Ein Rattenrennen, das in den Ruin führt

- München - Wie geht es dem Fußball eigentlich finanziell? Besser denn je, schlechter denn je? Auch daran hat der derzeit in München laufende Fifa-Kongress "Visions of Football" geforscht, es sind Grafiken an die Wände projiziert worden, die Kurven zeigen, die steil in die Höhe rauschen, Säulen, die gigantisch wachsen.

Die Optik täuscht, zumindest für einen Bereich des Fußballs: das Geschäft der Klubs. Egon Franck, Professor für Unternehmensökonomik an der Universität Zürich, sagt: "Der Klubfußball per se ist eigentlich unprofitabel." Er sieht den Betrieb der diversen Ligen von zwei Trends erschüttert: "Man liefert sich ein ruinöses Rattenrennen, und die sportliche Balance geht verloren."

"Die Umsätze steigen, aber die Gehälter noch mehr", sagt Professor Franck. "Viele Vereine verpfänden ihre künftigen Einnahmen oder setzen auf Einmaleffekte wie Borussia Dortmund auf die Erlöse aus seinem Börsengang." Und dann auf ins Rattenrennen. Es ist kein wissenschaftlicher Terminus, aber erklärt die Sache: "Die Ratten laufen los, aber nur einer kriegt das Stück Käse - und der Kalorienverbrauch ist höher als das, was der Käse bringt." Folge: Pleiten. Auch in Ländern, in denen die Professionalisierung stark fortgeschritten ist wie in England: "Da sind zwischen 2001 und 2003 insgesamt 14 Klubs in Konkurs gegangen", so Franck.

Und die Balance im Wettbewerb gehe verloren. Beispiel: Stellten die Teams aus England, Italien, Spanien und Deutschland in den Jahren 1994 bis 98 nur 55 Prozent der Champions League-Halbfinalisten, sind es seitdem 95 Prozent geworden. "Eine belgische Mannschaft wie der RSC Anderlecht mit einem Etat von 21,5 Millionen Euro kann nicht die Champions League gewinnen, wenn der FC Liverpool über 150 Millionen verfügt." In einer Bewertung der englischen Premier League über 54 Jahre stellte man fest, dass seit Einführung der Champions League der "C 5-Index" deutlich gestiegen ist. Das bedeutet: Die Top-5-Klubs sahnen immer mehr Punkte ab.

Der Wissenschaftler Franck sagt, der Fußball müsste sich an der profitabelsten Liga der Welt orientieren, der National Football League in den USA. "Eine geschlossene Liga, in der die Gelder nach Köpfen verteilt werden - und nicht wie etwa in der Bundesliga oder Champions League nach Erfolg. Es müsste mehr Anbietersolidarität sein." Die Footballer der New York Yankees würden vor den Spielen beten: "Herr, mach uns stark, aber nicht zu stark." Der deutsche Fußball-Branchenführer FC Bayern gehöre, denkt Franck, raus aus der Bundesliga, hinein in eine europäische Liga.

Anders als dem Klub- geht es dem Verbandsfußball prächtig. Die Fifa erwartet, so ihr Generalsekretär Urs Linsi, für die WM 2010 doppelte Erlöse wie für 2006. Ab 2007 verkauft die Fifa ihre TV-Rechte nicht mehr kollektiv, sondern in die wichtigen Märkte einzeln und direkt - das steigert die Rendite.

Die Klubs fordern Beteiligung an den internationalen Einkünften, weil die mit dem von ihnen bezahlten Spielern gemacht würden. Möglich, dass sie klagen und Recht bekommen. Doch in Prof. Francks Augen würde das die finanzielle Situation der Vereine nicht verbessern: "Das Geld fließt dann sofort auf den Transfermarkt und doch wieder in die Taschen der Spieler."

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