1. Startseite
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Schon meldet sich der Schmerz

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Sao Paulo - Zum Abschied war der Mann auf einmal unsichtbar. Michael Schumacher hatte sich im Rennen bis auf den vierten Platz vorgekämpft mit einer fulminanten Aufholjagd, die eines seiner besten Rennen markierte. Und dennoch bedeutete das Ergebnis: Er war nicht auf dem Podium. Damit gab es keine Pressekonferenz mit ihm, nur TV-Interviews in der Boxengasse. Danach verschwand der Deutsche zuerst in Meetings mit seinen Ingenieuren und dann in der Ferrari-Box, hinter dieser schmalen roten Tür, wo "Piloti" drauf steht. Das Verschwinden hatte durchaus Symbolcharakter: Die Formel 1 ohne Michael Schumacher - daran muss man sich jetzt gewöhnen.

Vor dem Abschiedsrennen hatte er in der Startaufstellung noch Besuch von einem alten Bekannten bekommen. Mika Häkkinen, den Schumacher zum "Lieblingsgegner" seiner Formel-1-Jahre erklärt hat, hatte lange auf ihn gewartet. Als Schumacher endlich kam, war es eine kurze Szene zwischen dem angespannten Mann in Rot und Häkkinen. Umarmung, kurze Worte, Schulterklopfen. "Ich habe ihm nur gesagt: Willkommen im Klub", berichtete Häkkinen später. "Da ist Michael fast erschrocken. Er hat wohl erst da begriffen, dass jetzt wirklich Schluss ist."

Es muss dann wohltuend für Schumacher gewesen sein, dass er nach dem Grand Prix mehr Fragen zu seinem großartigen Rennen gestellt bekam als zu seinem Abschied. Denn als diese kamen, klangen sie so. Frage: "Wann werden Sie kapieren, dass Sie kein Formel-1-Pilot mehr sind?" Antwort: "Ich habe keine Ahnung." Frage: "Was werden Sie nicht vermissen aus der Formel 1 ?" Antwort: "Fragen, auf die ich keine Antwort weiß."

Innerlich schien der Perfektionist der Rennpiste doch nicht perfekt vorbereitet auf den Abschied. Und viele, von Häkkinen bis hin zu Schumacher-Manager Willi Weber, rechnen ja auch mit einem Comeback des Rekordchampions, früher oder später.

Natürlich dementierte Schumacher in Sao Paulo energisch diesbezügliche Spekulationen. Statt dessen genoss er die letzten Liebeserklärungen vor der Trennung. Danach gefragt, ob er ein Lieblings-Souvenir aus Brasilien mitnimmt, sagte Schumacher: "Ja, das Bild von meinen Mechanikern in der Boxengasse. Auf dieses Bild haben sie geschrieben: ,Einer von uns’. Diese Worte gefallen mir sehr."

Dass die Trennung weh tut, machte auch Ferrari-Teamchef Jean Todt deutlich. "Jetzt geht ein Kapitel zu Ende, weil Michael beschlossen hat, seine Karriere zu beenden. Ich bin traurig darüber, selbst wenn ich diese Entscheidung verstehe", sagte Todt.

Alonso will nach drei Titeln abtreten

Um 18:45 Uhr Ortszeit war Schumacher ein freier Mann. Er verließ die Strecke in Richtung Hyatt-Hotel, wo seine Abschiedsfeier im engen Kreis stieg, mit Vater Rolf, Gattin Corinna und Freunden, wie dem langjährigen Physiotherapeuten Balbir Singh. Am Montag flog Schumacher dann Richtung Heimat, in sein neues Leben. Derweil machte sich der alte und neue Champion Fernando Alonso, kurz nach seinem zweiten WM-Triumph, bereits laut Gedanken über den eigenen Rückzug aus der Königsklasse. "Ich glaube nicht, dass ich sieben Mal Weltmeister werden kann, weil ich nicht so lange in der Formel 1 bleiben will. Mich mit drei WM-Titeln zurückzuziehen, das wäre das Ziel meiner Karriere", erklärte der 25-jährige Spanier. Ein Schumacher in dem Alter hätte sowas nie gesagt.

Auch interessant

Kommentare