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Reifeprüfung für den Ferienjobber

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- Vor einem Jahr verstiegen wir uns an dieser Stelle zu zwei gewagten Theorien. Die erste: Mainz steigt ab. Die zweite: Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer. Beides ist nicht eingetroffen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das dritte Jahr nach dem Aufstieg gilt erfahrungsgemäß als das schwerste - und wenn Klopps Vertrag in Mainz ausläuft, hat Jogi Löw gerade die Europameisterschaft 2008 hinter sich . . .

Um eine Sache gleich zu Beginn klarzustellen: Jürgen Klopp hat den Ferienjob beim ZDF nicht angenommen, weil er mit seinem Gehalt beim FSV Mainz 05 nicht hinkommt, sondern weil ihm die Rolle als Fußballlehrer der Nation ganz einfach Spaß macht. Um es in Klopp-Deutsch zu formulieren: "Ich hatte Riesenbock drauf."

Stichwort Finanzen. Auch wenn die FSVer ihren begehrten Obermainzelmann bis 2008 binden konnten, ist Geld ein Riesenthema am Bruchweg. Bei allem Frohsinn, den die Mainzer stets verbreiten, und trotz der viel gepriesenen Kameradschaft (Klopp: "Alle verstehen sich sensationell") ist der selbst ernannte "Karnevalsverein" nicht von der Emotionslosigkeit des Geschäfts verschont geblieben.

Gleich vier Leistungsträger wechselten in der Sommerpause zu finanziell besser gestellten Klubs: Da Silva nach Stuttgart, Abel zu Schalke, Auer nach Bochum - Leihstürmer Zidan zeigt künftig in Bremen, was er gelernt hat. Von den 46 Mainzer Saisontoren gingen die Hälfte auf die Konten der Abgänger. Und Thurk, der Mainzer Rekordtorschütze, konnte nur mit allergrößter Mühe davon abgehalten werden, zum Erzrivalen nach Frankfurt abzuwandern.

Immerhin: Wirbelwind Azaouagh, dessen Wechsel nach Schalke einst viele Rechtsanwälte beschäftigte, kehrt zurück. Aber sonst? Amri kommt von Zweitliga-Absteiger Saarbrücken, Jovanovic von Zweitliga-Absteiger Ahlen, Feulner von Erstliga-Absteiger Köln, dazu der zum Abwehrspieler umgeschulte Du-Ri Cha aus Frankfurt und eine Handvoll Amateure. Gutelaune-Onkel Klopp kann nun beweisen, ob er wirklich so ein guter Trainer ist, wie es den Anschein hat, wenn er am Touchscreen des ZDF die WM erklärt.

Ach ja: Um ihr Finanzproblem in den Griff zu kriegen, wollen die Mainzer nun so schnell wie möglich ein neues Stadion bauen. 2008 soll es fertig sein. Spielen die "Nullfünfer" bis dahin noch immer im Oberhaus, wäre das mehr wert als die elften Plätze der vergangenen zwei Jahre.

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