+
Wie geht es weiter für Sebastian Vettel?

Heimsieg von Leclerc

Nach Patzer-Serie von Sebastian Vettel: Spekulationen über Karriereende werden lauter

Beim Ferrari-Heimrennen hat Sebastian Vettel gegen Teamkollege Charles Leclerc verloren und wieder einen Fehler gemacht. Spekulationen über ein Karriereende mehren sich.

Monza - Der erste Heimsieg seit neun Jahren, Tausende verrückte Tifosi im Land und ein neuer Stern am roten Formel-1-Himmel. Die Ferrari-Welt könnte so schön sein. Ist sie aber nicht, zumindest intern, denn die Feier nach Charles Leclercs (21) Triumph am Sonntag in Monza verkam zu einer vergifteten Party. Sebastian Vettel (32), der nach einem Fahrfehler das Rennen nur als 13. beendete, machte gute Miene zum bösen Spiel, gratulierte seinem Kollegen per Handschlag und resümierte mit einem gequälten Lächeln: „Ich bin nicht glücklich darüber, wie der Tag gelaufen ist. Für das Team war er natürlich gut.“

Hinter den Kulissen schimpfte der entthronte Ferrari-Anführer wie ein Rohrspatz über den Monza-Sieger, denn der hatte im Qualifying Absprachen missachtet. Über die Qualifikation und das Rennen in Monza hatte tz.de* berichtet. Abgemacht war, dass sich beide Piloten durch Windschatten-Fahren zu Topzeiten ziehen. Vettel erfüllte seine Aufgabe, Leclerc widersetzte sich in der dritten Qualifying-Runde der Teamorder und sicherte sich die Bestzeit. Dem Deutschen, eigentlich der Schnellere zu dem Zeitpunkt, blieb nur Rang vier und die schlechtere Ausgangsposition. Im Rennen selbst agierte Vettel freilich zu übermütig.

Sebastian Vettel wurde von Charles Leclerc entthront

Die italienischen Medien hatten für den viermaligen Weltmeister nur Spott übrig und riefen die Ära Charles Leclerc aus. Der siegreiche Ferrari-Rookie habe „in knapp sechs Monaten alles erobert: die Scuderia, die Liebe der Fans und wahrscheinlich die ganze Zukunft Ferraris. Sein Triumph gleicht einer Krönung“, schrieb die Gazzetta dello Sport. Der Corriere dello Sport bezeichnete Leclerc als „Phänomen“. In den kommenden Wochen dürfte es der von Jean-Todt-Sohn Nicolas (41) betreute Monegasse allerdings schwerer haben, denn im Team herrscht Eiszeit.

„Leclerc hat den A…-Joker gezogen, aber zum falschen Zeitpunkt“, analysierte Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve (48). Unterstützung von Vettel scheint undenkbar, zumal auch Ferrari-Boss Mattia Binotto (49) die Strategie-Missachtung nach tz-Informationen nicht besonders lustig fand. Ein Gespräch soll folgen.

Sebastian Vettel: Seine Patzer häufen sich

Dass sich Leclerc öffentlich danebenbenimmt, davon ist nicht auszugehen. Er ist viel zu clever und smart, um seine neue Rolle allzu demonstrativ, genussvoll und vor allem vor Vettel zur Schau zu stellen. Man müsse als Team zusammenarbeiten, betonte der Monegasse. Nach einem Jahr bei Ferrari-Partner Sauber (jetzt Alfa Romeo) war Leclerc vor dieser Saison bereits zum Stammfahrer der Scuderia ernannt worden. Der in die Jahre gekommene Vettel-Kumpel Kimi Räikkönen musste Ferrari verlassen, mit seinem Titel 2007 ist der Finne noch immer der letzte Weltmeister der Marke aus Maranello. Vettel verlor mit dem bald 40 Jahre alten Räikkönen seinen Wohlfühl-Teampartner.

All das ist ihm anzumerken. Seit dem Deutschland-Grand-Prix im Vorjahr hat er in sieben weiteren Rennen Punkte und Erfolge für das Team durch Patzer weggeworfen. Sein letzter Sieg liegt über ein Jahr zurück. Er hat noch einen Vertrag für die kommende Saison, doch die Zweifel daran, dass er diesen erfüllt, werden lauter.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

mm, rb

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Zverev-Niederlage: Team Europa mit 7:5-Führung
Genf (dpa) - US-Open-Champion Rafael Nadal aus Spanien und der Grieche Stefanos Tsitsipas haben am Samstag das Doppel beim Laver Cup der Tennisprofis mit 4:6, 6:3, 6:10 …
Nach Zverev-Niederlage: Team Europa mit 7:5-Führung
"Unglaublich wichtig": DVV-Männer im EM-Viertelfinale
Rechtzeitig zur K.o.-Runde sind die deutschen Volleyballer voll da. Georg Grozer & Co. bezwingen im spannenden Achtelfinale die Niederlande mit 3:1. Die …
"Unglaublich wichtig": DVV-Männer im EM-Viertelfinale
Kerber verpasst Finale bei WTA-Turnier in Osaka
Osaka (dpa) - Angelique Kerber hat den Sprung in das Tennis-Finale von Osaka verpasst. Die einstige Weltranglisten-Erste verlor ihr Halbfinal-Spiel gegen Anastassija …
Kerber verpasst Finale bei WTA-Turnier in Osaka
Bayern als Jäger - Pizarro vor weiterem Rekord
Nach dem Start in Champions und Europa League geht die Bundesliga in die nächste Runde. Der FC Bayern will nach dem Trubel um das große Torwart-Thema Druck auf RB …
Bayern als Jäger - Pizarro vor weiterem Rekord

Kommentare