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Von Pocking in die Formel 1

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- Suzuka - Wie gut, dass Michael Ammermüller einen Vater hat, der eine Recyclingfirma mit riesigem Betriebsgelände hat. Und auch noch ziemlich tolerant ist. Sonst wäre er ja nie in die Formel 1 gekommen. Der Junge aus Pocking war acht Jahre alt, als er anfing, mit dem Auto seines Vaters auf dem Betriebsgelände zu rasen. Aber schon nach einem Jahr haben die Mitarbeiter der Firma sich nicht mehr nach draußen gewagt. "Ich und mein Bruder sind halt zu schnell geworden", erzählt Ammermüller und lacht. "Da hat mein Vater gesagt, dass es so nicht mehr weiter geht."

Für den nächsten Schritt brauchte Ammermüller ziemlich viel Überzeugungskraft. Und den Zufall, dass in Rottalmünster - "das ist so ein Kaff fünf Kilometer von uns", wie Ammermüller sagt - gerade eine Kartbahn gebaut wurde. "Wir sind mit meinem Vater dorthin gefahren, um uns das anzuschauen", erzählt Ammermüller. "Aber dann hat er den Preis von einem Kart gesehen und gesagt: ,Das geht nicht, das ist viel zu teuer.’" Michael machte dann einen Deal mit seinem Vater: Wenn er es ins Gymnasium schafft, bekommt er ein Kart. Er schaffte es. "Aber dann bin ich wahrscheinlich zu viel Kart gefahren", sagt Ammermüller. "Ich bin nur ein halbes Jahr im Gymnasium gewesen und musste dann zurück in die Realschule."

Dafür hat es jetzt in die Formel 1 geschafft. Wie schon in Schanghai durfte der 20-jährige Niederbayer in Suzuka als Freitagsfahrer Formel-1-Luft schnuppern - und sehr wahrscheinlich ist er auch in zwei Wochen in Brasilien wieder im Einsatz.

Auch da half ihm der Zufall. Als der österreichische Red-Bull-Pilot Christian Klien nach Monza ausgemustert wurde, bekam der niederländische Testfahrer Robert Doornbos das Stamm-Cockpit - und Ammermüller wiederum den Job als Freitagsfahrer. "Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich dieses Jahr Formel 1 fahre", sagt Ammermüller.

Er kann sein Glück kaum fassen. "Das war vielleicht die letzte Möglichkeit überhaupt, denn vielleicht gibt es ja nächstes Jahr keine Freitagsfahrer mehr", sagt er. Seine Ergebnisse in den freien Trainingseinheiten - Neunter und Achter in Schanghai, Vierter und Zwölfter in Suzuka - waren auch mehr als ordentlich. "Aber noch wichtiger ist der Abstand zu den Teamkollegen und zu den anderen vorne. Und da lief es schon ganz gut", sagt Ammermüller.

Er gibt aber auch zu: "Der Druck ist recht hoch. Vor allem, weil ich nicht so viel Erfahrung mit dem Auto habe und sowieso erst drei Jahre im Formelsport bin." Und weil die ganzen Presseleute da sind, da sollte man schon eine einigermaßen gute Figur abgeben. "Denn wenn man Letzter ist, denkt keiner daran, dass man wenig Erfahrung hat."

Den Unterschied zur Nachwuchsserie GP 2, in der Ammermüller diese Saison fuhr und die er als Elfter beendete, empfindet Ammermüller als groß. "Die Formel 1 ist schon ganz anders", sagt er, "vor allem, wie die Arbeit mit den Ingenieuren abläuft."

Ob es 2007 mit einem festen Platz in der Formel 1 klappt, ist nicht klar. "Ich werde sicher noch nächstes Jahr GP 2 fahren. Ob ich dazu noch Testfahrer bei Red Bull oder Toro Rosso sein kann, haben wir noch nicht besprochen. Noch wissen wir nicht, ob es nächstes Jahr überhaupt noch Freitagsfahrer gibt."

In Suzuka waren neben Ammermüller der Heppenheimer Sebastian Vettel für BMW-Sauber und der Münchner Adrian Sutil für Spyker MF1 als Freitagsfahrer im Einsatz. Beide träumen ebenfalls von einem Stammfahrer-Cockpit in der Formel 1, Sutil sogar schon im nächsten Jahr. "Spyker ist interessiert", sagte Sutil in Suzuka. "Es sind vielleicht noch andere, die da auf der Liste stehen. Aber alle im Team sind mit mir zufrieden und sagen mir: Hoffentlich bekommen wir dich als Rennfahrer.’"

Sollte das nicht klappen, will Sutil nächstes Jahr GP 2 fahren. Und würde sich dann in der zweithöchsten Motorsportklasse ein bayerisches Duell mit Ammermüller liefern.

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