Schiri-Quartett outet sich als Informanten

- Frankfurt - Im größten Bundesliga-Skandal seit 34 Jahren haben neue Enthüllungen für Aufsehen gesorgt: Die vier Berliner Referees Lutz Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix Zwayer haben sich geoutet, den Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth (Salzgitter), letzte Woche über Verdachtsmomente gegen den Berliner Robert Hoyzer informiert zu haben.

"Wir sahen auf Grund der Informationen und der direkten Aussagen von Hoyzer gegenüber dem Schiedsrichterkollegen Zwayer eine dringende Aufklärungsnotwendigkeit, um einen eventuellen Schaden am Fußball und Schiedsrichterwesen zu verhindern. Wir sind der Auffassung damit im Interesse des deutschen Fußballs zu handeln", lautete eine Presseerklärung, die von Fröhlich, Gräfe, Zwayer und Blumenstein unterzeichnet war.

Zwei der vier Schiris wurden vom DFB als Zeugen vernommen. Allerdings verwiesen sie darauf: "Wir betonen, dass wir Hoyzer weder des Wettens auf eigene Spielleitungen und des Betruges bezichtigt noch irgendwelche Hintergründe oder weitere Personen damit in Zusammenhang gebracht haben." Die DFL erwägt laut ihrem Chef Werner Hackmann als Konsequenz aus dem Verdacht gegen Hoyzer die lange schon diskutierte Einführung von Profi-Schiedsrichtern. "Das ist eine denkbare Möglichkeit", erklärte er.

Hoyzer selbst beteuerte erneut seine Unschuld. "Mir geht es sehr schlecht, und ich beschäftige mich Tag und Nacht mit dieser Situation. Ich habe nicht betrogen", sagte der 25-Jährige im Interview mit TV.Berlin. Hoyzer wird ab sofort von der Essener Rechtsanwaltskanzlei Holthoff-Pförtner vertreten.

Der Ex-Referee ist verwundert über das Verhalten des DFB, der nach Hoyzers Vernehmung am Freitag durch den DFB-Kontrollausschuss den Fall am Samstagabend publik gemacht hatte. "Ich hätte gerne die konkreten Vorwürfe und Beweise auf dem Tisch und wüsste gerne, wer diese erhebt. Dann kann ich mich den Beschuldigungen stellen", sagte er.

Zwayer hatte dagegen in einem Interview den Versuch der Einflussnahme auf seine Spielleitung bestätigt. Er erhielt vor dem Spiel Essen - Köln (2:2) im Oktober einen ominösen Anruf, den er aber sofort unterbunden habe. Gräfe und Zwayer fordern eine umfassende Aufklärung seitens des DFB.

Derweil wartet die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die bereits am Montag erste Vorermittlungen aufgenommen hatte, weiter auf die Akten des DFB. "Wir werden die Unterlagen bekommen. Es findet schon jetzt ein Informationsaustausch statt. Aber wir sind nicht nur auf Unterlagen des DFB angewiesen", sagte Klaus Ziehe, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bisher wurde keine Strafanzeige gegen Hoyzer gestellt, auch ein Ermittlungsverfahren ist noch nicht eingeleitet.

Als erste Konsequenz aus dem Fall wird Schiri-Boss Roth morgen von den 44 Schiedsrichtern der 1. und 2. Liga bei einer Tagung in Frankfurt die Unterzeichnung eines Ehrenkodexes verlangen. Wer nicht unterschreibe, "kann nicht mehr auf der DFB-Liste stehen", sagte der 62-Jährige, "ich bin nicht zu haben für irgendwelche Vertuschungen. Der Schaden ist immens".

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