bringen." Gleichzeitig betonte er aber, dass Hannawald, der im November 30 wird, mit seiner Karriere sicher noch nicht am Ende sei: "Sven hat noch große Ziele mit der WM 2005 in Oberstdorf und mit den Olympischen Spielen 2006 in Turin." Hannawalds Gedanken aber schweiften gestern ganz woanders hin: "Ich will nur noch nach Hause."<BR></P>

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