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Sebastian Vettel ist vierfacher F1-Weltmeister

Vor dem F1-Auftakt

Sebastian Vettel im tz-Interview: „Die Formel 1 ist kein Kindergeburtstag!“

Michael Schumacher ist die Richtgröße für Sebastian Vettel. Wie einst sein Vorbild strebt auch der Hesse in seiner fünften Formel-1-Saison bei Ferrari endlich den ersten WM-Titel mit der Scuderia an. Kommt es wieder zum Zweikampf mit Mercedes-Superstar Lewis Hamilton?

Das Auto hat nicht optimal funktioniert. Wir sind eine halbe Sekunde zurück“, warnte Weltmeister Lewis Hamilton sein Mercedes-Team nach den Testfahrten in Barcelona. Sebastian Vettel dürfte die Aussagen gerne vernommen haben. Der 31-Jährige und Ferrari haben im Winter den besten Job gemacht und reisen als Favorit zum Saisonstart in Melbourne am Sonntag (6.10 Uhr/Sky und RTL). Mercedes holte seit 2014 fünf Fahrertitel, fünf Konstrukteurstitel und 74 Siege in 100 Rennen. Vettel will das endgültig ändern. Im ersten Teil des großen Saisonauftaktinterviews spricht er über Kritik an seiner Person, Parallelen zu Michael Schumacher und seinen neuen Teamkollegen Charles Leclerc.

Herr Vettel, Michael Schumacher hat fünf Jahre gebraucht, um 2000 seinen ersten Titel mit Ferrari einzufahren. Sie gehen in Ihre fünfte Saison. Macht das Hoffnung? 

Vettel (lacht): Herr Vettel? Jetzt mal ehrlich, ich bin der Sebastian. Hoffnung, ja. Obwohl man die Zeit damals nicht richtig mit heute vergleichen kann, vieles hat sich verändert. Ich denke aber, die Zeichen stehen gut für die Zukunft, wenn wir uns alle am Riemen reißen und das Beste herausholen. Was die fünf Jahre betrifft: Man fragt sich höchstens manchmal, warum das alles so lange dauert. Wir waren zuletzt deutlich näher dran an Mercedes, aber am Ende sind wir nur Zweiter geworden, daran wird man gemessen. In der Formel 1 gibt es einen Sieger, alle anderen sind Statisten. Der Zweite ist der erste Statist. Das ist nicht fair, aber die Formel 1 ist kein Kindergeburtstag. 

Sie mussten speziell 2018 viel Kritik einstecken. Wie sehr hat das genagt und war sie immer fair? 

Vettel: Nein, fair war sie nicht, aber jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung. Entscheidend ist das Ergebnis, ob man einen Punkt vorne ist oder dahinter. Ich habe im Lauf der Jahre gelernt, mit Kritik umzugehen.

Schumacher wollte im Mai 1998 Ferrari verlassen und zu McLaren-Mercedes wechseln. Wollten Sie in den vergangenen vier Jahren das Handtuch schmeißen? Bitte keine Ja-Nein-Antwort? 

Vettel (lacht): Vielleicht. Im Ernst: Eigentlich nicht. Oder nein. Die Antwort ist Nein! Weil das Handtuch zu schmeißen würde bedeuten alles hinzuwerfen und aufzugeben. Mein Ziel, mein Traum ist es aber, mit Ferrari Weltmeister zu werden. Michaels erfolgreiche Jahre mit Ferrari haben mich als Kind inspiriert. Aber es ist nicht nur das. Ebenso motiviert mich, dass Ferrari die größte Marke in der Formel 1 ist. Für mich wäre es das Ultimative, wenn ich mit Ferrari gewinne. 

Sie haben mit Mattia Binotto einen neuen Teamchef und mit Charles Leclerc einen neuen Teamkollegen. Was bedeuten die personellen Veränderungen für Sie? 

Vettel: Es ist egal, ob es Kimi Räikkönen war oder jetzt Charles Leclerc ist. Klar ist, dass man sich auf der Strecke bekämpft und den anderen besiegen möchte. Ich wünsche mir und hoffe, dass wir gut miteinander auskommen, aber ich sehe keinen Grund, warum das nicht der Fall sein sollte. Man muss reif genug sein, das eine von dem anderen zu trennen. Die größere personelle Veränderung ist mit Sicherheit die Berufung von Mattia (Binotto, die Red.) an die Spitze des Teams. Ich sehe das wie das ganze übrige Team als Chance, unser gemeinsames Ziel zu erreichen: Erster zu werden. Es ist aber bekannt, dass wir nicht gegen Mickey Mouse und Donald Duck fahren. 

Eine Parallele zu Schumacher: Mit Felipe Massa bekam er 2005 einen jungen Fahrer, der dem Ferrari-Nachwuchskader entsprang. Wie jetzt Leclerc. Schumacher löste das Problem, indem er ihn „adoptierte“ und ihn so auf Distanz hielt. Wie gehen Sie mit der Gefahr Leclerc um? 

Vettel: Hat er Massa wirklich adoptiert? Also, ich weiß nicht, Massa hatte doch einen Vater, soviel ich weiß. Charles wird versuchen, seine Chance zu nutzen, ich werde dasselbe tun. Die Gefahr, dass man von einem anderen geschlagen wird, ist in der Formel 1 immer gegeben. Schließlich fahren hier die besten Piloten der Welt. Man muss akzeptieren, auch wenn es einem schwerfällt, dass man nicht immer seinen besten Tag haben kann. 

Wurden Sie eigentlich von den Ferrari-Entscheidungsträgern über die Veränderungen nur informiert oder waren Sie in die Diskussionen im Vorfeld involviert? So wie das immer bei Schumacher der Fall war. 

Vettel (etwas angesäuert): Danke für den Nachsatz. Es war keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist. Auch wenn ich nicht die Entscheidungen treffe, war ich natürlich in der einen oder anderen Weise eingebunden. 

Schumacher galt als Mitgestalter des Teams, der eine besondere deutsche gründliche Arbeitsweise einbrachte. Machen Sie das auch oder sehen Sie sich am Ende nur als Fahrer, der das Lenkrad dreht? 

Vettel: Ich glaube, da ist auch viel Legende dabei. Ich bin mir nicht sicher, wie deutsch Michael wirklich war. Jeder Mensch unterscheidet sich von einem anderen, deshalb sollte man jemanden nicht gleich mit einer Flagge abstempeln. Es stimmt aber, dass Michael sehr gründlich und akribisch war. Ob das aber jeder Deutsche ist, lasse ich dahingestellt. Bin ich auch so? Das sollten andere beantworten. Ich denke nicht, dass Michael mit seiner gründlichen Arbeitsweise geprahlt hat. Diese Arbeitsweise haben andere ihm attestiert.

Eine banale Frage, die nicht banal beantwortet werden sollte: Wie können Sie Hamilton schlagen? 

Vettel: Man muss grundsätzlich beide Fahrer von Ferrari, Mercedes und Red Bull auf der Rechnung haben. Dazu muss man abwarten, ob durch die Regeländerungen eine Überraschung dazukommt. Was Hamilton betrifft: Wenn ich Mercedes schlage, habe ich auch Lewis geschlagen. Die letzten Jahre haben wir unser Potenzial gezeigt, aber wir waren noch nicht gut genug – sowohl beim Chassis als auch beim Motor. Wir kennen unsere kleinen Schwachstellen aus der vergangenen Saison, und wenn wir die jetzt abstellen, dann bin ich guter Dinge. 

Interview: Ralf Bach

Michael Schumacher: Ehefrau äußert sich in Brief an Fan


Teil 2 des Interviews lesen Sie morgen

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