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Der rücksichtslose Rekordmann

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- Sao Paulo - Damon Hill wird den 14. November 1994 wohl nie vergessen. Michael Schumacher startete mit einem Punkt Vorsprung vor ihm ins letzte Rennen der Formel-1-Saison in Adelaide. Als Hill dicht hinter Schumacher fuhr, machte der Deutsche einen Fahrfehler, Hill setzte zum Überholen an und Schumacher knallte ihm ins Auto.

Der Benetton des Deutschen kippte fast um und blieb sofort stehen. Hill rettete sich mit gebrochener Aufhängung in die Box, musste das Rennen aber aufgeben.

"Wie immer dachte ich, dass ich etwas falsch gemacht habe", sagt Hill heute. "Erst, als ich die Aufregung im Fahrerlager erlebte, kam ich auf die Idee, dass Schumacher falsch gespielt hat. Er ist mir in den Seitenkasten gefahren. Wir beide fielen aus, und er war Weltmeister."

"Er hat durchgezogen, auch wenn es unfair war"

Hill glaubt bis heute, dass der Name Michael Schumacher nicht für großen Sport steht. "Sportler sollten transportieren, dass Gewinnen nicht alles ist", sagt der Engländer. "Das tut Michael Schumacher meiner Meinung nach nicht. Wenn ihm etwas genutzt hat, dann hat er es durchgezogen, auch wenn es unfair war."

Dieser rücksichtslose Fahrstil hat Schumacher einen zweifelhaften Ruf eingebracht. Aber auch jede Menge Erfolge: insgesamt sieben WM-Titel. Seit 1994 kämpfte der Kerpener fast immer um den Titel. Mit Ausnahme der Jahre 1996, seinem ersten Jahr bei Ferrari, 1999, als er sich das Bein brach, und 2005, als Ferrari nicht konkurrenzfähig war. Gewechselt haben in dieser Zeit nur seine Gegner.

Schumacher hat den waghalsigen Fahrstil aber nicht erfunden. Ayrton Senna war schon vor ihm damit erfolgreich.

Der Brasilianer fuhr noch brutaler, perfektionistischer und verbissener als alle Formel-1-Piloten vor ihm. Senna war Schumachers großes Vorbild. Sie waren sich ähnlicher, als ihnen lieb war. Als Schumacher 1991 in die Formel 1 kam, ahnte Senna schon, was kommen würde. "Schumacher hat alles, was man für eine erfolgreiche Karriere braucht", meinte der Brasilianer. Auch das Ego. Und so knisterte es schon 1992 gewaltig zwischen den beiden. "Auch ein Senna hat mir nichts zu sagen", meinte der Neuling Schumacher. Er wusste schon damals: Nur mit solch einer Einstellung wird man Weltmeister.

Es ging aber auch mal schief. Wie 1997 gegen Jacques Villeneuve, als Schumacher beim Saisonfinale in Jerez wieder ein waghalsiges Manöver versuchte. Es misslang. Villeneuve raste zum Titel, und Schumacher wurden wegen Unsportlichkeit seine Punkte der Saison aberkannt. Aus Villeneuve und Schumacher wurden Feinde. "Es gibt keine Beziehung zwischen uns, und es hat sie auch nie gegeben", sagt Villeneuve.

Mika Häkkinen, Weltmeister 1998 und 1999, war Schumachers hartnäckigster Gegner. Und der Fairste. "Er war mir immer ein Mysterium, und ich glaube, ich war es für ihn genau so", sagt Häkkinen. "Aber irgendwie wusste ich, wenn es Rad an Rad in die Kurve geht, rammt er mich nicht." Michael Schumacher spürte Ähnliches für Häkkinen. "Ich war nie sicher, wie viel er noch aus seinem Auto holen kann. Es gab Momente, da dachte ich, jetzt packen wir sie, aber dann hat er es wieder geschafft, irgendwie."

Nach Häkkinen kam lange kein wirklicher Gegner. Erst in diesem Jahr, im engen Kampf gegen Alonso, griff Schumacher wieder in die Trickkiste und "parkte" seinen Ferrari in den letzten Sekunden des Qualifyings von Monaco in der Rascasse-Kurve, um Alonsos Pole zu verhindern.

Alonso rächt sich auf seine Weise

Dass dieses Manöver Absicht war, konnte jeder sehen. Alonso schwieg und ließ den ohnehin vorhandenen Schumacher-Hass wirken. Erst in Monza, als Ferrari eine ungerechte Strafe gegen Alonso durchboxte, attackierte der Spanier Schumacher als den "unsportlichsten Piloten in der Geschichte der Formel 1".

In Suzuka pflegte Alonso wieder einen anderen Tonfall. "Michael war der Champion der letzten Jahre. Deswegen ist es gut für mich, dass ich in den letzten Rennen seiner Karriere gegen ihn kämpfe." Dass Alonso über Schumacher in der Vergangenheitsform redet, zeigt, dass auch der neue König der Formel 1 ein Egozentriker ist.

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