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Ein schonungsloses Feuerwerk

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- Seit Muhammad Ali 1976 hier einmal sein Trainingscamp aufschlug, ist der Circus Krone aus boxerischer Sicht geweihter Boden. Ein zeitgenössischer Circus Maximus, erprobter Kampfplatz moderner Gladiatoren, zu denen man auch die Kickboxer des Münchner Steko-Gyms zählen kann: Einer von ihnen, der Mittelgewichtler und Weltmeister der World-Kickboxing-Association (WKA) Ramin Abtin (33), verteidigte am Freitag in der knapp ausverkauften Zirkusarena im vielleicht höchstklassigen Kampf, den die Brüder Mladen und Pavlica Steko bisher auf die Beine gestellt haben, seinen Titel erfolgreich.

Der Fight über zwölf Runden war Schauspiel meisterlicher, ja brillanter Technik, demonstrierte Kampfkraft austrainierter Physis und mentale Stärke ringerfahrener, gleichwertiger Athleten. Trainer Malden Steko verteidigte tags darauf Abtins knappen Punktsieg über den Portugiesen und K1-Max-Finalisten Luis Reis trotz dessen größerer Aggressivität und virtuosester Beinarbeit: "Die Tapes zeigen, dass Reis' Schläge auf die Deckung gingen. Die Punktrichter haben genau hingeschaut."

Auch der Stuttgarter Abtin bewies im WM-Kampf erneut perfekte Beintechnik und konnte zeitweise auch mit den Fäusten hart attackieren. Beide Kämpfer brannten ein schonungsloses High-Kick-Feuerwerk nach dem anderen ab. Abtin kam dabei zum Oberkörper durch, Kopfhaken schlugen ein, er ließ nie locker, nützte, um sich vor Reis' gefährlichen Kicks zu sichern, geschickt die Halbdistanz. Hochkonzentriert suchte er nach Lücken in der Kopfdeckung des Gegners, stieß dabei aber an Grenzen. Reis war hinter dem Schutzschild seines Kickhagels schwer erreichbar. Die Konter des K1-Kämpfers kamen wie ein Reflex und mit raubkatzenhafter Geschmeidigkeit. Abtin flüchtete gegen Ende öfter in die Deckung, sein Gesicht zeigte Spuren. Reis spielte mit seiner unverminderten Schnelligkeit den Altersunterschied aus. Trotzdem blieb Abtin hartnäckig im Vorwärtsgang, der ihn zum Sieg führte.

Klassekickboxen boten auch die siegreichen Titelverteidigungen dreier weiterer Steko-Kickboxer - am spannendsten war der Kampf um die internationale Deutsche WKA-Profimeisterschaft zwischen der Münchner Medizinstudentin Christine Theiss und der Altenburgerin Jessica Lory. An Kampfwillen standen sich die beiden Frauen in nichts nach. Lory war absolut ernst zunehmende Gegnerin mit enormem Stehvermögen. Trainer Pavlica Steko kommandierte seine zunächst im Rückwärtsgang aus der Distanz operierende Kämpferin zum Angriff. Von da ab dominierte Theiss klar, attackierte sicher und kam dabei immer wieder mit zermürbenden Kombination zum Kopf durch.

WKA-Europameister Marko Rajkovic setzte pausenlos harte Low Kicks gegen den Ungarn Attila Bodnar als Wunderwaffe ein. Bodnar wurde in Runde vier durch einen Treffer am linken Oberschenkel gefällt. Der Ringrichter entschied auf technischen K.o., damit ist Rajkovic der WM-Kampf sicher.

Europameister Albert Krieziu (35) versuchte mit viel Selbstinszenierung das belastende Alles-oder-Nichts-Szenario mental in den Griff zu bekommen: Als Alternative zum WM-Kampf, den nur der Sieg bringt, drohte altersbedingt das Karriereende. Aber wild zum K.o. entschlossen, trieb Krieziu Herausforderer Robert Kosel über zehn Runden vor sich her. Dass dem routinierten Slowaken die vorzeitige Niederlage erspart blieb, verdankte er seinen schnellen Beinen - und noch schnellerem Abtauchen in den Clinch.

Hartnäckig im Vorwärtsgang: Ramin Abtin (l.) aus dem Münchner Steko-Stall gegen den Portugiesen Luis Reis.Foto: mm

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