Der Schock sitzt in der Branche tief

- München - Eine Stellungnahme zum Fall Hoyzer? Auf gar keinen Fall! Man will nichts, kann nichts - und darf auch nichts sagen, so lautete gestern die Antwort auf Anfragen zum mutmaßlichen Wettskandal, wenn man sie an Mitglieder der Schiedsrichterzunft richtete. Branchenintern wurde ein Maulkorb verhängt, offizielle Aussagen gab es nur über die DFB-Zentrale in Frankfurt. Der Schock in der Branche, so viel klang allerdings bei jeder Absage durch, ist groß. Hoyzers Kollegen fürchten einen Imageverlust, und das, obwohl deutsche Referees weltweit seit Jahren als einwandfreier Exportschlager galten. Gerade im Vorfeld der WM im eigenen Land kommt so etwas extrem ungelegen.

Bisher ist noch nicht einmal hinreichend geklärt, ob Robert Hoyzer tatsächlich Spiele in Serie verschoben hat, auch scheint einiges auf ein Einzelschicksal hinzudeuten - und dennoch fühlen sich alle getroffen, tief in der Glaubwürdigkeit. Schritt für Schritt müsse man sich nun wieder das Vertrauen zurück erarbeiten, heißt es am Rande des Schweigegelübdes, doch es wäre auch tatsächlich verkehrt, alle Unparteiischen des Landes mit tiefstem Misstrauen in Sippenhaft zu nehmen. Denn im Großen und Ganzen ist das Kontrollsystem über die deutschen Schiedsrichter sehr professionell. Jeder wird bei jedem Spiel von einem Fachmann, einem sogenannten "Coach", auf der Tribüne beobachtet. Bewertet werden Aspekte von der Persönlichkeit (Mut zu unpopulären Entscheidungen, korrekter Umgang mit Spielern, etc.) über Spielkontrolle und Strafen (u. a. konsequente Linie, bewies Spielverständnis) bis zum Laufvermögen (Spielnähe und Stellungsspiel). Nach dem Abpfiff setzten sich Beurteiler und Beurteilter zusammen, Aktionen werden anhand von Videobildern erörtert, am Ende gibt es eine Note. Auf Lehrgängen wird dazu geschult, was einen modernen Referees ausmacht, es gibt sogar feste Laufwege zu bestimmten Spielzügen. Gesucht und geschult werden Persönlichkeiten, am Ende jeder Saison wird entschieden, wer in die Eliteklasse aufrückt oder wer unter Umständen degradiert wird.

Wer Schiedsrichter werden will, muss sich beim jeweiligen Landesverband bewerben. Mindestalter zwölf Jahre, zu bestehen sind schriftliche und körperliche Prüfungen (etwa ein 1300-m-Lauf in sechs Minuten). Abhängig von der Spielklasse ist die Bezahlung, für Regionalligamatche gibt es 150 Euro, in der Bundesliga kassieren Referees 3068 Euro pro Partie. Einen Passus, dass Unparteiische keine Wetten platzieren dürfen, gab es bisher im DFB-Regelwerk nicht. Es wird ihn wohl auch künftig nicht geben. Wer kriminelle Energie in sich hat, würde immer einen Weg finden, ist der allgemeine Tenor. Und in der Regel besteht eine Herde nicht ausschließlich aus schwarzen Schafen. Im Gegenteil.

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